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Der unversch├Ąmteste Mann in Washington

Von Fabian Reinbold, Washington

Aktualisiert am 06.07.2018Lesedauer: 3 Min.
Scott Pruitt vor einem Senatsausschuss (im Mai 2018): R├╝cktritt nach einer Skandalserie.
Scott Pruitt vor einem Senatsausschuss (im Mai 2018): R├╝cktritt nach einer Skandalserie. (Quelle: Al Drago/Reuters-bilder)
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Donald Trump machte einen Umweltschutzgegner zum Umweltminister. Nach Dutzenden Skandalen muss Scott Pruitt jetzt gehen. Die Liste seiner Vergehen ist haarstr├Ąubend ÔÇô und sein Erbe wird bleiben.

Eine Zeit lang schien es, als k├Ânne sich Scott Pruitt alles erlauben. Enth├╝llung reihte sich an Enth├╝llung, auf ein Ermittlungsverfahren folgte das n├Ąchste. Irgendwann forderten nicht nur Demokraten und Umweltsch├╝tzer seinen R├╝cktritt, sondern auch die Republikaner.

Doch Donald Trump hielt sch├╝tzend seine Hand ├╝ber seinen Umweltminister, bis zu dieser Woche. Neue Berichte ├╝ber Pruitts Einsatz von Beh├Ârdenmitarbeitern zu privaten Zwecken brachten das Fass zum ├ťberlaufen. Kaum ging das Wei├če Haus auf Distanz, erkl├Ąrte Pruitt am Donnerstagabend in einem Brief an Trump seinen R├╝cktritt.

Pruitt, Chef der Umweltbeh├Ârde EPA, stand wegen Skandalen und Skand├Ąlchen in der Kritik, die so zahlreich waren und so offensichtlich auf Korruption deuteten, dass es in normalen Zeiten f├╝r mehrere R├╝cktritte gereicht h├Ątte. Es geht um das Verprassen ├Âffentlicher Gelder, Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft. ├ťber ein Dutzend Untersuchungen liefen gegen ihn, im Kongress, bei seiner EPA, beim Rechnungshof.

Er spannte Regierungsbeamte zur Erledigung privater Anliegen ein, pflegte auff├Ąllige N├Ąhe zu Lobbyisten, leistete sich zahlreiche Extravaganzen aus ├Âffentlichen Geldern. Ein kurzer Auszug der Vergehen, die Pruitt zur Last gelegt werden.

  • Er beauftragte eine Beh├Ârdenmitarbeiterin, ihm eine gebrauchte Matratze aus einem Trump-Hotel zu kaufen. Gebraucht sollte das Exemplar der Modellreihe "Trump Home Luxury Plush Euro Pillow Top" sein, um ein bisschen Geld zu sparen.
  • Er nutzte seinen Posten aus, um einen Termin beim Chef der Fast-Food-Kette Chick-fil-A abzumachen. Den wahren Grund verschwieg er der mit der Koordination betreuten Mitarbeiterin zun├Ąchst. Das Ziel war, dass Pruitts Ehefrau einen Franchise-Laden der H├╝hnchenbr├Ąter ├╝bernimmt.
  • Einen Bodyguard beauftragte er, ihm dabei zu helfen, seine Lieblingsfeuchtigkeitscreme aus den Hotels der Ritz-Carlton-Kette aufzusp├╝ren.
  • Pruitt lie├č sein B├╝ro nach Wanzen absuchen und biometrische Schl├Âsser an seinen B├╝rot├╝ren installieren. Dort lie├č er sich eine schalldichte Telefonzelle einbauen, zahlreiche Extras wie schallged├Ąmpfte Bel├╝ftung lie├čen die Kosten daf├╝r auf 43.000 Dollar ausarten.
  • Pruitt gab in den Monaten nach Amtsantritt mehr als 100.000 Dollar f├╝r Fl├╝ge in der ersten Klasse aus und nannte als Grund Bedrohungen seiner Sicherheit.
  • Aus Pruitts offiziellem Kalender wurden nachtr├Ąglich Termine herausgestrichen, als eine Mitarbeiterin daran rechtliche Zweifel ├Ąu├čerte, wurde sie entlassen.
  • Er mietete bei der Ehefrau eines Energielobbyisten ein Townhouse in bester Washingtoner Lage zu einem Spottpreis an. F├╝r 50 Dollar pro Nacht konnte er einen Block entfernt vom Kapitol residieren. Und die musste er auch nur zahlen, wenn er wirklich da war.
  • Pruitts Bodyguards traten in eben jenem Townhouse eine Glast├╝r ein, weil sie vermuteten, Pruitt sei bewusstlos. Der Minister war aber nur eingenickt. Die Kosten zahlte die EPA.

Von zahlreichen anderen Ansinnnen konnten ihn Mitarbeiter noch abbringen. Ein Problemfall, eigentlich wie gemacht f├╝r ein Exempel zu Donald Trumps Versprechen, er wolle den Sumpf trockenlegen, also Korruption und Lobbyh├Ârigkeit in der Hauptstadt bek├Ąmpfen.

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Doch Trumps Umgang mit Pruitt hat verdeutlicht, dass es der Pr├Ąsident damit nicht besonders ernst meint. Im Gegenteil: Immer wieder lobte Trump den Mann, ├╝berlegte gar, ihn trotz seiner Skandale zum Justizminister zu bef├Ârdern.

So viele Umweltschutzregeln wie m├Âglich killen

Trump stand deshalb so treu zu Pruitt, weil dieser sein Mann f├╝r die gro├če Kehrtwende beim Umweltschutz war. Ber├╝hmt wurde Pruitt ├╝brigens dadurch, dass er als Justizminister von Oklahoma vierzehn Mal die EPA verklagt hatte. Trump machte ihn daraufhin zum Chef ebendieser Beh├Ârde, die er am liebsten abgeschafft sehen wollte.

Pruitts Auftrag war klar: So viele Umweltschutzregeln wie m├Âglich killen, insbesondere jene aus der Zeit Barack Obamas. Dass Pruitt den Klimawandel leugnet, machte ihm die Arbeit zweifellos leichter. Er war eine treibende Kraft hinter dem R├╝ckzug aus dem Pariser Klimaabkommen.

In seiner Beh├Ârde ging er methodisch ans Werk, genehmigte neue ├ľl-Pipelines, strich Standards und Vorgaben, kassierte Verbrauchsh├Âchstwerte f├╝r Autos ebenso ein wie Grenzwerte f├╝r Methan-Emissionen bei ├ľlbohrungen. Bei zahlreichen Bundesstaaten rief Pruitts radikale Politik Widerstand hervor.

Dahinter stand nicht weniger als das Ziel, den Kampf gegen die Erderw├Ąrmung einzustellen. Da die USA hinter China der zweitgr├Â├čte Produzent von Treibhausgasen sind, hat das Projekt globale Folgen.

In welchem Ausma├č dieser Kampf jetzt weitergef├╝hrt wird, ist im Moment noch nicht abzusehen. Mit der Leitung der Umweltbeh├Ârde hat Trump Pruitts Stellvertreter Andrew Wheeler beauftragt ÔÇô der war zuvor Lobbyist f├╝r die Kohleindustrie.

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