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Gescheiterter G7-Gipfel: Jetzt soll Justin Trudeau der Buhmann sein

Gescheiterter G7-Gipfel  

Jetzt soll "Kanadas Kennedy" der Buhmann sein

10.06.2018, 18:00 Uhr | Christina Horsten, dpa

Gescheiterter G7-Gipfel: Jetzt soll Justin Trudeau der Buhmann sein. Donald Trump und Justin Trudeau (re.): Der US-Präsident macht Kanadas Premierminister für das Scheitern des G7-Gipfels verantwortlich. (Quelle: imago images)

Donald Trump und Justin Trudeau (re.): Der US-Präsident macht Kanadas Premierminister für das Scheitern des G7-Gipfels verantwortlich. (Quelle: imago images)

Der kanadische Premier Justin Trudeau wollte den G7-Gipfel zu einem Erfolg machen. Bis Präsident Donald Trump das Treffen scheitern ließ. Dabei hatte Trudeau ein besonderes Geschenk parat.

Was hatte sich Justin Trudeau nicht alles einfallen lassen. Sogar ein ganz besonderes Geschenk hatte er sich für US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel im ostkanadischen La Malbaie dabei: Ein altes gerahmtes Foto, auf dem ein Hotel in Kanada zu sehen ist, das einst Trumps Großvater gehörte – und das den Grundstein für das heutige Immobilien-Imperium der Familie legte.

Alles, um Trump beim G7-Gipfel führender Wirtschaftsnationen bei Laune zu halten und vielleicht bei Streitthemen wie Handel oder Klimaschutz doch noch ein wenig zu zähmen. Alles ganz im bewährten Stil von Trudeau, der als "Kennedy Kanadas" und Darling der internationalen Diplomatie-Bühne gilt. Und sich stets als charmanter Gastgeber zeigt.

"Unehrenhafter und schwacher Gastgeber"

Doch dann der Eklat: Per Kurznachrichtendienst Twitter zieht Trump vier Stunden nach seiner Abreise seine Zustimmung zur Abschlusserklärung zurück – und gibt Trudeau die Schuld. Dieser habe sich zwar während des Gipfels "bescheiden und demütig" gezeigt - habe dann aber bei seiner Abschluss-Pressekonferenz falsche Aussagen gemacht und sei ein "sehr unehrenhafter und schwacher Gastgeber" gewesen. Plötzlich ist Trudeau blamiert, sein Gipfel ein Fiasko.

Zunächst reagiert Trudeau nicht, lächelt den Affront beim bilateralen Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri weg. Dann lässt er sein Büro eine dürre Mitteilung verschicken: "Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben. Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat – sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten."

"Wir lassen uns nicht herumkommandieren"

Zuvor hatte Trudeau bei der Abschluss-Pressekonferenz noch einmal Stärke demonstriert – im Hinblick auf die US-Strafzölle – und die kanadischen Gegenmaßnahmen, die nach wie vor am 1. Juli kommen sollen: "Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren."

Trudeau war einst Skilehrer, Schauspieler, Amateurboxer und Türsteher – bis es den Sohn des früheren kanadischen Premierministers Pierre Trudeau und dreifachen Vater dann doch in die Politik zog. Der seit 2015 amtierende liberale Premierminister des nach der Fläche zweitgrößten Landes der Erde ist in fast jeder Hinsicht das genaue Gegenteil von Trump: Charmant, verlässlich, progressiv.

Trotzdem hatte er die schwierigen Beziehungen zum Nachbarland unter Trump bislang gut ausbalancieren können – auch, weil er weiß, dass er muss: Die beiden Länder haben mit fast 9000 Kilometern die längste gemeinsame Grenze der Welt, Kanada wickelt rund 70 Prozent seines Außenhandels mit den USA ab.

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