Sie sind hier: Home > Politik > Ausland >

Coronavirus in den USA: Die Reichen lassen sich testen – die Armen bangen

Coronakrise in den USA  

Die Reichen lassen sich testen – die Armen bangen

28.03.2020, 17:02 Uhr | Benno Schwinghammer, dpa

LAPD officers patrol the walk way as the USNS Mercy arrives in the port of Los Angeles Friday FRIDAY March 27,2020. Los (Quelle: Glomex)
Mehr als 100.000 bestätigte Infektionen in den USA

In den USA gibt es nach Angaben von Experten inzwischen mehr als 100 000 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. In den USA gibt es damit mehr bekannte Infektionen als in jedem anderen Land. (Quelle: Euronews German)

Coronavirus-Krise: Während die USA die meisten nachgewiesenen Fälle weltweit hat, entwickelt sich die Lage in vielen europäischen Ländern weiterhin kritisch – ein Überblick. (Quelle: Euronews)


Das Virus kennt keine Klassenunterschiede. Die Betroffenen aber schon. Während weite Teile der Welt zu Hause zusammenrücken, setzt die US-Elite auf ihre Privilegien.

Wer wissen will, wie gerecht sich einige Amerikaner in Zeiten von Corona behandelt fühlen, der sollte einen Blick auf einen der beliebtesten Tweets der letzten Tage werfen: "Der beste Weg für den durchschnittlichen Amerikaner, herauszufinden, ob er Covid-19 hat, ist, einer reichen Person ins Gesicht zu husten und auf dessen Testergebnis zu warten", schrieb ein User. Im Land der Mehrklassen-Medizin spiegelt dieser mehr als 188.000 Mal geteilte Tweet die Annahme, dass die Reichen auch in der Pandemie Vorteile haben.

Gibt es wirklich einen "Weg der Reichen" in der Krise? Ja, wenn auch nicht nur exklusiv in den USA. Es fängt ganz grundsätzlich damit an, dass sich für Wohlhabende die Frage stellt, welches Anwesen am besten für die Selbstisolation geeignet ist. Vielleicht nicht gerade das in der Metropole, mag sich der ein oder andere Bestverdiener denken. "Die Reichen haben eine Coronavirus-Heilung: die Flucht aus New York", titelte dazu die "New York Times".

Denn nach einer Reihe von zirkulierenden Falschnachrichten in der Upper Class, die eine Abriegelung der Stadt ankündigten, machten sich viele Mitglieder der Elite auf den Weg nach Long Island oder anderen Orten mit Küsten-Idylle vor den Toren der Stadt. Das Ziel waren ihre großzügigen Sommerhäuser: mehr Platz als in den Großstadt-Wohnungen, weniger Pandemie-Viren – und obendrein noch Meerblick.

Arbeiter errichten eine provisorische Leichenhalle in New York City: Die Metropole ist das Epizentrum der Coronakrise in den USA. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)Arbeiter errichten eine provisorische Leichenhalle in New York City: Die Metropole ist das Epizentrum der Coronakrise in den USA. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Flucht per Privatjet – Medizinische Versorgung ohne Kostenlimit

Wer weiter weg will, für den ist das Linienflugzeug trotz Businessclass momentan ein Verkehrsmittel mit hohem Stresslevel – weshalb unter denen, die es sich leisten können, Privatjets boomen. Dem TV-Sender CNBC zufolge machen die Anbieter Kasse, während die Airlines Angst um ihre Existenz haben. Bei mehreren Anbietern ging die Nachfrage demnach deutlich in die Höhe. Das private Flugzeug muss man sich schließlich nur mit der Crew teilen, nicht mit hustenden Sitznachbarn.

Was die obersten 10.000 und die restlichen Millionen gleichermaßen trifft, ist die Angst vor Covid-19. Doch die Wohlhabenden können sich eine Versorgung leisten, die ihresgleichen sucht. Als Beispiel kann der New Yorker Anbieter Sollis Health genannt werden. Für einen Familien-Sockelbetrag von 8.000 Dollar pro Jahr gibt es laut "New York Times" ein kleines Privatkrankenhaus ohne Wartezeiten – Behandlungskosten sind da noch nicht eingerechnet.

Auf seiner Internetseite wirbt Sollis Health mit seiner Covid-19-Behandlung. Wenn Kunden getestet werden müssten, "schicken wir einen Mitarbeiter in Schutzausrüstung zu ihrem Haus, um sie zu untersuchen und wahrscheinlich eine Probe zu entnehmen". Bei akuter Erkrankung werde man seine Beziehungen zu den örtlichen Krankenhäusern nutzen, "um ihnen einen vorrangigen Zugang zu ermöglichen".

Noch immer viele Amerikaner ohne Krankenversicherung

Offiziellen Angaben zufolge werden im Staat New York in den kommenden Wochen für besonders ernste Fälle 30.000 Beatmungsgeräte gebraucht. Im Moment gibt es 11.000. Im Einzelfall dürfte das Recht, die Maschine zu benutzen, über Leben und Tod entscheiden.

Trotz einer Reform des US-Gesundheitssystems unter Präsident Barack Obama haben Dutzende Millionen Amerikaner keine Versicherung. Viele weitere sind unterversichert. Dazu kommen immense Kosten für Medikamente und Ärzte, für die trotz Versicherung oft draufgezahlt werden muss. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge gab ein Viertel der US-Bürger an, dass ein Familienmitglied schon einmal eine Behandlung einer ernsthaften Erkrankung wegen des Preises nicht wahrgenommen habe.

Blick ins Mount Sinai West Hospital in New York: Ob jemand versorgt wird, hängt in den USA auch davon ab, ob oder wie gut man krankenversichert ist.  (Quelle: imago images/ZUMA Wire)Blick ins Mount Sinai West Hospital in New York: Ob jemand versorgt wird, hängt in den USA auch davon ab, ob oder wie gut man krankenversichert ist. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Tests bleiben Mangelware

Wer in den USA in den vergangenen Wochen versucht hatte, einen Corona-Test zu machen, dem wurde es nicht leicht gemacht. Für viele Fälle gab es trotz Symptomen oder Kontakt zu einer infizierten Person keine Untersuchung, unter anderem wegen eines Mangels an Tests. Umso bizarrer erscheint es, dass ganze Basketballteams getestet wurden.


Der Bundesstaat Oklahoma untersuchte dem Magazin "Daily Beast" zufolge 58 Mitglieder der Utah Jazz Anfang März, als dort nur insgesamt etwa 100 Fälle pro Tag analysiert werden konnten. Auch die Brooklyn Nets wurden komplett getestet – was den New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio auf die Palme brachte: "Tests sollten nicht für die Reichen sein, sondern für die Kranken", wetterte er bei Twitter.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal