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Trockene Augen: Ursachen, Behandlung und wie man vorbeugt

Wie tausend Sandkörner  

Warum unsere Augen trocken werden und was hilft

Von Ann-Kathrin Landzettel

01.08.2021, 10:15 Uhr
Trockene Augen: Ursachen, Behandlung und wie man vorbeugt. Eine Frau fasst sich an ihr gerötetes Auge. Trockene Augen sind eine Volkskrankheit. Sie sind häufig die Folge von intensiver Bildschirmarbeit in Innenräumen. (Quelle: Getty Images/ dimarik)

Trockene Augen sind eine Volkskrankheit. Sie sind häufig die Folge von intensiver Bildschirmarbeit in Innenräumen. (Quelle: dimarik/Getty Images)

Trockene Augen, von Augenärzten als Sicca-Syndrom bezeichnet, sind ein echtes Volksleiden. Oft gerät der empfindliche Tränenfilm durch das ständige Starren auf Laptop und Smartphone aus dem Gleichgewicht. Doch auch bestimmte Erkrankungen und Medikamente können die Augen austrocknen. Die häufigsten Ursachen für trockene Augen – und was hilft.

In Innenräumen werden die Augen schneller müde, trocken und rot. Oft lässt sich mit ein paar einfachen Maßnahmen und Hausmitteln die Reizung lindern. Halten die Beschwerden an, sollte jedoch bald ein Arzt aufgesucht werden. Denn hinter Augentrockenheit können auch ernste Krankheiten stecken.

Trockene Augen: Was ist das Sicca-Syndrom?

Bei trockenen Augen, medizinisch als Sicca-Syndrom oder "Keratoconjunctivitis sicca" bezeichnet, handelt es sich um eine Benetzungsstörung der Augen. Die Augen sind dabei nicht mehr ideal befeuchtet.

"Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen produzieren die Talgdrüsen der Augen zu wenig Lipide, die eine zu rasche Verdunstung der Tränenflüssigkeit verhindern. Bei bis zu 20 Prozent ist eine zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit die Ursache der trockenen Augen", sagt Professor Gerd Geerling, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD). Angaben des BVA zufolge haben etwa ein Fünftel aller Menschen, die einen Augenarzt aufsuchen, trockene Augen.

 (Quelle: Universitätsklinikum Düsseldorf) (Quelle: Universitätsklinikum Düsseldorf)

Professor Dr. med. Gerd Geerling ist Leiter des Ressorts Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Der Facharzt für Augenheilkunde ist der Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD).

Symptome trockener Augen: Habe ich das Sicca-Syndrom?

Sind die Augen zu trocken, zeigt sich das durch verschiedene Symptome. Meist sind die Augen gerötet, brennen, jucken und kratzen. Viele Betroffene beschreiben ein unangenehmes Fremdkörpergefühl "wie 1.000 Sandkörner". Oftmals sind die Augenlider geschwollen, die Bindehaut kann Sekret absondern, die Augen sind müde und lichtempfindlich. Häufig tränen die Augen immer wieder stark.

"Das schmerzhafte Brennen entsteht zum einen dadurch, dass der Tränenfilm verdunstet und das Auge trockener wird. Zum anderen ist der Salzgehalt der Tränenflüssigkeit durch die Verdunstung konzentrierter", so der Facharzt für Augenheilkunde. "Diese Reizung führt wiederum dazu, dass die Augen vermehrt tränen." Das bedeutet: Ständig tränende Augen können paradoxerweise ein Hinweis auf trockene Augen beziehungsweise einen gestörten Tränenfilm sein. Auch die Sehstärke kann leiden, wenn der Tränenfilm nicht mehr stabil ist: Die Sicht ist unscharf oder verschwommen.

Frauen haben häufiger trockene Augen als Männer

Die Menge der Tränenflüssigkeit unterliegt täglichen Schwankungen. Abends beispielsweise ist die Tränenproduktion verringert. Daher empfindet man vor allem abends die Augen als besonders trocken. Auch mit dem Alter nimmt die Produktion von Tränenflüssigkeit und Lipiden ab. Vor allem Frauen sind von trockenen Augen betroffen. Unter anderem auch deshalb, weil bei ihnen hormonelle Veränderungen während und nach den Wechseljahren die Zusammensetzung des Tränenfilms beeinflussen.

Häufig sind zudem Umweltfaktoren die Ursache für trockene Augen. Pollenflug, Abgase, Heizungsluft und Klimaanlagen sind für die Augen eine Belastung.

Starren macht die Augen trocken

Langes Starren auf Laptop und Smartphone kann die Augen ebenfalls austrocknen. Der Grund: Wer konzentriert ist, blinzelt weniger und das Auge wird schlechter befeuchtet. "Normalerweise blinzeln wir alle sechs bis zehn Sekunden. Beim Staren auf den Bildschirm nimmt die Anzahl der Lidschläge deutlich ab. Die Benetzung der Augen funktioniert nicht mehr optimal", sagt Geerling.

Zudem strengt der konzentrierte Blick auf den Bildschirm die Augen an. Auch die helle Beleuchtung von Laptop und Smartphone fordert die Augen. Ist zudem die Luftfeuchtigkeit niedrig und ein Ventilator oder die Heizung läuft, beginnen die Augen zu brennen und zu tränen. "Augenärzte sprechen dann vom 'Office-Eye-Syndrom', also vom 'Büro-Auge'", so der Augenarzt. Übrigens: Langes Fernsehen fordert die Augen ebenso.

Nicht nur Diabetes: Diese Krankheiten können die Augen austrocknen

Auch bestimmte Erkrankungen können das Sicca-Syndrom begünstigen. Dazu gehören unter anderem, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Erkrankungen der Schilddrüse und entzündliche Gefäßerkrankungen. Auch immunologisch bedingte Erkrankungen (Autoimmunerkrankungen) wie rheumatische Erkrankungen oder das Sjörgen-Syndrom sowie Allergien, etwa Heuschnupfen, können mit trockenen Augen verbunden sein. Nach Augenoperationen und Augenverletzungen können die Augen ebenfalls trockener sein.

Welche Medikamente das Sicca-Syndrom begünstigen

Nicht nur bestimmte Erkrankungen können trockene Augen begünstigen. Ebenso ist es möglich, dass bestimmte Medikamente trockene Augen verursachen. Dazu gehören unter anderem:

  • Acetylsalicylsäure (bei Schmerzen, zur Blutverdünnung)
  • Antihistaminika (bei allergischen Erkrankungen)
  • Anticholinergika (bei Koliken oder chronischer Bronchitis)
  • Beta-Rezeptorenblocker (bei Bluthochruck, Herzrhythmusstörung, schnellem Puls)
  • Ergotamin (bei Migräne)
  • Isotretinoin (bei Hauterkrankungen wie Akne)
  • Neuroleptika (bei Psychosen)
  • Östrogene (bei Beschwerden der Wechseljahre)
  • Reserpin (bei arteriell erhöhtem Blutdruck)
  • Thiazid-Diuretika (bei Blutdruckerhöhung, Ödem)
  • Trihexyphenidyl (bei Parkinson)
  • Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (bei depressiven Erkrankungen, Angstzuständen)
  • bestimmte Schlafmittel

Wann mit trockenen Augen zum Arzt?

Trockene Augen stellen meist keine schwere Krankheit dar. Allerdings können sie bestimmte Erkrankungen begünstigen, wie etwa Bindehautentzündungen. Ein gesunder Tränenfilm wirkt keimabtötend. Ist der Tränenfilm gestört, haben es auch Krankheitserreger wie Bakterien und Viren leichter.

"Trockene Augen sind vermehrt infektionsgefährdet", sagt Geerling. "Wer über mehrere Wochen hinweg mit trockenen Augen zu kämpfen hat, sollte einen Termin bei einem Augenarzt vereinbaren und die Ursache der Beschwerden abklären." Manchmal sind trockene Augen auch ein Hinweis auf eine Erkrankung. Bei der Hauterkrankung Rosazea beispielsweise sind trockene Augen laut dem Experten oft das erste Symptom.

Was hilft gegen trockene Augen?

Meist lässt sich mit Augentropfen ("künstlichen Tränen") der Tränenfilm wieder stabilisieren. "Am besten sind Augentropfen geeignet, die sowohl Feuchtigkeit als auch Lipide enthalten", rät Geerling. "Verzichten Sie auf Augentropfen mit gefäßverengender Wirkung, bekannt als 'Weißmacher'. Sie führen langfristig zu einer vermehrten Trockenheit und können Entzündungsreaktionen fördern."

Ist eine zu geringe Talgproduktion die Ursache, kann eine spezielle Lidrandpflege helfen, die Bildung der Lipide anzuregen. Diese sollte täglich und längerfristig durchgeführt werden, um die Ausgänge der Talgdrüsen zu reinigen und die Produktion zu unterstützen. Die Lidrandpflege umfasst warme Umschläge, eine sanfte Massage der Augen sowie die Reinigung der Lidränder. Manchmal ist bei trockenen Augen eine antientzündliche Therapie der Augenoberfläche notwendig. "Ebenso ist es wichtig, dass Sie umweltbedingte Risikofaktoren für trockene Augen bestmöglich minimieren", sagt Geerling.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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