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Notsituation Schlaganfall: So wird er optimal behandelt

Von Geraldine Nagel

Aktualisiert am 04.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Notaufnahme im Krankenhaus: Viele Krankenhäuser haben mittlerweile eine Stroke-Unit für Schlaganfall-Patienten.
Notaufnahme im Krankenhaus: Viele Krankenhäuser haben mittlerweile eine Stroke-Unit für Schlaganfall-Patienten. (Quelle: upixa/getty-images-bilder)
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Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Optimal gelingt das in einer Stroke-Unit.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist eine Stroke-Unit?
  • Wie viele Stroke-Units gibt es in Deutschland?
  • Schneller helfen mit mobilen Stroke-Units
  • Was passiert in einer Stroke-Unit?

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Denn ist die Durchblutung im Gehirn unterbrochen, sterben bereits nach kurzer Zeit die ersten Hirnzellen ab. Das kann bleibende Schäden verursachen.

Deshalb ist das oberste Ziel nach einem Schlaganfall, Betroffene so schnell und so gut wie möglich zu behandeln. Das funktioniert am besten in einer "Stroke-Unit", einer speziellen Schlaganfallstation, sofern diese zeitnah zu erreichen ist.

Wer bei Verdacht auf Schlaganfall vom Rettungswagen zu einem Krankenhaus mit Stroke-Unit gebracht wird, hat dort bessere Diagnose- und Behandlungsvoraussetzungen als in einer normalen Notaufnahme: In einer Stroke-Unit haben Menschen mit Schlaganfall eine bessere Überlebenschance und seltener schwere Folgeschäden.

Was ist eine Stroke-Unit?

Der Begriff Stroke-Unit stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "Schlaganfall-Einheit". Man versteht darunter eine kleine Spezialstation in einem Krankenhaus, in der sich alle Fachkräfte vor allem um die Erstversorgung und Akutbehandlung von Schlaganfällen kümmern. Mit Intensiv-Überwachungsbetten lassen sich die Lebensfunktionen von Menschen mit Schlaganfall dort Tag und Nacht beobachten.

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Aber auch erste Reha-Maßnahmen werden hier geplant und oft bereits in den ersten Tagen durchgeführt. Eine derart intensive Betreuung wäre auf einer normalen Krankenhausstation nicht möglich.

In der Regel sind Stroke-Units an die neurologische Abteilung eines Krankenhauses angeschlossen. Dort ist alles vereint, was zur optimalen Behandlung eines Schlaganfalls nötig ist, wie die erforderliche Technik, um mit bildgebenden Verfahren eine genaue Diagnose zu stellen, und eine umfassende medizinische Versorgung mit spezialisiertem Pflegepersonal.

Die Behandlung in einer Stroke-Unit erfolgt oft interdisziplinär, also mit Ärzten und Ärztinnen aus verschiedenen Fachrichtungen, etwa aus der Neurologie, Kardiologie, Radiologie oder Neuro- und Gefäßchirurgie. Auch Fachkräfte für Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie stehen auf Abruf bereit. Meist dauert der Aufenthalt in einer Stroke-Unit wenige Tage bis eine Woche.

Wie viele Stroke-Units gibt es in Deutschland?

Die erste Stroke-Unit wurde in Deutschland im Jahr 1996 gegründet. Mittlerweile gibt es hierzulande jedoch über 300 zertifizierte Stroke-Units.

Zertifiziert bedeutet, dass die Stroke-Unit bestimmten Prüfkriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft entspricht. Menschen mit Schlaganfall werden dort entsprechend der den aktuellen medizinischen Leitlinien behandelt.

Der Begriff "Stroke-Unit" ist rechtlich nicht geschützt, ebenso wenig wie "Schlaganfallstation". In nicht-zertifizierten Schlaganfall-Einrichtungen kann die Behandlung von den geltenden Leitlinien unter Umständen abweichen.

Schneller helfen mit mobilen Stroke-Units

Ereignet sich ein Schlaganfall in ländlichen Gebieten, sind Krankenhäuser mit Stroke-Unit nicht immer rasch genug erreichbar. Bis zur Behandlung kann wertvolle Zeit verloren gehen und die Prognose für Patienten und Patientinnen sich verschlechtern. Das gilt ebenso für Ballungszentren in Großstädten, wenn der Rettungswagen sich durch dichten Verkehr drängen muss.

In solchen Fällen könnten mobile Stroke-Units helfen. Das sind Rettungswagen, die speziell für die Erstdiagnostik und Akutbehandlung von Schlaganfällen ausgerüstet sind. In Berlin gibt es solche Schlaganfallmobile bereits als Testlauf.

Rettungswagen, die als mobile Stroke-Unit dienen, sind technisch hochausgerüstet. Neben einem Minilabor gibt es dort beispielsweise einen Computertomographen, der Aufnahmen des Hirns noch vor Ort ermöglicht. Trifft der Rettungswagen am Krankenhaus ein, liegen Untersuchungsergebnisse und Laborwerte so im besten Fall bereits vor.

Unter Umständen kann im Krankenwagen auch schon mit der Behandlung begonnen werden. Betroffene können also noch auf dem Weg ins Krankenhaus Medikamente erhalten, die das störende Blutgerinnsel im Gehirn auflösen. Oft ist eine medikamentöse Behandlung sogar noch innerhalb der ersten Stunde möglich. Das verbessert die Prognose bei einem Schlaganfall deutlich.

Was passiert in einer Stroke-Unit?

In der Regel hat das Krankenhaus bereits vor Ankunft des Rettungswagens erfahren, dass ein Mann oder eine Frau mit Verdacht auf Schlaganfall oder Verdacht auf eine TIA (transitorische ischämische Attacke, sog. Mini-Schlaganfall) eingeliefert wird. Das Aufnahme-Team ist meist schon auf das Eintreffen vorbereitet.

Im Krankenhaus angekommen, steht zuallererst eine neurologische Untersuchung auf dem Plan. Dazu nutzt der Arzt oder die Ärztin Tests, die Aufschluss darüber geben, wie gut das Gehirn funktioniert.

Für die weitere Diagnose benötigt der Arzt oder die Ärztin außerdem einige Informationen über den Patienten oder die Patientin. Wichtig ist dabei vor allem, wann die ersten Schlaganfall-Symptome aufgefallen sind und ob Medikamente eingenommen wurden.

Dann folgt meist eine Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel. So lässt sich herausfinden, ob Hirnbereiche durch ein verstopftes Gefäß minderdurchblutet sind oder ob es Anzeichen einer Hirnblutung gibt. Außerdem werden Laborwerte genommen sowie Herzschlag, Blutdruck und Sauerstoffsättigung im Blut überwacht. Auch ein EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens ist möglich.

In den meisten Fällen ist die Ursache eines Schlaganfalls ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Hirn blockiert. In solchen Fällen folgt als Nächstes idealerweise eine Thrombolyse. Das bedeutet, Betroffene erhalten über eine Vene als Infusion Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Das ist jedoch nur möglich, wenn der Schlaganfall nicht länger als 4,5 Stunden zurückliegt.

Liegt der Schlaganfall nicht länger als 24 Stunden zurück, lässt sich das störende Blutgerinnsel möglicherweise über eine Leistenarterie mithilfe eines Katheters erreichen, greifen und herausziehen. Der Fachausdruck für dieses Verfahren lautet Thrombektomie.

Ein Schlaganfall kann je nach Ausmaß zu Beeinträchtigungen unterschiedlicher Art führen, wie etwa zu Problemen beim Laufen, Greifen, Sprechen oder Schlucken. Um Folgeschäden möglichst gering zu halten, ist es deshalb wichtig, so früh wie möglich mit Reha-Maßnahmen zu beginnen.

Je nach Situation folgen auf die Akutbehandlung in der Stroke-Unit deshalb Termine für Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie. So sollen Betroffene nach einem Schlaganfall schnellstmöglich wieder mobil werden und am Alltag wieder aktiv teilnehmen können.

Nach etwa einer Woche ist der Patient oder die Patientin dann in der Regel so weit, dass er oder sie von der Stroke-Unit auf die neurologische oder Allgemein-Station eines Krankenhauses verlegt werden kann. In manchen Fällen schließt sich auch sofort ein Aufenthalt in einer auf Schlaganfälle spezialisierten Rehaklinik an.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Andrea Goesch
Deutschland

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