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Corona-Krise: Italiens Conte fordert ehrgeizigere EU-Hilfen

500-Milliarden-Euro-Programm  

Italiens Regierungschef Conte fordert ehrgeizigere EU-Hilfen

21.05.2020, 00:34 Uhr | AFP

Corona-Krise: Italiens Conte fordert ehrgeizigere EU-Hilfen. Giuseppe Conte: Italiens Regierungschef warnt vor einer Spaltung der EU-Länder durch die Corona-Krise. (Quelle: Reuters/Remo Casilli)

Giuseppe Conte: Italiens Regierungschef warnt vor einer Spaltung der EU-Länder durch die Corona-Krise. (Quelle: Remo Casilli/Reuters)

Die EU ringt noch immer um ein Konjunkturprogramm, um den von Corona gebeutelten Staaten zu helfen. Der deutsch-französische Vorschlag reicht Italiens Regierungschef nicht aus. Er warnt vor zunehmendem Nationalismus. 

Zur Vermeidung von zunehmendem Nationalismus und langfristigen Spaltungen zwischen den Mitgliedsstaaten müssen die Pläne für ein EU-Konjunkturprogramm nach Ansicht der italienischen Regierung ehrgeiziger sein. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte begrüßte am Mittwoch in einem Gastbeitrag auf der Website "Politico" das von Frankreich und Deutschland vorgeschlagene 500-Milliarden-Euro-Programm als "einen mutigen und bedeutenden Schritt", es müsse aber "noch viel mehr getan werden".

Die Corona-Pandemie sei ein "symmetrischer Schock, der alle Länder und Regionen betrifft und der von einzelnen Staaten allein nicht wirksam bewältigt werden kann", schrieb Conte. "Wenn wir zulassen, dass die Corona-Krise die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede in der EU vergrößert, werden wir die Flammen des Nationalismus anfachen und die langfristigen Spaltungen in unserer Union vergrößern", hieß es weiter.

Der italienische Regierungschef betonte, Europa könne es sich nicht leisten, Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, "indem es zu wenig tut oder zu langsam reagiert". Mit einem zu späten Handeln riskiere die Union eine "starke Verschärfung der Divergenzen zwischen den EU-Mitgliedsländern". Conte kritisierte, einige Länder würden "Druck ausüben, um einen 'Business-as-usual'-EU-Haushalt und einen bescheidenen Rettungsfonds mit einem vernachlässigbaren Anteil an Zuschüssen zu fordern". Eine solche Haltung zeige, dass sie den Ernst der Lage nicht erkannt hätten, warnte Conte.

Deutsch-französischer Plan sieht 500 Milliarden Euro Hilfen vor

Deutschland und Frankreich hatten zu Beginn der Woche einen "Fonds zur wirtschaftlichen Erholung" im Umfang von 500 Milliarden Euro vorgeschlagen, um die schwere Rezession in der EU durch die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Anders als bei bisherigen Maßnahmen geht es dabei nicht um Kredite, sondern um Zuschüsse aus dem EU-Haushalt für die am stärksten betroffenen Länder, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Die EU-Kommission soll zur Finanzierung gemeinsame Schulden aufnehmen.

Volumen, Finanzierung und Auszahlungsmodalitäten des Fonds sind aber hoch umstritten. Nördliche EU-Länder lehnten es bisher ab, dass dafür von der EU-Kommission Schulden aufgenommen werden, die dann als nicht rückzahlbare Finanzhilfen an betroffene Staaten weitergereicht werden. Länder wie Frankreich, Italien und Spanien bestehen dagegen auf solche Transferzahlungen, um ihre ohnehin schon große Verschuldung nicht noch weiter zu erhöhen.

Die Niederlande, Österreich, Dänemark und Schweden wollen nun laut dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte eine Alternative zum deutsch-französischen EU-Hilfsplan vorlegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hätten "einen wichtigen Beitrag zur Diskussion geleistet", sagte Rutte am Mittwoch in Den Haag. Die vier EU-Staaten wollen demnach aber einen eigenen Plan vorlegen, der Ländern, die von den EU-Hilfen profitieren, verbindlichere Reformzusagen abverlangt.

Maas rechnet mit Einigung über Wiederaufbauprogramm in der EU 

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat unterdessen Zuversicht gezeigt, dass der Plan von Merkel und Macron für einen Wiederaufbau nach der Corona-Krise die Basis für eine Einigung in der EU bilden kann. "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine gemeinsame europäische Antwort auf die Corona-Krise brauchen", sagte Maas der "Welt". "Wir haben unseren Vorschlag natürlich mit dem Ziel vorgelegt, damit eine breite Zustimmung zu ermöglichen." Davon würden am Ende alle profitieren. "Deswegen bin ich auch sehr optimistisch, dass wir eine Einigung erzielen werden."

Wichtig sei, dass das Geld in die Zukunft investiert werde, also in den ökologischen und digitalen Umbau der Gesellschaft, sagte Maas. "Die Staaten müssen konkrete Pläne ausarbeiten, wie sie das Geld zur Bewältigung der Krise einsetzen und ihre Wirtschaft widerstandsfähiger machen wollen. Und: Wir wollen Mittel auch an rechtsstaatliche Kriterien knüpfen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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