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Nordkorea demonstriert bei Militärparade erneut Stärke

Von afp
Aktualisiert am 15.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Militärparade in Nordkorea: Bei einer Militärparade in Nordkorea sind neue Raketen der Öffentlichkeit präsentiert worden.
Militärparade in Nordkorea: Bei einer Militärparade in Nordkorea sind neue Raketen der Öffentlichkeit präsentiert worden. (Quelle: KCNA/dpa-bilder)
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Nordkorea zeigt häufig Militärparaden, um sich zu feiern und nach außen hin Macht zu demonstrieren. Oft werden neue Waffen gezeigt. Raketen spielen wie bei der jüngsten Waffenschau wieder eine wichtige Rolle.

Die selbst erklärte Atommacht Nordkorea hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate mit einer Militärparade unter nächtlichem Himmel Stärke demonstriert. Bei der Heerschau am Donnerstagabend (Ortszeit) in Pjöngjang seien auch ballistische Raketen vorgeführt worden, die von einem U-Boot aus abgefeuert werden können, berichteten die staatlich kontrollierten Medien am Freitag. Nach Angaben von Experten zeigte Nordkoreas Militär vermutlich neue Varianten einer ballistischen U-Boot-Rakete (SLBM) sowie Kurzstreckenraketen. Ballistische Raketen können je nach Bauart auch Atomsprengköpfe befördern und sind damit Massenvernichtungswaffen.

Das wegen seines Atomwaffenprogramms isolierte Land entwickelt und testet seit vielen Jahren verschiedene Raketentypen jeglicher Reichweite, die vom Land oder vom Wasser aus gestartet werden können. U-Boot-Raketen sind dabei schwerer vom Gegner zu erfassen.

Die Militärparade erfolgte nach den Berichten zur Feier des zwei Tage zuvor beendeten Kongresses der herrschenden Arbeiterpartei. Bilder zeigten, wie der in schwarzem Ledermantel und mit Fellmütze gekleidete Machthaber Kim Jong Un die Parade von einer Tribüne des Kim-Il-Sung-Platzes verfolgte. Es wurden marschierende Soldaten, rollende Panzer und Artilleriegeschütze sowie Raketenfahrzeuge präsentiert. Die "stärksten SLBM der Welt fuhren eine nach der anderen auf den Platz, die Macht der revolutionären Streitkräfte demonstrierend", hieß es.

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Bilder zeigten dabei auch eine SLBM mit dem Schriftzug "Pukguksong-5". Dabei handele es sich vermutlich um eine modernisierte Version der Pukguksong-4, die Nordkorea schon im vergangenen Oktober gezeigt habe, schrieb Michael Duitsman vom James Martin Center for Nonproliferation Studies (CNS), das auf dem Gebiet der Nicht-Verbreitung von Kernwaffen forscht. "Die neue Rakete sieht definitiv größer aus", schrieb der Experte auf Twitter.

Rakete könnte bis nach Japan fliegen

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete die neue Rakete als die "mächtigste Waffe der Welt". Mit ihr sei "kraftvoll die Macht" der nordkoreanischen Streitkräfte demonstriert worden. Die Rakete sei in der Lage, "Feinde in präventiver Weise außerhalb des Territoriums zu annihilieren". Diese Wortwahl deutet darauf hin, dass die Reichweite der Rakete womöglich über die koreanische Halbinsel hinausreichen und sich bis mindestens nach Japan erstrecken könnte.

Zeichen der Stärke gegenüber Joe Biden

Die Vorführung der Rakete lässt sich als Demonstration der Stärke in Richtung des neuen US-Präsidenten Joe Biden interpretieren, der am Mittwoch in sein Amt eingeführt wird. Die USA haben 28.500 Soldaten in Südkorea stationiert und auch eine bedeutsame Militärpräsenz in Japan.

Nach Einschätzung von Experten könnte Kim mit seinen Signalen der Konfliktbereitschaft Konzessionen von Biden zu erreichen versuchen. Die nordkoreanische Wirtschaft leidet schwer unter den internationalen Sanktionen, die wegen des Atom- und Raketenprogramms gegen das Land in Kraft sind. Die ökonomischen Probleme werden noch durch die Abschottungsmaßnahmen verschärft, die sich das Land in der Corona-Pandemie selbst auferlegt hat.

Verhandlungen mit USA gescheitert

Kim hatte in den vergangenen Jahren auf eine Annäherung an US-Präsident Donald Trump gesetzt, um eine Aufhebung von Sanktionen zu erreichen. Beide Staatenlenker trafen sich drei Mal persönlich. Das letzte Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Februar 2019 in Hanoi scheiterte jedoch.

Seitdem liegen die Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang über einen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms auf Eis. Auch die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea verschärften sich wieder.

Der nordkoreanische Machthaber hatte Biden in der Vergangenheit scharf attackiert. Unter anderem nannte Kim den ehemaligen US-Vizepräsidenten einen "tollwütigen Hund". Biden wiederum bezeichnete Kim während des US-Präsidentschaftswahlkampfs als "Verbrecher".

Ob bei der jüngsten Militärparade auch Interkontinentalraketen (ICBM) gezeigt wurden, ging aus den Berichten und Bildern nicht hervor. Bei einer großen nächtlichen Waffenschau im Oktober präsentierte Nordkorea nach Einschätzung von Experten auch eine neue Langstreckenrakete, die das US-Festland erreichen könnte.

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  • Arno Wölk
  • Sophie Loelke
Von Arno Wölk, Sophie Loelke
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