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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von dpa
Aktualisiert am 13.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Der ukraininsche Wolodymyr Selenskyj verleiht Medaillen an medizinisches Personal in Kiew.
Der ukraininsche Wolodymyr Selenskyj verleiht Medaillen an medizinisches Personal in Kiew. (Quelle: Sarsenov Daniiar/Ukraine Preside/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa./dpa)
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Kiew (dpa) - Knapp zweieinhalb Monate nach der Invasion russischer Truppen in die Ukraine ist die strategische Niederlage Russlands nach Ansicht des ukrainischen PrÀsident Wolodymyr Selenskyj "offensichtlich".

Die Niederlage Moskaus sei "fĂŒr jeden auf der Welt offensichtlich und auch fĂŒr diejenigen, die immer noch mit ihnen (den Russen) kommunizieren", sagte Selenskyj in seiner tĂ€glichen Videobotschaft. Nur habe Russland nicht den Mut, die Niederlage einzugestehen. "Sie sind Feiglinge und versuchen, diese Wahrheit hinter neuen Raketen-, Luft- und Artillerieangriffen zu verbergen."

Selenskyj kritisiert russische Angriffe auf Schulen

Der ukrainische Staatschef kritisierte die jĂŒngsten russischen Angriffe, bei denen in Tschernihiw im Norden des Landes eine Schule getroffen worden war. "NatĂŒrlich ist der russische Staat in einem Zustand, in dem ihn jede Bildung nur behindert", sagte Selenskyj. Russische Kommandeure, die derartige Befehle zum Beschuss von Bildungseinrichtungen erteilten, seien "einfach krank - unheilbar".

Daneben seien in der Ukraine seit Kriegsbeginn bereits 570 Gesundheitseinrichtungen durch russische Angriffe zerstört worden, darunter 101 KrankenhĂ€user. "Was bringt das?", fragte Selenskyj. "Das ist Unsinn, das ist Barbarei." Dies sei fĂŒr ihn ein Zeichen der Selbstzerstörung Russlands.

Selenskyj-Berater unterstellt russischer FĂŒhrung "Idiotie"

Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch fĂŒhrt seine gelegentlich falschen Analysen des Kriegsgeschehens auf "schreckliche Idiotie" der politischen und militĂ€rischen FĂŒhrung Russlands zurĂŒck.

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TĂ€ter kam schwer bewaffnet in die Schule
SpezialeinsatzkrÀfte: Der TÀter war am Morgen ins OberstufengebÀude der Schule eingedrungen.


"Ich halte sie eigentlich fĂŒr Menschen mit einem durchschnittlichen Verstand", sagte der Berater von Selenskyj nach einem Bericht der Agentur Unian. "Aber dann unternehmen sie etwas, das mir nie in den Sinn gekommen wĂ€re, weil es so dumm ist."

Russland habe zuletzt weitere 15 Kampfeinheiten "zusammengekratzt", um sie in den Kampf zu werfen. "In den vergangenen fĂŒnfeinhalbtausend Jahren MilitĂ€rgeschichte lĂ€sst sich keine grĂ¶ĂŸere Idiotie finden", sagte Arestowytsch. Zuletzt hatte er eine neue Offensive der russischen Armee gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew nicht ausgeschlossen und von "sinnlosem Selbstmord" gesprochen.

Verhandlungen um Azovstal-Verteidiger schwierig

Die Verhandlungen um einen möglichen freien Abzug oder Teilabzug der im Werk Azovstal in Mariupol eingekesselten ukrainischen Soldaten gestalten sich nach Darstellung Kiews "Ă€ußerst schwierig". Das sagte die fĂŒr die GesprĂ€che zustĂ€ndige ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Freitag, wie die Agentur Unian berichtete. "Ich teile die Angst und Sorge der Menschen, die den Verteidigern der Festung nahestehen", sagte sie. Doch es herrsche Krieg. "Und im Krieg geschehen keine Wunder, es gibt nur bittere RealitĂ€ten." Daher helfe in diesem Fall nur ein "nĂŒchternes und pragmatisches Herangehen".

Wereschtschuk bemĂŒht sich seit Tagen mit Hilfe der UN und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, mit der russischen Seite ĂŒber einen möglichen Ausweg fĂŒr die im Stahlwerk der Hafenstadt Mariupol verschanzten ukrainischen Truppen zu sprechen. "Aber die Verhandlungen mit dem Feind sind Ă€ußerst schwierig", sagte sie. "Möglicherweise wird der Ausgang nicht alle zufriedenstellen." Dennoch werde alles getan, um die Soldaten zu retten.

Russische Raketen treffen Raffinerie in Krementschuk

Die Industriestadt Krementschuk in der Zentralukraine ist nach ukrainischen Angaben am Donnerstag von einer Serie russischer Raketen getroffen worden.

Beim bisher grĂ¶ĂŸten Angriff auf die Stadt seit Kriegsbeginn vor zweieinhalb Monaten sei auch eine Raffinerie beschĂ€digt worden, sagte der regionale MilitĂ€rchef Dmitrij Lunin nach Angaben der Agentur Unian.

US-Minister spricht nach Funkstille mit russischem Kollegen

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sprach erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mit seinem Amtskollegen aus Russland. Das GesprĂ€ch mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe nach wochenlanger Funkstille am Freitag stattgefunden, teilte das Pentagon mit. Zuletzt hĂ€tten die beiden Minister sich am 18. Februar ausgetauscht. Austin habe nun in dem GesprĂ€ch auf einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine gedrĂ€ngt und die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Kommunikation betont, hieß es weiter aus dem US-Verteidigungsministerium.

Ukrainisches Crowdfunding-Projekt bringt Millionen ein

Ein von der ukrainischen FĂŒhrung ins Leben gerufenes Crowdfunding-Projekt zur UnterstĂŒtzung des Landes brachte derweil innerhalb einer Woche bereits Millionen ein. Wie Digitalminister Mychajlo Fjodorow mitteilte, seien Spenden von 25,8 Millionen Dollar (24,4 Mio Euro) ĂŒber die Website United24 eingegangen.

"Die UnterstĂŒtzung kam aus 72 LĂ€nder der Welt." Das Geld werde nun unter den Ministerien aufgeteilt, um die aktuell notwendigsten Projekte zu finanzieren. Die Ukraine hat diese staatliche Spendenplattform wegen des russischen Angriffskriegs geschaffen.

Weitere 500 Millionen Euro von der EU

Die EU will weitere 500 Millionen Euro fĂŒr die Lieferung von Waffen und AusrĂŒstung an die ukrainischen StreitkrĂ€fte zur VerfĂŒgung stellen. Das kĂŒndigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Freitag am Rande des G7-Außenministertreffens nahe dem WeißenhĂ€user Strand an der Ostsee an.Ukraine nationalisiert Filialen russischer Banken

In der Ukraine werden mit sofortiger Wirkung alle Filialen der russischen Sberbank und der VEB.RF, der ehemaligen Wnjeschekonombank, verstaatlicht. Das beschloss das Parlament in Kiew, wie PrÀsidentensprecher Andryj Jermak nach Angaben der Online-Zeitung "Dumskaja" mitteilte.

Nunmehr werden alle Gesellschafterrechte der betroffenen Banken sowie deren Einlagen bei anderen ukrainischen Finanzinstituten in Staatseigentum ĂŒberfĂŒhrt.

Erster ukrainischer Prozess wegen Kriegsverbrechen

In der Ukraine soll der erste Prozess wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gegen einen russischen Soldaten kommende Woche beginnen. Nach ukrainischen Medienberichten wurde die Verhandlung am Freitag von einem Gericht in der Hauptstadt Kiew auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf kommenden Mittwoch verlegt, damit sie öffentlich zugĂ€nglich ist. Dem Soldaten wurden demnach ein Pflichtverteidiger und ein Übersetzer gestellt.

Dem 21-JÀhrigen wird vorgeworfen, im Gebiet Sumy im Nordosten der Ukraine einen 62-JÀhrigen erschossen zu haben, weil er telefonierte. Zuvor hatten die Soldaten ein Auto von Zivilisten requiriert, da ihr eigenes Fahrzeug zerstört worden war. Die VorgÀnge waren von dem VerdÀchtigen in einem vom Geheimdienst SBU veröffentlichten VideogestÀndnis geschildert worden. Eine Verurteilung gilt demnach als sicher. Dem Mann droht eine lebenslange Haft.

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