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Anne Will muss bei Baerbock immer wieder nachhaken

Von Christian Bartels

Aktualisiert am 02.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Annalena Baerbock spricht per Video zu Anne Will: Die Moderatorin lie├č bei einigen Fragen nicht locker.
Annalena Baerbock spricht per Video zu Anne Will: Die Moderatorin lie├č bei einigen Fragen nicht locker. (Quelle: NDR/Dietmar Gust)
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Die Au├čenministerin lie├č sich f├╝r Anne Wills Talkshow aus Berlin nach Berlin zuschalten. Im Studio ging es um Reisen nach Kiew, Panzer-Erfahrungen und Angst vor einem Atomkrieg.

Das geschieht selten in Talkshows: dass G├Ąste den Folgen-Titel der jeweiligen Sendung kritisch ansprechen. "Panzer ins Kriegsgebiet ÔÇô wohin f├╝hrt Deutschlands Ukraine-Politik?", hatte Anne Wills Redaktion die Ausgabe am Sonntag genannt. Dieser Titel tr├Ąfe es nicht ganz, weil die j├╝ngsten Regierungsbeschl├╝sse zu Panzerlieferungen "nicht eine deutsche Entscheidung", sondern eine mit vielen internationalen Partnern gemeinsam getroffene waren, sagte die Au├čenministerin.

Annalena Baerbock sa├č nicht im Berliner Studio, sondern war ÔÇô offenbar ebenfalls aus Berlin ÔÇô zugeschaltet. Moderatorin Anne Will hielt dagegen: Deutschland habe deutlich l├Ąnger als viele Partner dar├╝ber diskutiert, ob es Panzer liefern soll. Der kleine Disput brachte eine gewisse Sch├Ąrfe in Wills zwanzigmin├╝tiges Solo-Interview mit Baerbock. Die Moderatorin beharrte sogar darauf, dass ihre Fragen bitte beantwortet werden (was sie sonst eher selten tut).

Die G├Ąste:

  • Annalena Baerbock, Bundesau├čenministerin (Gr├╝ne)
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Verteidigungsausschuss-Vorsitzende (FDP)
  • Saskia Esken, SPD-Co-Parteivorsitzende
  • Johann David Wadephul, CDU-Bundestagsabgeordneter
  • Markus Feldenkirchen, Journalist

Baerbock zeigte sich mit deutlichen Aussagen gewohnt souver├Ąn. Putin habe "mit jeglichen Regeln der Menschlichkeit gebrochen", sagte sie etwa. Lassen Putin-Drohungen "schneller Schl├Ąge" gegen Staaten, die in Russlands Krieg gegen die Ukraine eingreifen, sie kalt? "Kalt l├Ąsst mich in diesen Tagen nichts", antwortete die Gr├╝ne. Doch die Gefahren durch Nichthandeln oder "Wegducken" seien ├Ąhnlich gro├č. Die vergangene Woche angek├╝ndigten Lieferungen deutscher Panzer an die Ukraine seien auch als "eine Botschaft an die Welt", also an potenzielle andere Aggressoren zu verstehen. F├╝r die schwierige Situation der Regierung hatte Baerbock einen Satz parat, ├╝ber den sich l├Ąnger nachdenken lie├če: "Wir handeln, obwohl wir hadern, gleichzeitig hadern wir jeden Tag, ob wir genug handeln". Zu den wenigen, widerspr├╝chlich wirkenden ├äu├čerungen von Kanzler Scholz wollte sie nichts sagen: "Streitigkeiten in der Regierung sind jetzt nicht das Hauptthema".

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Die westlichen Sanktionen haben nach Angaben von Au├čenministerin Annalena Baerbock auch den Sinn, Russlands Wirtschaft so zu schw├Ąchen, dass es keinen weiteren Krieg beginnen kann. "Nat├╝rlich will ich, dass Russland nie wieder einen v├Âlkerrechtswidrigen Angriffskrieg f├╝hrt", sagte die Gr├╝nen-Politikerin. "Durch die Sanktionen sorgen wir daf├╝r, dass ein weiteres milit├Ąrisches Vorgehen in anderen Regionen aus russischer Kraft allein in den n├Ąchsten Jahren nicht m├Âglich ist", f├╝gte sie hinzu. Denn Russland werde durch seinen Angriffskrieg und die westlichen Sanktionen so gesch├Ądigt, dass das Land "auf Jahre" nicht wieder auf die Beine kommen werde. Pr├Ąsident Wladimir Putin schw├Ąche also sein eigenes Land entscheidend.

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Baerbock hatte Reise nach Kiew schon geplant

Ein Detail konnte Will Baerbock noch entlocken: Eigentlich habe die Au├čenministerin nach Bekanntwerden des Massakers in Butscha eine Ukraine-Reise geplant, dann aber beschlossen, erst nach dem Besuch des Bundespr├Ąsidenten zu reisen. Durch Steinmeiers Ausladung wurde Baerbocks im Prinzip weiter geplante Reise also auf unbestimmte Zeit verschoben.

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Wenn nun CDU-Oppositionsf├╝hrer Merz eine Reise nach Kiew ank├╝ndigte, sollte dann der Bundeskanzler nicht erst recht dorthin fliegen? So leitete Will die Diskussion der Viererrunde im Studio ein. "Das ist ja keine Kaffeefahrt", bei der es drauf ankomme, wer zuerst hinf├Ąhrt, antwortete FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die bereits ins ukrainische Lwiw gereist ist (und k├╝rzlich bei "Markus Lanz" dar├╝ber berichtet hatte). Ohnehin sollten Vorbereitungen solcher Reisen aus Sicherheitsgr├╝nden nicht ├Âffentlich stattfinden.

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Auch Scholz habe eine geplante Ukraine-Reise derjenigen Steinmeiers untergeordnet, sagte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. "Scholz hat die Chance, ein Symbol zu setzen, schon jetzt verpasst", hielt Markus Feldenkirchen dagegen. Der Journalist von "Spiegel" schien ver├Ąrgert, dass Scholz im Interview des Magazins vor anderthalb Wochen Positionen zu Waffenlieferungen vertreten hatte, die er wenige Tage sp├Ąter revidierte. Des Kanzlers "Unf├Ąhigkeit, seine Schritte zu erkl├Ąren", sei ein "Riesenproblem".

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Lob f├╝r Scholz von Strack-Zimmermann

Was SPD-Chefin Esken mit einer milit├Ąrischen Metapher zurechtr├╝cken wollte: Deutschland handele "immer im Geleitzug mit den internationalen Partnern". CDU-Parlamentarier Johann David Wadephul wollte Gelegenheiten, die SPD zu kritisieren, nat├╝rlich nutzen. Die D├╝sseldorferin Strack-Zimmermann (die sich wieder die meisten Wortanteile sicherte), lobte Scholz' k├Ąmpferisch gegen Protestrufe gehaltene Rede am Sonntag in D├╝sseldorf ÔÇô und bemerkte zu der Diskussion um Panzerlieferungen treffend: "Inzwischen ist ja ganz Deutschland im Waffenfieber."

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Tats├Ąchlich konnte Wadephul dann noch von seinen eigenen Bundeswehr-Erfahrungen mit Gepard-Panzern berichten, die nun an die Ukraine geliefert werden sollen. Da handele es sich um ein gutes, allerdings nicht leicht bedienbares Waffensystem, das der Ukraine "erst im Herbst, im fr├╝hen Winter" helfen w├╝rde. Schneller w├╝rden andere Panzertypen helfen, "vielleicht ein Marder". Solche Planungsfehler gesch├Ąhen "nicht immer b├Âswillig", sagte Wadephul, vielleicht seien sie ja der "Unerfahrenheit der Verteidigungsministerin" geschuldet ÔÇô was doch ein wenig b├Âswillig klang.

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Wadephul: "Putin h├Ârt mit"

Kurzum: Ohne Baerbock bot die Talkshow einen Austausch bekannter parteitaktischer Positionen, der angesichts der Weltlage kleinlich anmutete, zumal alle Studiog├Ąste in Waffenlieferungsfragen ├Ąhnlicher Meinung waren. Dabei zeigten die "ARD Deutschlandtrend"-Meinungsumfragen, die Anne Wills wiederholt zitierte, kein so eindeutiges Bild.

Noch mal Fahrt nahm die Sendung erst am Ende auf, als Feldenkirchen behauptete, in der SPD-Bundestagsfraktion sei eigentlich eine Mehrheit gegen die Lieferung schwerer Waffen, und Wadephul Kanzler Scholz' Warnungen vor einem Atomkrieg als "schweren politischen Fehler" bezeichnete: "Putin h├Ârt mit", setzte der CDU-Mann zu einer Argumentation an. "Hamburg h├Ârt auch mit", w├╝rgte Will ab und schaltete zu den "Tagesthemen", deren Moderator in Hamburg wartete.

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