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Gr├╝nen-Politiker Hofreiter: "M├╝ssen Kohlekraftwerke st├Ąrker laufen lassen"

Von Peter Luley

Aktualisiert am 08.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Anton Hofreiter bei einem Gr├╝nen-Parteitag (Archivbild): Der Politiker will unbedingt ein Energieembargo gegen Russland.
Anton Hofreiter bei einem Gr├╝nen-Parteitag (Archivbild): Der Politiker will unbedingt ein Energieembargo gegen Russland. (Quelle: Chris Emil Jan├čen/imago-images-bilder)
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Anton Hofreiter teilt bei Markus Lanz aus: Erst gegen CDU-Chef Merz, dann gegen die Minister Lauterbach und Habeck. Und auch der Moderator muss sich rechtfertigen.

Zu Beginn dieser eigentlich dem Ukraine-Krieg gewidmeten Sendung wollte Markus Lanz kurz die denkw├╝rdige gestrige Impfpflicht-Abstimmung im Bundestag thematisieren. Er habe "selbstverst├Ąndlich daf├╝r gestimmt", erkl├Ąrte Gr├╝nen-Politiker Anton Hofreiter und nannte die Ablehnung des entsprechenden Ampel-Vorschlags "nicht sch├Ân".

Zugleich ├Ąu├čerte er die Hoffnung, irgendwann doch noch zu einer Einigung zu kommen ÔÇô vielleicht kriege man "aus der Unionsfraktion ein paar rausgebrochen". Den Einwand des Moderators, dass dem wohl Friedrich Merz entgegenstehe, wischte er beiseite: "Merz erz├Ąhlt viel, wenn der Tag lang ist."

Die G├Ąste

  • Anton Hofreiter, Politiker (B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen)
  • Hannah Bethke, Journalistin ("Neue Z├╝rcher Zeitung")
  • Irina Scherbakowa, russische Germanistin und B├╝rgerrechtlerin
  • Gerald Knaus, Soziologe und Migrationsforscher

Lanz konnte auch nicht der Versuchung widerstehen, noch einmal das Hin und Her bei der Isolationspflicht nach einer Corona-Infektion zu thematisieren ÔÇô schlie├člich hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstag in seiner Sendung die Abkehr von der zwischenzeitlich geplanten Lockerung verk├╝ndet.

Als Hofreiter es als "schr├Ąge Nummer" bezeichnete, so etwas in einer Talkshow bekannt zu geben, f├╝hlte sich der Moderator in der Pflicht, nicht nur seinen Gast Lauterbach, sondern auch sein Format zu verteidigen, und verstrickte sich mit der "NZZ"-Journalistin Hannah Bethke in eine Diskussion ├╝ber das geeignete Medium f├╝r die Verk├╝ndung eines solchen Sinneswandels ("die Aufregung ├╝ber den Weg finde ich nicht in Ordnung"). Nach gut 20 Minuten aber erteilte er der russischen B├╝rgerrechtlerin Irina Scherbakowa das Wort, um ihre Sicht des Ukraine-Kriegs darzustellen.

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Erster Angriff mit neuer Waffe hat drastische Folgen


B├╝rgerrechtlerin: Schnell auf Kriegsverbrechen reagieren

Die Mitgr├╝nderin der inzwischen verbotenen Menschenrechtsorganisation Memorial erkl├Ąrte, die Gr├Ąueltaten der russischen Armee in Butscha h├Ątten "den wahren Charakter des Krieges" gezeigt, "deutlicher kann es nicht sein". Sie f├╝hlte sich an den Tschetschenien-Krieg erinnert und forderte: "Man muss sehr schnell darauf reagieren." Nachdem die Regie ein 22 Jahre altes Bild des zerst├Ârten Grosny eingeblendet hatte, rief der ├Âsterreichische Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus ins Bewusstsein, dass die 2006 ermordete Autorin Anna Politkowskaja Putin schon damals als "Kriegspr├Ąsidenten" bezeichnet habe, und nannte es ein "enormes Versagen" des Westens, dem nicht gen├╝gend Beachtung geschenkt zu haben.

Forscher Knaus: Gr├Ąuel sind staatliche Politik

Knaus wies auch darauf hin, dass derselbe russische General, der schon das syrische Aleppo in Schutt und Asche gelegt habe, nun auch f├╝r die Zerst├Ârung der ukrainischen Metropole Mariupol verantwortlich sei. Er legte dar, wie Putin von langer Hand die Methoden des Diktators Josef Stalin rehabilitiert habe, und folgerte, dass all die jetzt zu erlebenden Grausamkeiten "keine ├ťberraschung, kein Zufall" seien, sondern "staatliche Politik". Im Zusammenspiel mit Scherbakowa, die beisteuerte, dass Putin einen "Gewaltapparat" aufgebaut habe, der "viel gr├Â├čer" sei als jener unter Leonid Breschnew, entstand so das eindr├╝ckliche Bild einer kontinuierlichen Entwicklung, die im Westen geflissentlich ignoriert wurde.

Hofreiter: "Auch schwere Waffen liefern"

Kurz nach Mitternacht wollte Lanz diese Erkenntnisse dann "ins Heute" ├╝berf├╝hren und wandte sich wieder an Anton Hofreiter, der forderte: "Wir m├╝ssen auch schwere Waffen liefern." Den Einwurf Hannah Bethkes, sie erlebe einen "atemberaubenden Gesinnungswandel" bei den Gr├╝nen, konterte er damit, dass sich eben "die Realit├Ąt ge├Ąndert" habe. Zwar gelte es zu verhindern, "dass wir Kriegspartei werden", aber mit Panzern und Scharfsch├╝tzengewehren sei die Ukraine sehr wohl zu unterst├╝tzen. Und Hofreiter ging noch weiter: Er sprach sich f├╝r ein sofortiges Energieembargo gegen Russland aus.

Als Lanz anmerkte, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck vor einer Woche in der Sendung erkl├Ąrt habe, warum genau das nicht m├Âglich sei, erwiderte Hofreiter, die Entscheidung sei "├╝berhaupt nicht trivial". Sein Parteifreund habe "in vielem recht" und auch schon vieles geschafft, so sei der Anteil Russlands an den deutschen Gasimporten bereits von 55 auf 40 Prozent gesenkt worden.

Er konzedierte auch, dass es bei einem Komplett-Embargo im Herbst eine Energiel├╝cke geben werde, die ein staatliches Rettungspaket wie in der Corona-Pandemie erforderlich machen w├╝rde ÔÇô zeigte sich aber dennoch ├╝berzeugt davon, dass das durchzuhalten sei und Erfolg haben w├╝rde: "Irgendwann wird der Preis f├╝r das System Putin zu hoch." Und wie um zu beweisen, dass er zum ├äu├čersten bereit ist, erhob er gleich mehrfach eine bis vor Kurzem f├╝r einen Gr├╝nen undenkbare Forderung: "Wir m├╝ssen die Kohlekraftwerke st├Ąrker laufen lassen, so bitter es ist."

Seiner Einsch├Ątzung, dass die Kosten eines immer l├Ąnger andauernden Krieges ÔÇô inklusive der moralischen Kosten ÔÇô noch h├Âher w├Ąren, schienen am Ende auch Irina Scherbakowa und Gerald Knaus zuzuneigen, w├Ąhrend Hannah Bethke die Habeck-Position vertrat, wonach solche Ma├čnahmen nicht nur Putin, sondern auch Deutschland destabilisieren w├╝rden.

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Von Liesa W├Âlm
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