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Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan: Krieg zwischen Atommächten droht

SCHNELL ERKLÄRTKaschmir-Konflikt  

Es droht ein Krieg zwischen Atommächten

Von Nathalie Helene Rippich

27.02.2019, 19:59 Uhr
 (Quelle: Danish Ismail)
Kaschmir-Konflikt: Pakistan schießt indische Flugzeuge ab

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan in der umkämpften Grenzregion Kaschmir droht, weiter zu eskalieren. Einen Tag nach indischen Luftangriffen haben pakistanische Kräfte nach eigenen Angaben zwei indische Flugzeuge abgeschossen. (Quelle: t-online.de)

Kaschmir-Konflikt: Pakistan hat nach eigenen Angaben im Grenzgebiet zwischen den Ländern zwei indische Flugzeuge abgeschossen. (Quelle: t-online.de)


Nach dem Abschuss eines Kampfjets steigt die Gefahr eines neuen Krieges zwischen Pakistan und Indien. Die Atommächte streiten seit 70 Jahren um die Kaschmir-Region. Worum geht es genau?

In den verfeindeten Nachbarstaaten Indien und Pakistan sind Kampfflugzeuge abgeschossen worden. Pakistan erklärte, zwei indische Kampfjets abgeschossen und zwei Piloten gefangen genommen zu haben. Indien widersprach dieser Version, bestätigte den Verlust eines Flugzeugs und meldete seinerseits den Abschuss eines pakistanischen Kampfflugzeugs. Der vorläufige Höhepunkt in einer erneuten Eskalation an der indisch-pakistanischen Grenze. 

Warum kommt es in der Region Kaschmir immer wieder zu Konflikten?

Bis 1947 herrschte die britische Krone über das heutige Indien, Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Mit der Unabhängigkeit wurde das Gebiet im Wesentlichen in zwei Staaten geteilt – in die säkulare indische Union und die Islamische Republik Pakistan. Den kleinen Fürstenstaaten im ehemaligen Kolonialgebiet wurde freigestellt, welchem Staat sie sich anschließen. Kaschmir versuchte, eine unabhängige Politik zu betreiben, bis Pakistan Truppen in die Region entsandte, um sie einzunehmen. Die Bevölkerung war hauptsächlich muslimisch, regiert wurde Kaschmir aber von einem Hindu. Dieser bat im Angesicht der Invasoren Indien um militärische Unterstützung und beugte sich der Bedingung, sein Fürstentum Indien anzuschließen. Es kam zum ersten Krieg zwischen Pakistan und Indien, in dessen Folge Kaschmir durch Initiative der Vereinten Nationen zweigeteilt wurde. Eine offizielle Grenze gibt es bis heute allerdings nicht.


Wie ist die aktuelle Lage in Kaschmir?

Die Spannungen konnten auch nach Ende des ersten Indisch-Pakistanischen Krieges nicht gelöst werden. Immer wieder kochten Konflikte hoch und gipfelten in militärischen Auseinandersetzungen und Kriegen. Seit 2016 verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wieder stetig. Zuvor gab es Hoffnungen auf eine Annäherung, die sich zerschlugen, als eine islamistische Miliz einen indischen Luftwaffenstützpunkt und Militärkonvois in Kaschmir angriff. Indien wirft der pakistanischen Regierung vor, diese Milizen zu unterstützen und rüstete an der Grenze auf. Außerdem reagierte Indien ihrerseits mit Angriffen, unterdrückte in Kaschmir Proteste mit Gewalt und erließ ein Sonderermächtigungsgesetz für das Militär, das zu Folter, Vergewaltigungen und Tötungen führte. Immer wieder kam es seitdem zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten. Vor wenigen Tagen starben 40 indische Soldaten bei einem Selbstmordanschlag.

Eine Landschaftsaufnahme aus dem indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir: Die Region Kaschmir ist seit über 70 Jahren umkämpft. Aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit ist sie touristisch und somit wirtschaftlich interessant. Noch bedeutender ist für die Konfliktparteien allerdings die strategische Lage.  (Quelle: imago images)Eine Landschaftsaufnahme aus dem indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir: Die Region Kaschmir ist seit über 70 Jahren umkämpft. Aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit ist sie touristisch und somit wirtschaftlich interessant. Noch bedeutender ist für die Konfliktparteien allerdings die strategische Lage. (Quelle: imago images)

Welche Interessen haben die einzelnen Parteien?

Der Auslöser für den anhaltenden Konflikt um die Region Kaschmir mag religiöser Natur sein. Doch es geht um mehr: Die Region ist geopolitisch von großer Bedeutung. Neben Indien und Pakistan beansprucht auch China mehrere Gebiete in Kaschmir – und hat sich nach Konflikten mit Indien auf die Seite Pakistans geschlagen. Indien und China konkurrieren in der Region und zunehmend in der Welt um eine Vormachtstellung, das islamische Pakistan will seine Grenzen zu anderen Ländern ausbauen, um die Ausdehnung des Gegners Indiens gen Westen einzudämmen. China interessiert vor allem die Nähe zu seinen eigenen Provinzen Xinjiang und Tibet. Weiterhin fordern Vertreter aus Kaschmir selbst einen eigenen unabhängigen Staat. Zu den strategischen Interessen zählt auch, dass in Kaschmir mehrere Gebirge aufeinander treffen, die als rohstoffreich gelten und für die Region für die Süßwasserversorgung insbesondere Pakistans von großer Bedeutung sind. Außerdem ist Kaschmir durch seine Landschaft touristisch interessant und in Zeiten längeren Friedens dadurch ein Wirtschaftsfaktor gewesen.

Warum ist die aktuelle Lage so gefährlich?

Mit Pakistan und Indien stehen sich zwei Atommächte gegenüber. Beide gehören zu den vier Ländern weltweit, die den Atomwaffensperrvertrag zur Abrüstung von Kernwaffen nicht unterzeichnet haben. Zudem gipfelten die Konflikte um die Region Kaschmir wiederholt in Kriegen zwischen den beiden Staaten. Zuletzt im Jahr 1999, als beide Parteien bereits über Atomwaffen verfügten. Sowohl Pakistan als auch Indien bezeichneten die militärische Auseinandersetzung damals selbst nicht als Krieg. Brisant werden die Provokationen beidseitig der umstrittenen Grenze durch die Wahlen, die in Indien anstehen. Zeigt die indische Regierung nun Schwäche gegenüber Pakistan, droht ihr ein Gesichtsverlust.


Wie wahrscheinlich ist ein erneuter Krieg zwischen Indien und Pakistan?

Sowohl Pakistan als auch Indien sind sich der Gefahren und Folgen eines Kriegsausbruchs bewusst. Bereits beim Konflikt um die kaschmirische Region Kargil im Jahr 1999 waren beide Parteien mit Atomwaffen ausgestattet, diese kamen nicht zum Einsatz. Pakistans Premierminister Imran Khan rief nach den jüngsten Vorfällen zu Besonnenheit auf: "Können wir uns irgendeine Fehlkalkulation leisten mit der Art Waffen, die wir haben und die ihr habt?", fragte er in einer Fernsehansprache. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass das Resultat der jüngsten Ereignisse nicht trotzdem in einer dauerhaften militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Staaten gipfeln kann. Eine wichtige Rolle kommt dabei China zu. Im Zuge der Zusammenarbeit mit Pakistan hat das Land viel Geld in Pakistan und die umkämpfte Region investiert. Der Partner könnte mäßigend auf Pakistan einwirken und durch seine Stärke Druck auf Indien ausüben. Das gilt auch für die Weltgemeinschaft. 

Verwendete Quellen:

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