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Fotograf von Omran aus Aleppo: "Er wusste nicht, was ihm geschehen war"

Fotograf des Aleppo-Jungen  

"Er wusste nicht, was ihm geschehen war"

19.08.2016, 15:32 Uhr | uwe, t-online.de

Fotograf von Omran aus Aleppo: "Er wusste nicht, was ihm geschehen war". Das Foto des kleinen Omran Daqneesh ging um die Welt. (Quelle: AP/dpa/Aleppo Media Center via AP)

Das Foto des kleinen Omran Daqneesh ging um die Welt. (Quelle: Aleppo Media Center via AP/AP/dpa)

Das Bild des kleinen Jungen aus Aleppo ging um die Welt: Mit blutverschmiertem Gesicht sitzt er im Krankenwagen, starrt apathisch ins Leere. Man glaubt ahnen zu können, welchen Schrecken das Kind gerade durchlebt hat. Im "Guardian" berichtet der Fotograf Mustafa al-Sarout, wie es zu der Aufnahme kam

Vorausgegangen war einer der unzähligen Luftangriffe von Assad-Regime und Russen auf Aleppo. Bombardiert wurde auch das Wohnviertel Qaterji. "Die Menschen, die gerade auf der Straße gingen, rannten in die nächsten Häuser, um sich zu schützen. Und sie waren gefangen, als die Häuser durch die Bomben dann einstürzten", beschreibt Al-Sarout den Moment der Bombardierung.

"So viele waren verwundet, vielleicht 13 oder 14 Menschen." Wie viele Zivilisten tot unter den Trümmern begraben lagen, weiß man nicht.

"Und dann bricht das Haus zusammen" 

Der kleine Junge heißt Omran Daqneesh - und er hat Glück: Zusammen mit seiner älteren Schwester, dem Bruder und seinem Vater wird er aus den Trümmern gezogen. "Er berührte mit der Hand sein Gesicht und sah Blut. Er wusste überhaupt nicht, was mit ihm geschehen war", sagt Al-Sarout. 

Omran kommt in ein Krankenhaus."Als wir ihn behandelten, hat er weder geschrien noch geweint. Er war einfach nur geschockt", berichtet ein Arzt aus dem Krankenhaus. "Vermutlich saß er zu Hause - vermeintlich in Sicherheit, vielleicht hat er gerade geschlafen. Und dann bricht das Haus über ihm zusammen."

"Das ist Normalität" 

Körperlich ist der Junge fast unverletzt, lediglich eine leichte Kopfverletzung und Prellungen hat er durch den Angriff erlitten. Noch in der Nacht wird er wieder nach Hause geschickt. Doch für Glücksgefühle ist im Krankenhaus von Aleppo wenig Raum, denn die Ärzte wissen: das war nicht der letzte Angriff - das Grauen geht weiter, auch für Omran.  

Dass die Aufnahmen von dem verletzten Jungen überhaupt für so viel Aufmerksamkeit gesorgt haben, kann auch Fotograf al-Sarout kaum nachvollziehen. "Die Kinder werden täglich bombardiert. Das ist Normalität - und das Resultat der russischen und syrischen Luftangriffe Tag für Tag."  

Dem Schrecken ein Gesicht geben 

Al-Sarout ist Mitglied der Aktivistengruppe "Aleppo Media Center" (AMC) und arbeitet als Journalist in Aleppo. Er hat die Rettung des Jungen gefilmt und in sozialen Netzwerken hochgeladen. Sein Bild von Omran hat eine ähnliche Symbolkraft wie das Foto von Alan Kurdi, der einen ertrunkenen Flüchtlingsjungen an einem türkischen Strand fotografiert hatte - die Aufnahme gibt dem unfassbaren Schrecken ein Gesicht.


Das Schicksal syrischer Kinder. "Wenn du bleibst" (links), "wenn du gehst".

Seit Juli 2012 ist Aleppo heftig umkämpft. Sowohl die Truppen von Präsident Baschar al-Assad als auch die russische Luftwaffe bombardieren die Stadt. Bis zu 300.000 Zivilisten sind in Aleppo eingekesselt und den Angriffen ausgeliefert. Derzeit erwägt Russland, jede Woche eine 48-stündige Kampfpause einzulegen, um die Versorgung der Bevölkerung zu ermöglichen. 

"Kein Tag ohne Krieg, Tod und Zerstörung" 

"Dieser kleine Junge hat in seinem Leben nie einen Tag ohne Krieg, Tod, Zerstörung und Armut erlebt", sagt John Kirby vom Außenministerium der USA. Er zeige, was sich tatsächlich in Syrien abspiele.

Dieser Meinung ist auch der Mediziner, der Omran behandelt hat. Er wendet sich mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit: "Stoppt das Töten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass syrische und russische Luftkräfte weiterhin unschuldige Zivilisten töten können und die Welt bleibt stumm."  

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