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Gaddafi: Tod durch Kopfschuss?


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Gaddafis Tod - Rache oder Versehen?

Von afp, dpa
Aktualisiert am 21.10.2011Lesedauer: 4 Min.
Gaddafis Tod
Kurz vor seiner Festnahme flüchtete Gaddafi in einen Abwasserkanal von Sirte. Von dort wurde er schließlich - bereits tot oder noch lebendig - nach Misrata gebracht (Quelle: AFP, Reuters)
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War es ein Akt der Rache oder ein Versehen? Kam Muammar al-Gaddafi durch einen gezielten Schuss ums Leben oder eher zufällig bei einem Schusswechsel zwischen Rebellen und Gaddafi-Kämpfern. Die neuen Machthaber in Libyen scheinen an einer Aufklärung der Todesumstände des gestürzten Diktators nicht besonders interessiert zu sein. "Hauptsache, seine Leiche verschwindet", sagte der Regierungschef des Übergangsrates, Mahmud Dschibril. Unterdessen gibt es Berichte, dass Gaddafis Sohn Saif al-Islam gefasst worden sein soll.

Die Gefangennahme des letzten noch flüchtigen Sohnes Gaddafis erfolgte in Slitan, 160 Kilometer östlich von Tripolis, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf einen beteiligten Kämpfer der Nationalratsmilizen. Saif al-Islam soll am Rücken verletzt sein, hieß es. Offiziell wurde der Bericht noch nicht bestätigt.


Foto-Serie: So starb der Diktator Gaddafi

Gaddafis Tod
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Die Leiche des früheren libyschen Machthabers Muammar Gaddafi wird in einem Kühlraum in einem Einkaufszentrum in Misrata aufbewahrt. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AP hatte Zugang zur Leiche. Der Ex-Herrscher war mit einer beigen Hose bekleidet, der Oberkörper war entblößt. Er lag auf einer blutdurchtränkten Matratze in einem Kühlraum, in dem normalerweise Restaurants ihre Vorräte aufbewahren.

Wie kam Gaddafi ums Leben?

Unklarheit herrscht immer noch, was die genauen Todesumstände um Gaddafi Senior angeht. Wie genau er am Donnerstag ums Leben kam, darüber gibt es im Großen und Ganzen zwei Versionen. Regierungschef Dschibril erklärte, Gaddafi sei bei einem Schusswechsel tödlich am Kopf getroffen worden. Dagegen hatte ein Kommandeur der Gaddafi-Gegner, der bei der Eroberung von Sirte dabei war, gesagt, der Ex-Machthaber sei an Bein und Schulter verwundet worden und "danach" gestorben. Am Donnerstag soll auch Gaddafis Sohn Mutassim getötet worden sein.

Der ehemalige Tyrann wurde wohl auf jeden Fall bei dem Versuch gefasst, aus seiner Heimatstadt Sirte zu entkommen, als diese von den Rebellen gerade erobert wurde. Französische Kampfflugzeuge hätten am Morgen einen Konvoi von rund 80 Fahrzeugen gestoppt, hatte Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet gesagt. Auch eine US-Drohne soll eine Rakete auf den Konvoi abgefeuert haben. Danach hätten Gaddafi-Gegner die Fahrzeuge zerstört und Gaddafi herausgeholt.

Zunächst "bei guter Gesundheit"

"Als er gefunden wurde, war er bei guter Gesundheit und hatte eine Waffe", berichtete Regierungschef Dschibril. Er sei anschließend auf einen Pickup gebracht worden. Als das Fahrzeug losfuhr, sei jedoch eine Schießerei zwischen Gaddafi-Anhängern und Gegnern ausgebrochen. Dabei habe Gaddafi einen Kopfschuss erlitten. Bis zu seinem Eintreffen im Krankenhaus in Misrata sei er jedoch am Leben gewesen. Bilder vom Pickup, auf dem Gaddafi transportiert wurde, und vom Eintreffen in Misrata lassen an dieser Version jedoch große Zweifel aufkommen.

Der Kommandeur des Übergangsrats, Mohammed Leith, der die Truppen bei der Eroberung von Sirte befehligt hatte, verbreitete eine andere Version von Gaddafis Tod: Der Ex-Machthaber habe aus einem Jeep zu fliehen versucht, als dieser beschossen wurde. Er habe sich in einem Abwasserkanal versteckt, sei dann jedoch mit einer Kalaschnikow und einer goldenen Pistole in den Händen herausgekommen und habe sich umgeschaut. Da sei er von Kämpfern des Übergangsrats an der Schulter und am Bein getroffen worden. "Danach starb er", sagte Leith.

Erschossen beim Fluchtversuch?

Videoaufnahmen, die von den arabischen Fernsehsendern Al-Arabija und Al-Dschasira ausgestrahlt wurden und inzwischen überall im Internet zu sehen sind, zeigen Gaddafi nach seiner Festnahme lebend inmitten von Kämpfern des Übergangsrats. Er wirkte bereits verletzt und hatte Blut auf Gesicht und Schultern, schien aber noch auf eigenen Beinen zu stehen, zu sprechen und zu gestikulieren. Ein Kämpfer schien ihm eine Pistole an den Kopf zu halten. Ob abgedrückt wurde, ist nicht zu erkennen - wohl aber, dass Gaddafi zusammensackte.

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Anschließend ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie Libyens ehemaliger Machthaber auf den Pickup gezogen wird. Auf späteren Bildern ist Gaddafi tot mit einer Schusswunde im Kopf zu sehen. Die britische BBC berichtete, Milizionäre des Übergangsrates hätten in ersten Berichten erklärt, Gaddafi sei erschossen worden, als er zu fliehen versucht habe.

Widersprüchliche Aussagen

Ein Arzt aus dem Krankenhaus in Misrata, wo die Leiche untersucht wurde, hat inzwischen die Einschätzung geäußert, dass Gaddafi durch "Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch" getötet worden sei. Dies könnte auf eine Hinrichtung nach der Gefangennahme hindeuten, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija.

Ein Kämpfer der Übergangsrates, der bei Gaddafis Festnahme in Sirte dabei gewesen sein will, stützte dagegen im Wesentlichen die Version des Übergangsrates: Nach heftigem Feuergefecht mit seinen Leibwächtern am Zugang zum Abwasserrohr, in dem er sich versteckt hielt, habe sich Gaddafi ohne weitere Schwierigkeiten festnehmen lassen, sagte der Milizionär Osama al-Tajib. "Wir übergaben ihn dem Sicherheitskomitee", führte er weiter aus. "Doch dann brach ein Gefecht zwischen den Gaddafi-Loyalisten und den Revolutionären aus." Gaddafi sei dabei durch Schüsse an Kopf und Brust getroffen worden. "Wir legten ihn einen Ambulanzwagen, ein Arzt machte Wiederbelebungsversuche, aber er starb."

Trophäen der Festnahme

Am Donnerstagabend befand sich die Leiche Gaddafis sowie die seines ebenfalls in Sirte getöteten Sohnes Mutassim in einem Haus in der weiter westlich gelegenen Küstenstadt Misrata - möglicherweise das Krankenhaus, wo er hingebracht werden sollte. Nach einem Bericht der "New York Times" wurde Gaddafis Leichnam in Misrata von Hunderten von Menschen angeschaut. Feiernde Soldaten der Übergangsregierung gaben unterdessen die Trophäen der Festnahme von Hand zu Hand weiter - Gaddafis goldene Pistole, sein Satellitentelefon, seinen braunen Schal und einen schwarzen Stiefel.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung der Todesumstände - die neue Regierung müsse mit Gaddafis "Kultur des Missbrauchs" endgültig brechen. Der libysche Übergangsrat wehrt sich jedoch gegen Vorwürfe, seine Kämpfer hätten den bereits verwundeten 69-Jährigen hingerichtet.

Neutrale Untersuchung abgelehnt

Ministerpräsident Dschibril erklärte, der Übergangsrat habe, nachdem Gaddafi getötet worden sei, Kontakt mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgenommen. Das Gericht habe Libyen gebeten, Gaddafi vorerst nicht zu begraben, damit der Leichnam von unabhängigen Experten untersucht werden könne. Der Übergangsrat habe jedoch anders entschieden. Allerdings hätten Ärzte Haar- und Gewebeproben von der Leiche genommen, um keine Zweifel an der Identität des Getöteten aufkommen zu lassen.

Gaddafi werde in Kürze an einem unbekannten Ort nach islamischem Ritus begraben, sagte Dschibril. Was mit seinem Körper geschehe, sei "ziemlich egal, Hauptsache, seine Leiche verschwindet". Offenkundig will der Übergangsrat damit verhindern, dass das Grab zu einem Wallfahrtsort für Gaddafi-Anhänger wird.

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