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Bewirken die Corona-Impfungen schon etwas?

Von dpa
Aktualisiert am 18.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Corona-Impfung: Bis zum Ende des Sommers hat die Politik ein Impfangebot f√ľr jeden Menschen in Deutschland in Aussicht gestellt.
Corona-Impfung: Bis zum Ende des Sommers hat die Politik ein Impfangebot f√ľr jeden Menschen in Deutschland in Aussicht gestellt. (Quelle: Matthias Bein/dpa-bilder)
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Etwa jeder F√ľnfte in Deutschland hat mittlerweile mindestens eine Impfung gegen Covid-19 bekommen. Bessert sich dadurch die Pandemielage? Und k√∂nnen Geimpfte sich dennoch infizieren und das Virus weitertragen?

Ende 2020 begannen die Corona-Impfungen, inzwischen haben rund 20 Prozent der etwa 83 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Dosis bekommen. Etwa jeder F√ľnfte also, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite sind viele Millionen Menschen noch g√§nzlich ungesch√ľtzt. Den zweiten der f√ľr den vollen Schutz n√∂tigen Impftermine hatten bisher laut Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) erst etwa sieben Prozent der Bev√∂lkerung. Ebnet Deutschlands Impfkampagne dennoch schon den Weg aus der Pandemie?


Diese Politiker sind gegen Corona geimpft

Die Impfungen in Deutschland gehen voran: Nun k√∂nnen sich √ľber 60-J√§hrige und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gegen das Coronavirus impfen lassen. Einige Politiker haben den Anfang gemacht.
Angela Merkel: Die 66-jährige Bundeskanzlerin wurde am 16. April 2021 mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft.
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"Bei einer Impfquote von 20 Prozent haben wir noch keinen gro√üen, signifikanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen, auf die Fallzahlen", sagt Carsten Watzl, Generalsekret√§r der Deutschen Gesellschaft f√ľr Immunologie. Die Erstimpfung biete einen guten Schutz vor schweren Verl√§ufen, aber Ansteckungen seien weiterhin m√∂glich.

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In dieser Gruppe sind die meisten geimpft

Mit den bisherigen Impfungen haben vor allem die Menschen mit dem h√∂chsten Risiko f√ľr schwere und t√∂dliche Verl√§ufe einen Schutz: √úber 80-J√§hrige. "In der Gruppe sind die meisten geimpft", sagt Watzl. Die genaue Impfquote in dem Alter kann das RKI nicht angeben. Klar ist aber: Die Zahl der t√§glich gemeldeten Toten ist im Vergleich zur zweiten Welle deutlich gesunken. Auch bei den Inzidenzen sehen Fachleute eine Verschiebung hin zu den j√ľngeren Altersgruppen. Watzl spricht vom "ersten Erfolg der Impfungen".

Viele gef√§hrdete Menschen sind jedoch weiter ohne Schutz. Um welche Dimension es geht, wird vermutlich gemeinhin untersch√§tzt: Das RKI sieht wegen Alter und Vorerkrankungen bei 36,5 Millionen Menschen in Deutschland ein erh√∂htes Risiko f√ľr einen schweren Verlauf von Covid-19, davon z√§hlt das Institut 21,6 Millionen zur Hochrisikogruppe.

"Bei Menschen √ľber 60 und Menschen mit Vorerkrankungen haben wir gerade erst angefangen zu impfen. Das wird noch eine Weile dauern", betont Watzl. Den Schutz dieser gro√üen Gruppe aufzubauen, sei in der dritten Welle aber durchaus zu schaffen. Bei einer Impfquote von 70 bis 80 Prozent in den Risikogruppen werde sich die Belegung der Intensivstationen merklich reduzieren, sch√§tzt der Immunologe.

Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus

Ein Freifahrtschein f√ľr Lockerungen w√§re das allerdings noch immer nicht. "Sonst bekommen wir riesige Inzidenzen in der √ľbrigen, ungeimpften Bev√∂lkerung", erkl√§rt Watzl. "Deren Risiko f√ľr eine schwere Erkrankung ist ja nicht Null. Bei einer hohen Zahl an F√§llen w√ľrde es weiter zu einer gro√üen Krankenhausbelegung kommen. Wir k√∂nnen es nicht so laufen lassen."

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Nach der Statistik haben in Deutschland bisher nur gut drei Millionen Menschen die Infektion durchgemacht, wobei Experten von einer recht hohen Dunkelziffer nicht erkannter und damit auch nicht erfasster F√§lle ausgehen. Eine durchgemachte Infektion bedeutet zudem nicht, dass die Betroffenen sich nicht neu infizieren ‚Äď und das Virus weitergeben ‚Äď k√∂nnen.

Eine im Fachblatt "The Lancet Respiratory Medicine" vorgestellte Studie zeigte gerade erst, dass junge Erwachsene nicht komplett vor erneuter Ansteckung gesch√ľtzt sind. Die Impfung bleibe f√ľr Genesene wichtig: um die nat√ľrliche Immunreaktion zu verst√§rken, einer Wiederansteckung vorzubeugen und um die Weitergabe des Erregers zu reduzieren.

Ist erst mal ein gro√üer Impffortschritt erreicht, kann es schnell gehen mit dem R√ľckgang des Infektionsgeschehens ‚Äď das zeigen ermutigende Nachrichten aus L√§ndern mit raschem Impffortschritt wie Israel und Gro√übritannien. In Israel ist inzwischen mehr als die H√§lfte der neun Millionen Einwohner zweifach geimpft. Die Zahl der Corona-Infektionen, der Schwerkranken und der Toten sei inzwischen stark zur√ľckgegangen, twitterte der Forscher Eran Segal vom Weizman Institut k√ľrzlich.

Pandemielage in Großbritannien bessert sich

In Gro√übritannien haben mehr als 32 Millionen Menschen und damit rund die H√§lfte der Bev√∂lkerung eine erste Impfung. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesf√§lle sinkt, nachdem Anfang Januar noch eine katastrophale Situation mit 70.000 Neuinfektionen pro Tag verzeichnet wurde. Premierminister Boris Johnson und Mediziner wie Azeem Majeed vom Imperial College London f√ľhren das allerdings nicht nur auf die Impfkampagne zur√ľck, sondern auch auf die langen, harten Beschr√§nkungen.

Über Monate hinweg durften Briten nur eine Person außer Haus treffen und dies auch nur zum Sport oder Spaziergang; sein Zuhause ohne triftigen Grund zu verlassen, war nicht erlaubt. Reisen ins Ausland und private Treffen in Innenräumen sind bis heute verboten.

Blutgerinnsel in Hirnvenen ‚Äď ein Problem von Vektorimpfstoffen?

F√ľr die Menschen in Deutschland hat die Politik ein Impfangebot f√ľr jeden (Kinder ausgenommen) bis zum Ende des Sommers in Aussicht gestellt. Ob das klappt, l√§sst sich schwer vorhersagen ‚Äď zu viele Unw√§gbarkeiten gibt es: Kommen die angek√ľndigten Liefermengen und weiteren Impfstoffzulassungen wie erhofft? Was passiert, wenn sich Virusvarianten durchsetzen, gegen die Geimpfte und Genesene nicht optimal gesch√ľtzt sind? Drohen nach den seltenen Nebenwirkungen bei Astrazeneca weitere unerwartete R√ľckschl√§ge f√ľr die Impfkampagne?

Experten bef√ľrchten, dass die seltenen Blutgerinnsel in Hirnvenen ein generelles Problem von Vektorimpfstoffen sein k√∂nnten. Auch das Pr√§parat von Johnson & Johnson und der russische Impfstoff Sputnik V k√∂nnten dann von Altersbeschr√§nkungen ‚Äď in Deutschland wird der Einsatz von Astrazeneca nur noch f√ľr Menschen ab 60 Jahren empfohlen ‚Äď betroffen sein.

"Ich sehe die Gefahr, dass uns wegen dieser seltenen Nebenwirkungen rund die H√§lfte der Impfdosen f√ľr die Sommermonate wegbricht", sagt der Immunologe Watzl. "Dann haben wir f√ľr die unter 60-J√§hrigen erst einmal noch nicht gen√ľgend mRNA-Impfstoffe."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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