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"Urlaubspiraten-Chef": Dieses Land ist der große Gewinner der Krise

INTERVIEW"Urlaubspiraten-Chef" sagt  

Dieses Land ist der große Gewinner der Krise

11.09.2021, 14:13 Uhr
"Urlaubspiraten-Chef": Dieses Land ist der große Gewinner der Krise. Urlauber auf den Malediven (Symbolfoto): Einige Fernreisen sind auch in diesem Herbst möglich. (Quelle: imago images/imagebroker)

Urlauber auf den Malediven (Symbolfoto): Einige Fernreisen sind auch in diesem Herbst möglich. (Quelle: imagebroker/imago images)

Seit anderthalb Jahren sind Reisen weltweit teils unmöglich, teils nur komplizierter geworden. Nach einem fast "normalen" Reisesommer kommt jetzt der Herbst. t-online hat mit dem Chef der HolidayPirates Group, in Deutschland als "Urlaubspiraten" bekannt, über Tourismus in der Corona-Krise gesprochen.

Werden wir künftig nur noch innerhalb Deutschlands reisen? Sind Fernreisen aktuell überhaupt möglich? Und welche Ziele sind besonders beliebt? Bei Reisen in der Corona-Zeit stellen sich Touristen seit etwa anderthalb Jahren neuen Herausforderungen. Reiseunternehmen waren bisher zudem besonders stark von der Krise betroffen. t-online hat mit dem CEO der "Urlaubspiraten", David Armstrong, einen Rückblick auf den Sommer und einen Ausblick auf den Herbst und die Zeit nach der Krise gewagt.

t-online: Zunächst ein Rückblick: Wie ist die Sommerreisesaison gelaufen?

David Armstrong: Eigentlich sehr gut – zum Glück. Es war ja zu befürchten, dass Varianten wie Alpha und Delta die Sommersaison beeinträchtigen könnten. Im Endeffekt ist es dann deutlich besser gelaufen als befürchtet. Aber natürlich: Unserer Zielsetzung hinken wir trotzdem hinterher. Aber das ist für die ganze Branche so.

 (Quelle: Urlaubspiraten/Holiday Pirates Group) (Quelle: Urlaubspiraten/Holiday Pirates Group)
David Armstrong
ist seit rund sieben Jahren Chef der "Urlaubspiraten". Zuvor hat er unter anderem lange Zeit bei der FTI Gruppe gearbeitet.

Welche Reiseziele waren besonders beliebt?

Für Deutschland waren das natürlich die Klassiker wie Spanien. Aber der große Gewinner – auch schon letztes Jahr – war Griechenland. Im Verhältnis zu Spanien haben die Griechen einiges an Marktanteilen dazugewonnen. Einfach, weil die Griechen sehr früh kommuniziert haben, unter welchen Bedingungen sie Reisen ermöglichen werden – so gab es eine große Planungssicherheit auch schon recht früh im Jahr. Deswegen zählt Griechenland vom Frühjahr bis jetzt über den Sommer hinweg zu den Krisengewinnern.

Die Türkei war ja auch überraschend beliebt…

Genau, die Türkei ist auch ein Klassiker und war auch lange Zeit nicht auf der Hochrisikoliste. Deshalb ist es dort auch verhältnismäßig gut gelaufen, aber trotzdem hinter den Erwartungen geblieben.

Nach einer fast "normal" wirkenden Sommerreisesaison kommen jetzt der Herbst und Winter. Normalerweise ist das die Zeit für Fernreisen: Was ist da in diesem Jahr möglich?

Schon jetzt im Sommer hatten klassische Fernreiseziele mehr Zulauf als erwartet. Das liegt daran, dass die Reiserichtlinien dorthin entsprechend locker waren – und bei vielen Menschen war natürlich auch die Sehnsucht groß, weit weg zu kommen. Zu den Zielen zählen beispielsweise die Malediven oder auch die Dominikanische Republik, aber auch Mexiko, wo man teilweise auch ohne Test einreisen konnte. Die Hürde dorthin zu reisen war bis Juli viel niedriger, als beispielsweise in die Niederlande zu fahren.

Auch für Spanien gab es wenig Planungssicherheit. Und wenn man jetzt in den Winter schaut, könnten diese Fernreiseziele natürlich weiter hoch im Kurs sein. Aber auch die Emirate wie Dubai oder Thailand könnten gut funktionieren. Thailand arbeitet beispielsweise gerade an einer Strategie für den Winter. Südafrika, Sansibar oder Namibia sind aktuell aber auch gut erreichbar und könnten im Winter wieder aufleben. Es bleibt aber natürlich immer die Frage, was im Winter sein wird: Was jetzt sicher scheint, kann im Winter schon wieder eine ganz andere Lage haben und umgekehrt.

Von welchen Fernreisezielen würden Sie besser abraten – vielleicht auch abseits der Corona-Krise?

Grundsätzlich ist es immer dort problematisch, wo es Unruhen gibt oder eine unsichere politische Lage oder Sicherheitslage vorherrscht. Das ist in einigen Ländern gerade der Fall. Beispielsweise passiert viel in bestimmten Ländern in Südamerika, wo es auch Unruhen gibt. Aber es ist schwer einzelne Länder explizit herauszupicken und komplett abzuraten. Die meisten dieser Länder sind auch keine Massenziele.

Was ist "Urlaubspiraten"?

Urlaubspiraten.de ist die deutsche Website und App der "HolidayPirates Group", die mittlerweile seit zehn Jahren Reisen vermittelt. Ursprünglich waren die "Urlaubspiraten" ein Reiseblog – heute werden dort Reiseangebote und Gutscheine jeder Art veröffentlicht. Die Angebote stammen von Reiseveranstaltern oder anderen Onlineplattformen. Zusätzlich bieten die "Urlaubspiraten" mittlerweile auch Informationen zu Reisebedingungen oder auch zur Corona-Krise.

Was ist bei der Buchung einer Reise aktuell zu beachten?

Man kann aktuell einfach schwer lange im Voraus planen. Deshalb raten wir dazu, bei allem darauf zu achten, Angebote zu buchen, die kostenfrei stornierbar oder umbuchbar sind. Das Mindeste sollte eine Reiseversicherung sein, die die direkte Gefahrenlage abdeckt. Aber Flexibilität ist das A und O aktuell, weil man einfach nicht weiß, ob sich etwas in einem Land verändert. Und wir wissen natürlich auch nicht, wie es in den nächsten Monaten in Deutschland aussieht und ob wir vielleicht in anderen Ländern als Risikogebiet gelten. Niemand weiß das und deshalb können wir immer nur dazu raten, bei allem was man bucht nach dem Hintertürchen zu schauen. Viele Reiseveranstalter, Hotels und Fluglinien bieten mittlerweile besondere Konditionen an.

Die "Urlaubspiraten" feiern zehnten Geburtstag: Was hat sich am Reisen verändert in den vergangenen Jahren?

So einiges. Wenn wir die Zeit vor Corona betrachten bis dorthin – also von 2011 bis etwa 2019, hat sich sehr viel verändert. Das Angebot an Flugmöglichkeiten innerhalb Europas zum Beispiel hat sich in der Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. Durch Corona gab es natürlich jetzt einen harten Cut – bis dahin war das aber ein starker Trend. Es gab zudem immer mehr Nachfrage nach Kurztrips – mal ein Wochenende nach Mallorca oder nach Paris. Mallorca war der Vorreiter dieser Kurztrips. Das ist das prägnanteste.

Und dann natürlich auch die Art der Unterbringung: Anbieter wie Airbnb sind beliebter geworden und die Möglichkeiten, in den Reisezielen anders unterzukommen als in Hotels oder Pensionen sind jetzt vielfältiger. Auch das Bewerben von Reisen über Social Media, wo wir hauptsächlich aktiv sind, hat sich sehr weiterentwickelt.

Welche Veränderungen hat die Corona-Krise ausgelöst?

Die Pandemie hat natürlich einiges ausgelöst. Wenn man in der Reisebranche unterwegs ist und dann niemand mehr reisen kann, ist das natürlich ein Problem. Wir waren in der glücklichen Lage, keine Airline und kein klassischer Reiseanbieter zu sein – wir hatten also weder leere Flugzeuge noch leere Hotels. Wir haben aber gelernt, dass wir unsere Kunden noch bei der Stange halten können, indem wir über die Lage informieren. Da waren wir wirklich im Vorteil.

Glauben Sie, die Pandemie hat nachhaltige Auswirkungen auf das Reiseverhalten? Welche?

Ich glaube schon. Die große Frage ist aber, zu welchem Grad. Schon vor der Krise gab es die Klimadebatte – das hat jedoch vor Corona noch keinen so starken Einfluss aufs Reisen gehabt, obwohl das Thema präsent war. Aber ich glaube, durch die Pandemie ist das Thema viel stärker in den Vordergrund gerückt. Es wird die Menschen sicherlich in Zukunft mehr interessieren, welchen Anteil sie mit ihren Reisen am CO2-Ausstoß haben.

Ich glaube aber auch, dass Reisen mittlerweile für viele zu einem Grundbedürfnis geworden ist und sie da eine Sehnsucht entwickelt haben. Die Allerwenigsten werden sagen: Ich reise nicht mehr. Die Leute werden weiter reisen. Vielleicht wird sich aber etwas an der Häufigkeit, den Reisezielen und den Fortbewegungsmitteln ändern. Da wird es sicher Verschiebungen geben, aber die werden nicht erdrutschartig sein. Auch die Reiseindustrie wird darauf reagieren und nach und nach entsprechende Angebote aufsetzen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Armstrong!

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