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Alexej Nawalny im Portrait: Heilsbringer der Opposition – Feind der Regierung

Alexej Nawalny  

Heilsbringer der Opposition – Feind der Regierung

02.02.2021, 11:08 Uhr | dpa, ds

Alexej Nawalny im Portrait: Heilsbringer der Opposition – Feind der Regierung. Kreml-Kritiker Alexej Nawalny auf dem Rückflug nach Moskau: Seinem Ruf folgen vor allem Schüler und Studenten. (Quelle: Reuters/Polina Ivanova)

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny auf dem Rückflug nach Moskau: Seinem Ruf folgen vor allem Schüler und Studenten. (Quelle: Polina Ivanova/Reuters)

Alexej Nawalny ist das Aushängeschild der russischen Opposition. Immer wieder fordert er den mächtigen russischen Staatsapparat heraus. Wer ist dieser Mann?

Der russische Aktivist Alexej Nawalny ist der markanteste Kopf der russischen Opposition. Der Blogger hat sich dem Kampf gegen Russlands Schmiergeldkultur und Vetternwirtschaft verschrieben, und sich damit viele Feinde auf höchster Ebene gemacht.

Nawalnys Gegner sitzen beim gefürchteten Geheimdienst FSB, im Kreml, bei Polizei und Justiz und in der mitunter skrupellosen Geschäftswelt. Recherchen internationaler Medien hatten nach seiner Vergiftung im letzten Sommer herausgefunden, dass der Anschlag auf das Konto des russischen Geheimdiensts gehen muss – damit gilt es auch als unwahrscheinlich, dass Präsident Wladimir Putin nichts von der Vergiftung gewusst hat.

"Partei der Gauner und Diebe"

Im Kreml-Chef hat Nawalny einen mächtigen Feind: Mit seinem Team vom "Fonds zur Bekämpfung von Korruption" veröffentlicht der 44 Jahre alte Jurist immer wieder aufwendige Recherchen. Zuletzt zeigten er und sein Team in einem zweistündigen Video einen Luxuspalast am Schwarzen Meer, den Putin offenbar für sich bauen ließ. Der Beitrag wurde bisher millionenfach aufgerufen.

Zur Galionsfigur der zersplitterten Opposition wurde der hochgewachsene Nawalny nach dem Mord an dem geachteten liberalen Politiker Boris Nemzow 2015. Seitdem organisierte er immer wieder Massenproteste im ganzen Land, besonders aber in Moskau. Seinem Ruf folgen vor allem Schüler und Studenten. Das Staatsfernsehen titulierte Nawalny, der mit Witz und Schlagfertigkeit seine Recherchen kommentiert, deshalb bereits als "Rattenfänger", der die Jugend verführe.
 

 
Nawalny hat es sich zu seiner Mission gemacht, die Regierung um jeden Preis herauszufordern. Die Gefolgschaft von Kremlchef Putin prangert er offen als "Partei der Gauner und Diebe" an.

Auf Stimmenfang im rechten Lager

Seine politische Vergangenheit wird derweil kontrovers diskutiert. Als er zu Beginn seiner politischen Karriere in der linksliberalen Partei "Jabloko" wiederholt mit Misserfolgen zu kämpfen hatte, wendete er sich nationalistischen Ideen zu. Dabei mobilisierte er auch im Rechten Lager und nahm an Aufmärschen teil.

Er sorgte zudem mit fremdenfeindlichen Äußerungen für Aufsehen, kaukasische Freiheitskämpfer bezeichnete er als "Kakerlaken". Dabei muss beachtet werden: Diese Einstellung galten (und gelten heute noch oftmals) in Russland als Mainstream und nicht als extrem rechte Positionen. Flirts mit den Rechten sind für Nawalny heute aber kaum ein Thema mehr.

Eigene Ambitionen sind unklar

Nawalny, geboren am 4. Juni 1976 in Butyn bei Moskau, ist verheiratet mit Julia Nawalnaja. Sie haben eine Tochter, die mit einem Stipendium an der Stanford University studiert, und einen Sohn. Sein Bruder Oleg wurde vor Jahren zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Nawalny warf dem Staat vor, den Bruder als Geisel genommen zu haben, um ihn selbst unter Druck zu setzen.

Nawalny wollte 2018 sogar selbst Präsident werden – die Justiz schob ihm jedoch einen Riegel vor. Immer wieder landete Nawalny hinter Gittern. Sein größter politischer Coup war ein Achtungserfolg bei der Moskauer Bürgermeisterwahl 2013. Damals schaffte er aus dem Stand überraschend knapp 30 Prozent der Stimmen.

Trotzdem sind seine eigenen politischen Ziele nicht klar definiert: Er arbeitet zwar mit Hochdruck an einer Ablösung des Systems Putin, eigene Ambitionen auf die Präsidentschaft hatte Nawalny seit 2018 aber nicht mehr offen zur Sprache gebracht. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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