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Nordkorea: Was kann ein Gipfel zwischen Trump und Kim bringen?

Schnell erkärt  

Warum das Trump-Kim-Treffen ein Tabubruch wäre

10.03.2018, 12:38 Uhr | Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking

Nordkorea: Was kann ein Gipfel zwischen Trump und Kim bringen?. Kim Jong Un und Donald Trump: Bis Ende Mai wollen sich die beiden treffen. (Quelle: AP/dpa/Wong Maye-E)

Kim Jong Un und Donald Trump: Bis Ende Mai wollen sich die beiden treffen. (Quelle: Wong Maye-E/AP/dpa)

Donald Trump will Nordkoreas Diktator Kim Jong Un treffen. Es wäre der erste Gipfel zwischen einem nordkoreanischen und einem amerikanischen Staatsoberhaupt. Was bedeutet das?

Es ist eine unerwartete Wendung in einem der bedrohlichsten Konflikte der Welt: US-Präsident Donald Trump hat sich zu einem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un bereit erklärt. Das Weiße Haus bestätigte am Donnerstagabend die zuvor gemachten Angaben des nationalen Sicherheitsberaters von Südkorea. Dieser sagte, Kim sei darauf erpicht, Trump zu treffen. Das Treffen solle "bis Mai" stattfinden.

Warum hat noch nie ein US-Präsident einen nordkoreanischen Machthaber getroffen?

Bisher galt es als Tabu, ein gemeinsames Foto mit einem der Diktatoren machen zu lassen. Das wäre nach bisheriger Denkweise zu viel der Ehre: Die Kims halten ihr Volk in Armut und Unwissenheit und ermorden routiniert Kritiker und sogar Familienmitglieder. Sie drohen US-Bündnispartnern wie Südkorea und Japan und zuletzt sogar den USA selbst mit "totaler Vernichtung". So jemanden trifft man nicht, lautete bisher die Einstellung. Doch das galt, wie so vieles in der Politik, vor Trump. Jetzt ist offenbar alles anders.

Was will Trump? Warum der Tabubruch?

Trump könnte sich als der Macher darstellen, der da einen Durchbruch schafft, wo vier Präsidenten vor ihm versagt haben. Das Manöver hat durchaus Aussicht auf Erfolg. Schließlich muss Kim jetzt etwas anbieten.

Was bietet Kim an?

Die USA fordern totale nukleare Abrüstung. Das Bedeutet: Kim müsste die bereits hergestellten Bomben herausgeben, den Reaktor Nyongbyon herunterfahren und ihn einmotten lassen. Er wird zudem seine Raketen zerlegen lassen müssen. Er würde zustimmen müssen, dass regelmäßig Inspektoren ins Land kommen, um sich davon zu überzeugen, dass er nicht heimlich doch irgendwo Atomwaffen herstellen lässt. Das wäre für Kim ein riesiger Schritt. Den Südkoreanern zufolge hat er ihn angeboten – doch er wird einen hohen Preis dafür verlangen.

Also wähnt sich Kim vermutlich im siebten Himmel?

Ja. Der Junior-Diktator wollte immer als einer der ganz Großen dieser Welt ernst genommen werden. Jetzt hofiert ihn der US-Präsident. Das Spiel mit den Atombomben hat sich gelohnt.

Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Chung Eui Yong: Gestern Abend erklärt er vor dem Weißen Haus in Washington, dass Trump und Kim Jong-Un zu einem Treffen bereit seien. (Quelle: AP/dpa/Susan Walsh)Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Chung Eui Yong: Gestern Abend erklärt er vor dem Weißen Haus in Washington, dass Trump und Kim Jong Un zu einem Treffen bereit seien. (Quelle: Susan Walsh/AP/dpa)

Wie kam das historische Gipfeltreffen zustande?

Tatsächlich war es Kim selbst, der die Hand ausgestreckt hat. Zu Neujahr hat er die Teilnahme seines Landes an den Olympischen Spielen in Südkorea angeboten und solange seine Waffentests ausgesetzt. Es ist das Verdienst des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, diese Chance sofort wahrzunehmen und die olympischen Delegationen für heftige Diplomatie zu nutzen. Doch Südkorea gesteht auch Trump zu, einen entscheidenden Teil beigetragen zu haben. Der launische US-Präsident hatte im vergangenen Jahr unflätig gegen Kim gedroht – und ihn damit vermutlich so in Unruhe versetzt, dass er den größeren Nutzen in Gesprächen gesehen hat. Kim will schließlich als erfolgreicher Diktator alt werden. Er will nicht nach einem verlorenen Krieg als Verbrecher hingerichtet werden.

Warum die Aufregung? Wie gefährlich ist Nordkorea wirklich?

Die Bedrohung durch Nordkorea ist riesig – besonders für die Nachbarländer Südkorea und Japan. Südkoreas Präsident Moon Jae In und Trump tun das Richtige, wenn sie versuchen, das Risikoniveau möglichst schnell zu senken. Nordkorea braucht nicht einmal Atomwaffen, um Schrecken zu verbreiten. Der Militarismus durchdringt die ganze Gesellschaft. Bei einer Bevölkerung von 25 Millionen Menschen stehen zwei Millionen Soldaten ständig unter Waffen, dazu kommen sieben Millionen Reservisten. Das sind dreimal mehr, als die USA aufbringen können. Die Ausrüstung befindet sich zwar auf dem Stand der Sechzigerjahre, ist aber nicht minder tödlich. Seoul, die Hauptstadt von Südkorea, befindet sich in Reichweite der Kanonen. Kim hat Nervengift und Biowaffen. 4.200 Panzer, 800 Kampfjets, 70 U-Boote – diese Zahlen sind enorm. Deutschland verfügt nur über rund hundert einsatzbereite schwere Panzer.

Seit 2006 sind nun auch Atomwaffen dazugekommen. Sind sie bereits eine konkrete Bedrohung?

Die Atombomben sind real. Ausgehend von der möglichen Produktion von spaltbarem Uran und Plutonium im einzigen Kernreaktor des Landes hat Kim Jong Un vermutlich einige Dutzend Kernwaffen bauen lassen. Die Tests der vergangenen zwölf Jahre zeigen eine immer bessere Wirkungsrate. Auch die Raketen sind real. Die jüngsten Experimente mit seinen größten Geschossen lassen auf eine Reichweite um 10.000 Kilometer schließen. Damit lägen auch Berlin und Madrid in Reichweite.

Also könnte jederzeit irgendwo eine nordkoreanische Bombe hochgehen?

Nur theoretisch. Denn das Entwicklungsprogramm ist noch nicht abgeschlossen. Kim konnte bisher weder zeigen, dass er die Bomben als Sprengköpfe auf die Raketen schrauben lassen kann, noch konnte er deren Zielgenauigkeit beweisen. Gerade dieser Punkt ist technisch heikel.

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