Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Stress >

Energielosigkeit: Woher sie kommt und was hilft

Warnsignal für Überforderung  

Energielosigkeit: Wenn die Kraft abhanden kommt

Ann-Kathrin Landzettel

12.09.2021, 17:19 Uhr
Energielosigkeit: Woher sie kommt und was hilft. Eine junge Frau liegt erschöpft auf dem Sofa. Chronische Müdigkeit kann von Dauerstress kommen und ist ein Warnsignal des Körpers. (Quelle: Getty Images/fizkes)

Eine junge Frau liegt erschöpft auf dem Sofa. Chronische Müdigkeit kann von Dauerstress kommen und ist ein Warnsignal des Körpers. (Quelle: fizkes/Getty Images)

In stressigen Zeiten sind sie ständige Begleiter: Energielosigkeit und Müdigkeit. Selbst Schlaf bringt die fehlende Kraft oft nicht zurück. Welche Auswirkungen chronische Erschöpfung haben kann und warum sie ein ernstes Warnsignal ist.

Dass man sich nach einem anstrengenden Tag müde und matt fühlt, ist ganz normal – egal, ob man körperlich oder mentalen Stress hatte. Um sich wieder zu erholen und neue Kraft zu schöpfen, reicht es oft aus, sich auszuruhen und eine Nacht gut zu schlafen. Manchmal jedoch hält der Erschöpfungszustand länger an und macht es schwer, den normalen Alltagsroutinen nachzukommen. 

Warum Stress auf Dauer erschöpft

Nach einer akuten Stressreaktion werden die zuvor ausgeschütteten Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol wieder abgebaut und der Körper kommt zur Ruhe. Bei anhaltender Stressbelastung zirkulieren die Stresshormone dauerhaft im Körper. Das wirkt sich auf verschiedene Körperfunktionen aus. Beispielsweise ist der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck steigt, die Muskeln sind angespannt und das Gehirn auf die Situation fokussiert. Der Körper muss enorme Energie aufbringen, um diesen Zustand aufrechterhalten zu können. Das kostet Kraft. Müdigkeit und Erschöpfung nehmen zu.

Die häufig auftretenden Schlafstörungen verstärken die stressbedingte Müdigkeit. "Erschöpfung und Müdigkeit sind nicht nur die Folge des chronischen Daueralarms. Sie können auch als Fehlfunktion des überlasteten Systems auftreten", sagt Dr. Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Privatklinik Merbeck in Wegberg. 

Stressbedingte Erschöpfung könnte so stark werden, dass der Alltag kaum noch zu bewältigen ist. Der Körper habe nicht mehr genügend Energiereserven.   

Wenn die Seele kraftlos ist

Neben der körperlichen Erschöpfung kommt es bei chronischem Stress auch zu psychischer Erschöpfung. Laut dem Stressexperten gibt es verschiedene Symptome, welche auf eine körperliche oder psychische Energielosigkeit hindeuten.

"Eine körperliche Erschöpfung kann sich beispielsweise in körperlicher Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Energielosigkeit, in schweren Gliedern, einem höheren Bedürfnis nach Ruhezeiten und an Erschöpfung nach geringer Anstrengung zeigen", sagt Hagemann. Übliche körperliche Anforderungen würden oftmals als anstrengend und überfordernd erlebt. "Hinzu kommen häufig Kopfschmerzen, Zähneknirschen, Muskelverspannungen und Verdauungsbeschwerden."

Die seelische Erschöpfung hingegen zeigt sich in unterschiedlichen Graden von Lustlosigkeit, Libidoverlust, Freudlosigkeit, Motivationslosigkeit, einer abnehmenden Zukunftsorientierung, zunehmender Hoffnungslosigkeit, verstärkter Selbstkritik und einem Gefühl der Sinnlosigkeit.


 (Quelle: privat) (Quelle: privat)

Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er leitet als Ärztlicher Direktor die unter anderem auf psychosomatische Schmerztherapien sowie Burnout und Stresserkrankungen spezialisierte Privatklinik Merbeck im nordrhein-westfälischen Wegberg. 

"Betroffene fühlen sich zunehmend machtlos und ausgeliefert. Sie können sich kaum noch aufraffen, selbst die Dinge zu tun, die ihnen üblicherweise Vergnügen bereitet haben", so der Stressexperte. "Außerdem fällt es Betroffenen zunehmend schwer, sich emotional Menschen in ihrer Umgebung zuzuwenden. Manche ziehen sich zurück, manche haben eine veränderte Reizschwelle." Je stärker körperliche und seelische Erschöpfung ausgeprägt seien, desto schwerer falle es den Betroffenen, ihren Alltag zu bewältigen.

Wann ist meine Müdigkeit nicht mehr "normal"?

Die Symptome Energielosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung verunsichern viele Menschen. Wann ist Müdigkeit noch normal und wann ist sie ein deutliches Warnsignal für Überforderung? Stressbedingte Müdigkeit ist in der Regel von belastenden Gedanken und Gefühlen begleitet. Der Schlaf ist weniger erholsam. Nach dem Schlafen sind die Betroffenen erschöpft und fühlen sich oft wie gerädert.

"Der durch intensiven Stress Erschöpfte kommt nicht wirklich zur Ruhe, da die körperliche Stressachse hochgefahren ist und eine Form von Daueralarm besteht. Der Kopf kann nicht abschalten", sagt Hagemann. Der Betroffene denke noch über zu erledigende Aufgaben nach, mobilisiere letzte Energien, grüble über Fehler und fühle sich manchmal in einem Hamsterrad gefangen. "Fällt der Betroffene endlich in den Schlaf, schläft er oberflächlicher, unruhiger und weniger tief. Echte Regeneration ist so nicht möglich."

Chronische Erschöpfung ist ein Warnsignal

Energielosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung werden dann zum Warnsignal, wenn sich keine natürliche Regeneration mehr einstellt und wenn sich die "Batterien" nicht mehr durch Schlaf, Ruhephasen, durch soziale Bindungen oder Freizeitaktivitäten aufladen lassen.

"Oft beginnt dann ein Teufelskreis, der nicht selten zu Alkohol- und Tablettenmissbrauch führt, mit Erkrankungen verbunden ist und negativ auf Partnerschaft, Familie und Freundeskreis einwirkt", sagt der Psychiater.

Wenn Energielosigkeit in die Depression führt

Ist die Erschöpfung so groß, dass Betroffene das Bett nicht mehr verlassen können, deutet das in Zusammenhang mit starkem Stress und einer intensiven Belastungssituation auf eine klinisch relevante Depression hin.

Dann sind die Betroffenen in einem Kreislauf aus Grübeleien, Vorwürfen, Verzweiflung und Sinnlosigkeit gefangen, während sie "die Decke anstarren". Kein liebes Wort, kein Sonnenschein, kein Geld der Welt kann die Situation ändern. Dieses Ausmaß an Verzweiflung ist für Nahestehende oft schwer auszuhalten. Sie kommen an den Betroffenen nicht mehr heran.

"Sofern jemand solche Symptome beklagt, gehe ich davon aus, dass eine zu behandelnde Depression als Ursache hierfür vorliegt und ein Arzt zur Behandlung aufgesucht werden muss", sagt Hagemann. "Wer selbst diese Symptome bei sich beobachtet, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe anzufragen." Eine Depression sei eine ernste Erkrankung, die einer Therapie bedarf. Unbehandelt könne sie im schlimmsten Fall in den Selbstmord führen.

Verwendete Quellen:

 


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: