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Drei Rheuma-Mythen im Faktencheck

Rheumamythen im Faktencheck  

Ist Rheuma wirklich eine "Alte-Leute-Krankheit"?

Ann-Kathrin Landzettel

15.07.2021, 17:07 Uhr
Drei Rheuma-Mythen im Faktencheck. Frau mit Schmerzen im Handgelenk. Rheumatische Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Frauen sind dabei öfter betroffen als Männer. (Quelle: Getty Images/ljubaphoto)

Frau mit Schmerzen im Handgelenk. Rheumatische Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Frauen sind dabei öfter betroffen als Männer. (Quelle: ljubaphoto/Getty Images)

Nur alte Menschen bekommen Rheuma und ein Wetterumschwung löst Gelenkschmerzen aus: Rund um rheumatische Erkrankungen ranken sich viele Mythen. Was an den Behauptungen dran ist, deckt der Rheuma-Faktencheck auf.

Wer den Begriff "Rheuma" hört, denkt meist zuerst an geschwollene Gelenke – und damit an rheumatoide Arthritis (RA). Die chronische Erkrankung der Gelenke ist die häufigste rheumatisch-entzündliche Gelenkerkrankung. Doch der Begriff "Rheuma“ umfasst über 100 verschiedene Krankheitsbilder, die sich alle in chronischen Schmerzen äußern und verschiedene Körperbereiche betreffen können. 

Mythos Nr. 1: "Rheuma betrifft nur die Gelenke"

Rheuma tritt zwar vornehmlich am Bewegungsapparat auf, betrifft aber nicht nur feste Strukturen wie Knochen, Gelenke oder Knorpel. Auch entzündliche Erkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen) und der Blutgefäße (Vaskulitiden) sowie weitere, seltene entzündliche Erkrankungen des Immunsystems zählen zu den rheumatischen Erkrankungen.

Experten unterscheiden vier Gruppen:

  1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form dieser Hauptgruppe und betrifft die Gelenke. Die Innenhaut der Gelenke ist dauerhaft entzündet. Die Gelenke sind geschwollen, schmerzen und sind steif. Bewegungen können stark eingeschränkt sein. Ursache ist ein fehlgeleitetes Immunsystem, welches fälschlicherweise die Gelenke angreift. Eine weitere entzündlich-rheumatoide Erkrankung ist der systemische Lupus erythematodes. Bei der entzündlichen Autoimmunerkrankung können Haut, Unterhautfettgewebe und Organe entzündet sein. Lupus erythematodes gehört zu den Kollagenosen. Auch Morbus Bechterew, Psoriasis Arthritis und Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden) gehören zu dieser Gruppe.
  2. Degenerativ-rheumatische Erkrankungen: Hierzu gehört die Arthrose. Bei einer Arthrose sind Abnutzungen an den Gelenken die Ursache der Beschwerden.
  3. Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates: Dieser Gruppe gehört der chronische Rückenschmerz an, ebenso die Fibromyalgie, bei der Muskeln und Knochen Schmerzen verursachen.
  4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden: Zu den Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden zählt die Osteoporose, umgangssprachlich als Knochenschwund bezeichnet. Auch Gicht gehört dieser Gruppe an. Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der zu viel Harnsäure im Blut zirkuliert, die sich schließlich in den Gelenken, Sehnen, in der Haut und in den Schleimbeuteln ablagert. Gelenkentzündungen und Gelenkschäden sind die Folge.

Mythos Nr. 2: "Nur alte Menschen bekommen Rheuma"

Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V. zufolge sind in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen von einer verschleißbedingten oder entzündlichen rheumatischen Erkrankung betroffen – also jede vierte Person. Rheuma zählt daher zu den Volksleiden. Frauen erkranken etwas häufiger an Rheuma als Männer.

Es können alle Altersklassen betroffen sein. "Rheuma ist keine `Alte-Leute-Krankheit ́, auch ich musste vor Jahrzehnten lernen, wie früh und hart Kinder von Rheuma betroffen sein können", sagt Rotraut Schmale-Grede, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga e. V. "Bundesweit leiden etwa 20.000 Kinder und Jugendliche an Rheuma. Jährlich erkranken rund 1.200 Menschen unter 18 Jahren an der Krankheit."

 (Quelle: privat) (Quelle: privat)
Rotraut Schmale-Grede ist Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e. V. Ehrenamtlich engagiert sie sich schon seit Jahrzehnten in der Deutschen Rheuma-Liga. Sie erhielt  am 2. Dezember 2017 das Bundesverdienstkreuz am Internationalen Tag des Ehrenamts.

Eine erste Orientierung, ob bei Ihnen möglicherweise eine rheumatische Erkrankung vorliegen könnte, kann der Selbsttest "Bin ich rheumagefährdet?“ der Deutschen Rheuma-Liga e. V. bieten. "Es ist für den Krankheitsverlauf entscheidend, dass Rheuma möglichst frühzeitig erkannt wird. Werden notwendige medizinische Maßnahmen schnell eingeleitet, stehen die Chancen besser, einen Stillstand der Krankheit zu erreichen", sagt Schmale-Grede. 

Mythos Nr. 3: "Bei Wetterumschwung schmerzen die Gelenke"

Es gibt bis heute keine Einigkeit unter Wissenschaftlern, ob und wie das Wetter oder ein Wetterwechsel rheumatische Beschwerden auslöst. Zwar haben sich einige Untersuchungen mit dieser Frage beschäftigt. Doch deutliche Ergebnisse fehlen bislang. Immer wieder berichten Menschen, dass feuchtes, regnerisches Wetter oder Kälte Schmerzen verursacht. Einige Forscher gehen bislang davon aus, dass nicht Kälte, Regen oder Schnee die Auslöser sind, sondern die wetterbedingten Veränderungen im Luftdruck.

Andere Wissenschaftler wiederum vermuten, dass durch das Wetter beeinflusste Gelenkschmerzen oft auf ein anderes Aktivitätsverhalten der Betroffenen zurückzuführen sei: Bei bestimmten Wetterbedingungen sind Menschen möglicherweise aktiver und überanstrengen dann ihre Gelenke leichter.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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