HomeGesundheitKrankheiten & SymptomeCorona

Neue Corona-Regeln: Was kann ein strenger Teil-Lockdown wirklich bewirken?


Was können die strengen Maßnahmen wirklich bewirken?

Von Nicole Sagener

Aktualisiert am 29.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Maskenpflicht U-Bahn Berlin: Die bisherigen Maßnahmen reichen offenbar nicht aus – die Corona-Zahlen steigen weiter an.
Maskenpflicht U-Bahn Berlin: Die bisherigen Maßnahmen reichen offenbar nicht aus – die Corona-Zahlen steigen weiter an. (Quelle: Jochen Eckel/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextPutin macht angeblich KurzurlaubSymbolbild für einen TextUmfrage: Union verliert, AfD legt zuSymbolbild für einen TextCDU: Flüchtlingsdeal mit Türkei "erodiert"Symbolbild für einen TextLagarde: EZB wird Zinsen anhebenSymbolbild für einen TextManager stichelt gegen Uli Hoeneß zurückSymbolbild für einen TextBayern verkündet Tod eines GletschersSymbolbild für ein VideoZug rast in PolizeiautoSymbolbild für einen TextNord Stream 2: Druckabfall in PipelineSymbolbild für einen TextHund kotet Frau an: NotaufnahmeSymbolbild für einen TextUrsula Karven zieht für Peta blankSymbolbild für einen TextSterbender Lkw-Fahrer liegt auf RastplatzSymbolbild für einen Watson TeaserKultserie enttäuscht und verwirrt FansSymbolbild für einen TextQuiz – Macht Milch die Knochen stark?

Deutschland steht angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen ein bundesweiter Teil-Lockdown bevor. Doch handelt die Politik auf Basis verlässlicher Daten? Das meinen Forscher und Mediziner.

Das Wichtigste im Überblick


Teil-Lockdown: Dieser seit einiger Zeit diskutierte Schritt ist laut Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten in der aktuellen Corona-Lage notwendig. Das erklärte Ziel sei es, "zügig die Infektionsdynamik zu unterbrechen, damit in der Weihnachtszeit keine weitreichenden Beschränkungen" erforderlich seien, heißt es in der Beschlussvorlage zu der Videokonferenz von Kanzlerin und Länderchefs am Mittwoch.


Coronavirus: An diesen Orten lauert das größte Risiko

In der Bahn, im Restaurant und auch zu Hause – wo sich Menschen auf engem Raum befinden, kann sich das Coronavirus leicht ausbreiten. Unsere Fotoshow zeigt, welche Situationen besonders riskant sind.
Bahn: Öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder Bahnen sind ebenfalls mögliche Infektionsquellen. Hier treffen viele Menschen auf engem Raum aufeinander. Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und das Tragen einer Gesichtsmaske können das Ansteckungsrisiko minimieren – sofern sich alle daran halten.
+7

Loading...
Symbolbild für eingebettete Inhalte

Embed

Anzeigen
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Symbolbild für ein Video
Baerbock kontert Lawrow in knapp 20 Sekunden aus

Doch was würde ein Teil-Lockdown konkret bedeuten? Und wie groß wäre der Effekt eines "Lockdown light" auf die Infektionszahlen und die Belegung der Krankenhäuser wirklich? Handelt die Politik bei ihren Entscheidungen auf der Basis verlässlicher Daten? Klar ist: Auch Wissenschaftler und Mediziner sind dazu unterschiedlicher Meinung. t-online fasst die unterschiedlichen Positionen zusammen.

Was wurde bei Merkels Konferenz mit den Länderchefs beschlossen?

Kern der Entscheidungen sind drastische Kontaktbeschränkungen. Konkret bedeutet das: Bundesweit sollen ab dem 2. November und bis Monatsende zwar Schulen, Kindergärten sowie Groß- und Einzelhandelsgeschäfte geöffnet bleiben. Freizeiteinrichtungen wie Kinos und Theater, Hotels und Gastronomie würden aber geschlossen, Unterhaltungsveranstaltungen verboten, auch Profisport inklusive der Fußballbundesliga ist im November nur noch ohne Zuschauer zugelassen.

Zudem sollen Kontakte in der Öffentlichkeit sowie Feiern auf Plätzen und in Wohnungen eingeschränkt werden. Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist demnach nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gestattet.

Inwiefern ein solches drastisches Vorgehen tatsächlich helfen würde, die Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen, ist aber auch unter Experten umstritten. Während manche Forscher einem Lockdown einen relevanten und wichtigen Effekt zutrauen, sehen andere Wissenschaftler sowie Mediziner solche Maßnahmen äußerst kritisch.

Deutsche Forschungsorganisationen für drastische Reduktion der Kontakte

Für rasche und drastische Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung hatten sich am Dienstag auch die Präsidenten der wichtigsten deutschen Forschungsorganisationen ausgesprochen. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Titel "Es ist ernst" mahnen sie zwar nicht explizit einen Lockdown an. Sie schreiben aber, "dass es gegenwärtig ein Hauptinstrument gibt, um die Kontrolle über die Pandemie zurückzugewinnen: Die Anzahl der Kontakte zwischen Personen ohne adäquate Vorsichtsmaßnahmen muss konsequent reduziert werden."

Dazu bieten die Autoren des Papiers eine klare Kennziffer: Um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, müssten die Menschen ihre Kontakte durchschnittlich auf ein Viertel reduzieren, fordern die Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Eine Halbierung der Kontakte ohne Vorsichtsmaßnahmen würde hingegen laut wissenschaftlichen Simulationen aktuell nicht ausreichen, um die Zahl von Neuinfizierten pro Woche zu senken.

Die Autoren gehen davon aus, dass strengere Maßnahmen – die ein Teil-Lockdown mit sich bringen würde – die Fallzahlen so weit senken könnten, "dass die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung wieder vollständig durchführen können". Sobald dies, nach geschätzt drei Wochen, wieder möglich sei, könnten die Beschränkungen vorsichtig gelockert werden, ohne dass unmittelbar eine erneute Infektionswelle drohe.

Ärzteverbände, Streeck und Schmidt-Chanasit gegen pauschalen Lockdown

Eine andere Position vertreten die Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn und Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg sowie zahlreiche Mediziner. In einem gemeinsamen Positionspapier, das von den beiden Virologen sowie dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen formuliert und nach ihren Angaben von zahlreichen ärztlichen Berufsverbänden unterzeichnet wurde, fordern die Autoren einen Verzicht auf weitere Lockdowns.

Die Begründung: Eine einheitliche wissenschaftliche Grundlage zur Bewertung der Pandemiedynamik und die Ableitung von Maßnahmen aus den bisherigen Daten gebe es überhaupt nicht. Es fehlten konkrete Beweise, dass die Schließung der Gastronomie und ähnliche Maßnahmen überhaupt einen Einfluss auf die Infektionszahlen habe, so Streeck und Schmidt-Chanasit in der Pressekonferenz am Mittwoch. Etliche Ärzte distanzierten sich in den sozialen Medien aber von dieser Position.

Neue Strategie: Was fordern Streeck, Schmidt-Chanasit und Ärzteverbände?

Die Autoren der "Gemeinsamen Position von Ärzteschaft und Wissenschaft" schlagen statt eines erneuten Herunterfahrens des Alltagslebens eine neue Strategie mit folgenden Punkten vor:

  • Abkehr von der Strategie zur Kontaktverfolgung von Infizierten: Eine Pandemiebekämpfung ausschließlich im Rahmen einer Kontaktpersonennachverfolgung werde nicht mehr möglich sein, heißt es in dem Papier. Stattdessen sollte künftig die Priorität auf Fälle mit Bezug zu medizinischen und pflegerischen Einrichtungen oder Veranstaltungen mit vielen Infizierten liegen.
  • Behörden sollten sich auf Schutz von Risikogruppen fokussieren: Vorkehrungen und Tests in Pflegeheimen und Kliniken sollten systematischer laufen. Zudem müsse auch für Menschen der Risikogruppen, die zu Hause leben, Schutz etabliert werden. Dazu gehörten etwa FFP2-Masken und Tests, um Besuch bekommen zu können. Die Behörden könnten zudem dafür sorgen, dass der Zutritt zu Altersheimen nur nach einem Schnelltest möglich ist oder etwa Nachbarschafts- und Einkaufhilfen organisiert werden.
  • Einführung eines Ampelsystems auf Bundes- und Kreisebene: Ein einheitliches Ampelsystem soll die aktuelle Corona-Lage schnell erkennbar machen.
  • Risikokommunikation, die mit Geboten statt Verboten arbeitet: Die Bevölkerung sollte mehr zum Mitmachen und Einhalten der bestehenden Hygieneregeln motiviert werden. Würden die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) und das Nutzen der Corona-Warn-App konsequent umgesetzt, wäre das laut Jonas Schmidt-Chanasit "vollkommen ausreichend, um die Pandemie gut zu überstehen". Risikokontakte fänden mehr zu Hause statt, weniger etwa in Hotels.
Empfohlener externer Inhalt
Twitter
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Maßnahmen gegen Überlastung der Intensivstationen

Für die Forschungsorganisationen Leopoldina und Co. haben strenge Maßnahmen auch mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen oberste Priorität: "Auf eine hohe Auslastung der Intensivbetten zu warten, bevor konsequente Maßnahmen gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 umgesetzt werden, führt zu einer Krisensituation in der Krankenversorgung."

Auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Prof. Uwe Janssens, mahnte kürzlich in einem Video auf seinem eigenen YouTube-Kanal, er beobachte mit großer Sorge den überproportionalen Anstieg der Corona-Infektionen in Deutschland und Europa: "Wir Intensivmediziner befürchten, bei weiter steigenden Infektionszahlen die intensivmedizinische Versorgung in Deutschland bald nicht mehr in vollem Umfang gewährleisten zu können!"

Janssens forderte darum die Bevölkerung auf, sich jetzt strikt an die Regeln zur Minimierung des Infektionsrisikos zu halten:

  • Kontakte minimieren
  • Größeren Veranstaltungen fernbleiben
  • Teilnahme an Festen vermeiden
  • AHA+L+A Regel beachten: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften und App benutzen
Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters
  • Online-Pressekonferenz der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
  • Gemeinsame Erklärung mehrerer deutscher Forschungsorganisationen: "Coronavirus-Pandemie: Es ist ernst (2020)"
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: "Positionspapier von Wissenschaft und Ärzteschaft zur Strategieanpassung im Umgang mit der Pandemie"
  • Eigene Recherche
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Christiane Braunsdorf
Von Christiane Braunsdorf
Angela MerkelDeutschlandGastronomieGörlitzHendrik StreeckLockdownMaskenpflichtWeihnachten
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website