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Erdgasstreit: Türkei soll vorerst vor harten EU-Sanktionen verschont bleiben

Streit um Erdgas  

Türkei soll vorerst vor harten EU-Sanktionen verschont bleiben

10.12.2020, 19:46 Uhr | dpa-AFX

Erdgasstreit: Türkei soll vorerst vor harten EU-Sanktionen verschont bleiben. Recep Tayyip Erdogan: Die Türkei erhält vorerst keine Sanktionen. (Archivbild) (Quelle: imago images/Zuma Wire)

Recep Tayyip Erdogan: Die Türkei erhält vorerst keine Sanktionen. (Archivbild) (Quelle: Zuma Wire/imago images)

Im Erdgasstreit belegt die Europäische Union die Türkei vorerst nicht mit harten Sanktionen, sondern lediglich mit Strafen gegen Einzelpersonen. So soll die Regierung von einem Kurswechsel überzeugt werden. 

Die Türkei soll trotz anhaltender Provokationen vorerst vor harten EU-Sanktionen verschont bleiben. In dem Entwurf für die Abschlusserklärung des an diesem Freitag endenden EU-Gipfels ist lediglich davon die Rede, dass wegen der Erdgasbohrtätigkeiten der Türkei vor Zypern "zusätzliche Leistungen" vorgenommen werden sollen. Damit sind Strafmaßnahmen gegen beteiligte Einzelpersonen und Unternehmen gemeint. Sie umfassen EU-Einreiseverbote, Vermögenssperren und das Verbot, mit den Betroffenen Geschäfte zu machen.

Provokationen im Konflikt um die Teilung Zyperns

Weitreichendere Schritte würden nach dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Text frühestens beim nächsten regulären Gipfel im kommenden März auf den Weg gebracht werden. Bis dahin sollen die EU-Kommission und der Auswärtige Dienst weitere Handlungsoptionen sowie einen Bericht über die Situation im östlichen Mittelmeer und die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und der Türkei vorlegen. In der Türkei-Politik soll zudem eine enge Abstimmung mit der neuen US-Regierung erfolgen.

Die Türkei steht vor allem wegen umstrittener Erdgaserkundungen in Seegebieten vor Zypern und in der Nähe griechischer Inseln in der Kritik. Als nicht akzeptabel gelten aber auch Provokationen im Konflikt um die Teilung Zyperns sowie Verstöße gegen das UN-Waffenembargo gegen Libyen.

Weiterer EU-Kurs zuletzt umstritten

Um die Regierung in Ankara zu einem politischen Kurswechsel zu bewegen, soll ihr nach dem Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche" auch weiterhin eine engere Zusammenarbeit in Aussicht gestellt werden. Das Angebot einer positiven EU-Türkei-Agenda bleibe auf dem Tisch – Voraussetzung dafür sei aber, dass die Türkei bereit sei, "Differenzen im Dialog und im Einklang mit dem Völkerrecht" zu lösen, heißt es so in dem Entwurf für die Gipfelschlussfolgerungen.

Eine solche positive Agenda könnte sich unter anderem auf die Bereiche Wirtschaft und Handel und die weitere Zusammenarbeit in Migrationsfragen erstrecken. Die EU wird dem Text zufolge auch weiterhin bereit sein, syrische Flüchtlinge und sie aufnehmende Gemeinden in der Türkei finanziell zu unterstützen.

Ob die Abschlusserklärung in der vorliegenden Form angenommen wird, sollte sich im Verlaufe des Donnerstagabends abzeichnen. Unter den Mitgliedstaaten war der weitere Kurs der EU zuletzt umstritten gewesen.

Türkei wird als Partner im Kampf gegen illegale Migration gebraucht

Länder wie Frankreich, Griechenland und Zypern dringen auf einen möglichst harten Kurs mit schmerzhaften EU-Sanktionen bis hin zu einer Aussetzung der Zollunion. Unter anderem Deutschland ist aber überzeugt, dass die Türkei zum Beispiel als Partner im Kampf gegen illegale Migration gebraucht wird und nicht verprellt werden sollte.

Ähnlich wie die Bundesregierung sieht auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Lage. Er warnte die EU kurz vor dem Gipfel vor einem Bruch mit dem Bündnispartner Türkei. Es gebe Differenzen mit der Türkei, die man angehen müsse, sagte Stoltenberg. Gleichzeitig müsse man aber erkennen, welche Bedeutung die Türkei als Teil der Nato und auch als Teil der "westlichen Familie" habe. So sei das Land ein wichtiger Alliierter im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zudem beherberge die Türkei von allen Nato-Verbündeten die meisten Flüchtlinge, sagte Stoltenberg.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-AFX

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