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Immunität: So hoch ist das Risiko, sich nach Corona-Impfung zu infizieren

Wichtige Fragen zur Immunität  

Wie hoch ist das Risiko, sich nach einer Corona-Impfung zu infizieren?

03.05.2021, 11:47 Uhr
Immunität: So hoch ist das Risiko, sich nach Corona-Impfung zu infizieren. Corona-Impfung: Selbst zweifach geimpfte Personen können sich mit Corona anstecken. (Quelle: dpa/Matthias Bein)

Corona-Impfung: Selbst zweifach geimpfte Personen können sich mit Corona anstecken. (Quelle: Matthias Bein/dpa)

Täglich werden Tausende Menschen gegen Covid-19 geimpft. Doch wie lange hält der Impfschutz an? Und bleiben Geimpfte oder auch Genesene weiterhin gefährdet?

Wie lange Personen nach einer Impfung oder durchlebter Corona-Infektion immun sind, wird derzeit weltweit untersucht. Erste Studiendaten zeigen eine positive Entwicklung: Die Impfungen stoppen vielerorts die Ausbreitung des Virus und schützen die Menschen vor schweren Verläufen. Doch einige Fragen zum Immunschutz bleiben weiter offen. Ein Überblick, was bisher bekannt ist.

Wie lange schützt die natürliche Immunität?

Nach einer überstandenen Corona-Infektion stellt sich die Frage, wie lange die Immunität anhält. Laut einer Studie der Universität Innsbruck sind ehemals Infizierte auch acht Monate nach der Ansteckung noch immun. Besonders wichtig sind dabei die sogenannten T-Zellen, die vom Virus angegriffene Zellen erkennen und vernichten können.

Das Risiko einer Reinfektion mit dem Coronavirus halten Forscher für sehr gering. Einer Studie aus Großbritannien zufolge liegt es bei unter einem Prozent, wenn es sich dabei nicht um eine Mutation handelt. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat aufgrund dieser Erkenntnisse festgelegt, dass Personen, die eine Corona-Erkrankung bereits durchgemacht haben, frühestens sechs Monate nach der Genesung geimpft werden sollten.

Wie lange schützt die Impfung gegen Covid-19?

Auch bei den Impfstoffen ist noch nicht bekannt, wie lange die damit erreichte Immunität tatsächlich anhält. Experten gehen aber nach den bisherigen Daten davon aus, dass eine Impfung für mindestens sechs Monate sicher wirkt.

Forscher sind außerdem überzeugt, dass eine regelmäßige Auffrischimpfung erforderlich sein wird – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung. Denn schon jetzt ist zu erkennen, dass nicht jeder Impfstoff gleich gut gegen jede Corona-Variante schützt. Einige von ihnen sind so stark mutiert, dass das Immunsystem sie trotz Impfung nicht einwandfrei erkennen kann. In diesen Fällen müssen die Corona-Impfstoffe neu angepasst werden.

Wie effektiv sind die einzelnen Corona-Impfstoffe?

Laut den Impfstudien versprechen die aktuellen Impfstoffe einen hohen Schutz – vor allem schwere Covid-19-Verläufe können verhindert werden. Die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe wird mit folgenden Werten angegeben:

  • Biontech/Pfizer: Die Impfung mit dem Präparat zeigt eine Wirksamkeit von 95 Prozent. 
  • Moderna: Laut dem US-Biotechkonzern schützt der mRNA-Impfstoff zu 90 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung und zu 95 Prozent vor einem schweren Verlauf.
  • Astrazeneca: Nach Herstellerangaben schützt der Impfstoff zu 76 Prozent vor einer Corona-Infektion mit Symptomen. Gegen schwere Covid-Erkrankungen sei der Impfstoff zu 100 Prozent wirksam, erklärt das Unternehmen.
  • Johnson & Johnson: Die Wirksamkeit des Vakzins liegt nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur Ema bei etwa 67 Prozent. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien bei mehr als 85 Prozent – und das gilt auch für Ältere.

Aktuelle Daten aus den USA belegen, dass die Corona-Impfungen offenbar sogar besser vor einer Ansteckung schützen als bisher in den Studien angenommen. Demnach hätten sich sehr wenige Menschen trotz Impfung angesteckt – etwa 0,005 Prozent aller vollständig Geimpften in den USA. Die Studie zeigt aber auch: Unter den Geimpften können Infektionen und – äußerst selten – auch Todesfälle mit Covid-19 auftreten.

Wichtig zu bedenken: Die Effektivität der Corona-Impfstoffe hängt immer von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel ist für den Aufbau der Immunität entscheidend, ob und in welchem zeitlichen Abstand die erste und die zweite Impfdosis verabreicht wurden. Auch das Immunsystem des Geimpften spielt eine wichtige Rolle. Je schwächer es ist, desto schlechter kann sich die Wirkung des jeweiligen Impfstoffs entfalten.

Wie hoch ist das Risiko, sich nach einer Corona-Impfung zu infizieren?

Mittlerweile gibt es wiederholt Meldungen von Menschen, die sich trotz zweifacher Impfung mit Corona angesteckt haben. Häufig zeigen die Betroffenen entweder gar keine oder nur schwache Symptome. Dem Robert Koch-Institut zufolge bedeuten solche Fälle jedoch nicht, dass die Corona-Impfungen nicht schützen. Vielmehr zeigen sie die positiven Effekte der Impfung. Wie ist das zu erklären?

Fest steht laut RKI:

  1. Eine 100-prozentige Wirksamkeit der Corona-Impfung gibt es nicht.
  2. Ein Teil der Geimpften kann keinen ausreichenden Schutz aufbauen.
  3. Die Wirkung der Impfung auf neue Mutationen ist noch nicht vollständig erforscht. 

Das Risiko einer erneuten Infektion kann also nur schwer allgemein angegeben werden, da es von der persönlichen Immunreaktion und dem Grad der Abgestimmtheit zwischen Virus und Impfstoff abhängt.

Wer zweimal mit Astrazeneca, Moderna oder Biontech geimpft wurde, erkrankt aber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Covid-19 und entwickelt meist auch keinen schweren Verlauf. Ein geringes Risiko, sich trotzdem zu infizieren und leichte Symptome zu entwickeln, bleibt immer bestehen.

Auf dieses Restrisiko weist auch das für die Sicherheit vom Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hin. "Es muss davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit dem Virus trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei das Virus SARS-CoV-2 ausscheiden", heißt es von den Experten auf Anfrage von "MDR aktuell".

Ein positiver PCR-Test kann also trotz Impfung vorkommen. Bei fehlenden Symptomen beweist er laut RKI die gute Wirksamkeit der Impfung unter Personen, die häufig besonders schwer erkranken würden.

Können Geimpfte das Coronavirus weiterverbreiten?

Da mit der Impfung gegen SARS-CoV-2 keine sogenannte sterile Immunität erreicht wird, besteht die Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren. Dem Robert Koch-Institut zufolge ist das Übertragungsrisiko bei vollständig Geimpften aber gering.

Erste Daten aus Israel und den USA zeigen: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus. Noch dazu lieferte eine Studie israelischer Forscher Hinweise darauf, dass die Virusmenge bei infizierten Geimpften deutlich geringer ausfallen könnte. Demnach hatten Personen, die sich zwölf bis 28 Tage nach der ersten Biontech-Spritze ansteckten, nur noch ein Viertel der üblichen Virusmenge in Nase und Rachen. Und das ist als sehr positiv zu werten, denn die Ansteckungsgefahr steigt mit der Viruslast.

Der Charité Virologe Christian Drosten geht laut "SWR" davon aus, dass die gemessenen Viruskonzentrationen höchstwahrscheinlich gar nicht mehr infektiös sind.

Muss ich nach der Impfung noch eine Maske tragen und die Corona-Regeln beachten?

Auch Geimpfte müssen sich laut RKI weiterhin an die Corona-Maßnahmen halten. So sollen sie trotz Impfung eine Maske tragen, Abstände einhalten und Menschenmassen sowie schlecht belüftete Räume meiden. Ebenfalls wichtig bleibe eine gute Händehygiene.

In einigen Bundesländern gelten für Menschen mit vollem Corona-Impfschutz besondere Regeln: Sie dürfen auch ohne Corona-Test etwa zum Einkaufen, ins Museum oder zum Friseur. Als Nachweis gilt der Impfpass. Auch die Test- und Quarantänepflicht beim Reisen entfällt, wenn man vollständig gegen Covid-19 geimpft ist.

Verwendete Quellen:
  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
  • Robert Koch-Institut (RKI): COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ)
  • MDR: "Mehr als 400 Coronafälle trotz zweimaliger Impfung", 15. April 2021
  • SWR: "Daten aus Israel: Covid-19-Geimpfte wohl deutlich weniger ansteckend", 23. Februar 2021
  • BR: "Geimpft oder Genesen: Wie sieht das Leben nach Corona aus?", 8. April 2021
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen


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