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Nach Fall Sergei Skripal: Polizist liegt nach Nervengift-Anschlag im Koma


Attentat auf russischen Ex-Spion
Auch Polizist liegt nach Nervengift-Anschlag im Koma

Von dpa, afp
Aktualisiert am 08.03.2018Lesedauer: 3 Min.
Mark Rowley, Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, und Sally Davies, die oberste Gesundheitsberaterin der Regierung: Hunderte Beamte seien auf den Fall Skripal angesetzt worden.Vergrößern des BildesMark Rowley, Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, und Sally Davies, die oberste Gesundheitsberaterin der Regierung: Hunderte Beamte seien auf den Fall Skripal angesetzt worden. (Quelle: Kirsty O'connor/dpa-bilder)
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Im Fall des vergifteten russischen Ex-Agenten in Großbritannien ermittelt die Polizei nun wegen versuchten Mordes. Eine dritte Person liegt im Koma, London und Moskau streiten.

Nach dem Nervengiftanschlag in Großbritannien bangen die Ärzte laut Medienberichten um das Leben der Opfer. Drei Menschen lägen im Koma, berichtete der Sender Sky News in der Nacht zu Donnerstag. Es handle sich um den russischen Ex-Spion Sergei Skripal, seine Tochter Julia und einen Polizisten, der den beiden zu Hilfe kommen wollte.

Die Londoner "Times" berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, der Zustand des früheren russischen Agenten sei besonders ernst: "Die Befürchtung ist, dass er es nicht schaffen wird", zitierte die Zeitung eine ungenannte Regierungsquelle. Für Skripals Tochter und den Polizisten gebe es mehr Hoffnung.

Polizei spricht von gezieltem Angriff

Der frühere russische Geheimagent Skripal und seine Tochter waren am Sonntag bewusstlos, aber ohne sichtbare Verletzungen, auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum im englischen Salisbury südwestlich von London gefunden worden. Der 66-jährige Ex-Doppelagent und seine 33-jährige Tochter wurden in ein Krankenhaus in Salisbury eingeliefert. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen versuchten Mordes, wie der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, in London erklärte. Innenministerin Amber Rudd will nach Angaben der Agentur PA heute vor dem Parlament über den Zwischenfall berichten.

Skripal und seine Tochter seien mit Nervengift "gezielt angegriffen" worden, erklärte Rowley. Auch ein Polizeibeamter, der als erster an dem Tatort in der südenglischen Stadt Salisbury eingetroffen war, befinde sich inzwischen in einem lebensbedrohlichen Zustand. Eine Gefahr für eine breite Öffentlichkeit bestehe aber nicht.

Bislang keine Details zu dem Angriff

Aufgabe der Ermittler sei nun, herauszufinden, wer hinter der Tat stecke, sagte Rowley. "Zu diesem Zweck arbeiten Hunderte Kriminalbeamte, gerichtsmedizinische Experten, Analysten und Geheimdienstmitarbeiter rund um die Uhr an dem Fall zusammen." Zu dem verwendeten Nervengift machte Rowley keine näheren Angaben, auch nicht dazu, wie es verabreicht wurde.

Da der Fall an den Giftmord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 erinnert, hat er inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst. Der britische Außenminister Boris Johnson hatte am Dienstag eine "angemessene und robuste" Reaktion angekündigt, sollte sich der Verdacht auf eine staatliche Rolle in dem Fall erhärten. Kein Versuch, auf britischem Boden unschuldiges Leben zu nehmen, werde ohne Sanktionen oder ungestraft bleiben, sagte Johnson kaum verhohlen an die Adresse Moskaus.

Schlagabtausch zwischen London und Moskau

Das Außenministerium in Moskau warf den britischen Behörden eine russlandfeindliche Kampagne vor. Noch vor Klärung der Fakten würden Vorwürfe gegen Russland erhoben, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch. Premierministerin Theresa May stellte wie zuvor Johnson den Besuch britischer Politiker und Würdenträger bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Sommer infrage, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem mutmaßlichen Attentat steckt.

Ähnlich direkt fiel die Antwort aus Russland aus. "Man spürt, dass diese Kampagne absolut geplant abläuft, und darin erklingen auch Äußerungen offizieller Vertreter Großbritanniens", sagte Ministeriumssprecherin Sacharowa nach Angaben der Agentur Interfax.

Skripal lebte unter Klarnamen in Salisbury

Der frühere Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, Sergei Skripal, war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden. Er lebte unter seinem Klarnamen in Salisbury, wie der "Guardian" berichtete.

Der russische Ex-Agent und Kremlkritiker Alexander Litwinenko war 2006 in London mit radioaktivem Polonium im Tee vergiftet worden, sein Todeskampf auf der Intensivstation dauerte knapp drei Wochen.

Verwendete Quellen
  • AFP, dpa
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