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Hunderttausende trauern und drohen den USA mit Rache

Von dpa, afp, dru

Aktualisiert am 07.01.2020Lesedauer: 3 Min.
"Harte Rache": Hunderttausende huldigten in Teheran dem getöteten General Ghassem Soleimani und forderten eine Bestrafung der USA.
"Harte Rache": Hunderttausende huldigten in Teheran dem getöteten General Ghassem Soleimani und forderten eine Bestrafung der USA. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Die Trauerzeremonie fĂŒr General Soleimani in Teheran wird zu einer großen anti-amerikanischen Kundgebung. Nach Angaben der Staatsmedien nehmen Millionen teil.

Hunderttausende, nach Medienangaben sogar Millionen Iraner, haben in der Hauptstadt Teheran an der Trauerzeremonie fĂŒr den bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getöteten iranischen General Ghassem Soleimani teilgenommen. Am frĂŒhen Morgen gab es an der UniversitĂ€t Teheran zunĂ€chst ein Leichengebet, dem Tausende beiwohnten.


Der USA-Iran-Konflikt in Bildern

Mai und Juni 2019: Eine Reihe von Angriffen auf Tanker im Persischen Golf sorgen fĂŒr zusĂ€tzlichen ZĂŒndstoff. Die USA machen dafĂŒr den Iran verantwortlich, der dies abstreitet.
20./21. Juni 2019: Der Iran schießt eine US-AufklĂ€rungsdrohne ab und prĂ€sentiert die TrĂŒmmerteile. US-PrĂ€sident Donald Trump bezeichnet dies als "sehr schweren Fehler". Einen MilitĂ€rschlag will er erst in letzter Minute gestoppt haben – wegen der befĂŒrchteten Todesopfer. Ob die Drohne iranischen Luftraum verletzt hatte, ist umstritten.
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An den SĂ€rgen der Getöteten versammelte sich die FĂŒhrungsriege des Iran. Das Gebet wurde geleitet von Ajatollah Ali Chamenei, der sichtlich bewegt war. Dem geistlichen Oberhaupt versagte bei seinen Gebeten die Stimme. Im Fernsehen war zudem zu sehen, wie er weint.

Auch PrĂ€sident Hassan Ruhani, ParlamentsprĂ€sident Ali Laridschani, der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, Soleimanis Nachfolger Esmail Kaani, mehrere Minister sowie Abgeordnete und der Justizchef waren anwesend. Die Zeremonie wurde auf fast allen FernsehkanĂ€len live ĂŒbertragen.

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Als Hauptredner bei dem Trauergebet fĂŒr Soleimani traten der AnfĂŒhrer der palĂ€stinensischen Hamas, Ismail Hanija, und Soleimans Tochter Sejnab auf. "Die USA und die Zionisten (Israel) sollen nicht denken, dass mit dem Tod meines Vaters der Kampf gegen sie unterbrochen ist", sagte sie. "Dieser geht auch ohne ihn weiter."

Danach wurde Soleimanis Leiche zum Asadi-Platz im Westen Teherans gebracht. Der Leichenwagen kam wegen der riesigen Menschenmassen kaum durch und erreichte den Asadi-Platz erst am Nachmittag – deutlich spĂ€ter als geplant. Entlang der rund fĂŒnf Kilometer langen Strecke nahmen Medienberichten zufolge Millionen Menschen Abschied von dem getöteten Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Einheit. Sie riefen unentwegt antiamerikanische Parolen wie "Tod den USA" und "Den Anfang habt Ihr (USA) gemacht, das Ende aber bestimmen wir".

Sarif lĂ€stert ĂŒber Trump und seine "Clowns"

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sprach am Montag ĂŒber Twitter US-PrĂ€sident Donald Trump direkt an und fragte ihn, ob er jemals in seinem Leben solch ein "Meer" an Menschen gesehen habe. Zudem fragte er, ob der US-PrĂ€sident weiter auf die "Clowns" hören wolle, die ihn ĂŒber die Lage in der Nahost-Region berieten. Und er fragte, ob Trump wirklich immer noch glaube, dass er das iranische Volk mit Sanktionen und Drohungen in die Knie zwingen könne.

Trauergebet an der UniversitÀt Teheran: Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei (Mitte) und PrÀsident Hassan Ruhani (links neben ihm) stehen vor den SÀrgen der beim US-Angriff in Bagdad Getöteten.
Trauergebet an der UniversitÀt Teheran: Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei (Mitte) und PrÀsident Hassan Ruhani (links neben ihm) stehen vor den SÀrgen der beim US-Angriff in Bagdad Getöteten. (Quelle: Official President's website/Reuters-bilder)

Soleimani wurde in der Nacht zum Freitag bei einem US-Raketenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Washington erklĂ€rte, der iranische Top-General habe Angriffe auf US-BĂŒrger geplant. Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen MilitĂ€rs im Ausland. Er galt als Architekt der iranischen MilitĂ€rpolitik in den NachbarlĂ€ndern. Im Iran wird er nun als MĂ€rtyrer verehrt.

Soleimani fĂŒr Anti-IS-Kampf gehuldigt

An der Trauerkundgebung nahmen AnhĂ€nger des iranischen Regimes wie wohl auch viele Regime-Fernere teil. Behnam M., ein 43 Jahre alter Klempner, sagte der dpa: "Soleimani war ein guter und treuer Soldat und hat unser Land jahrzehntelang verteidigt." Was passiert wĂ€re, wenn die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in den Iran eingedrungen wĂ€re, wolle er sich nicht vorstellen. "Ghassem hat das verhindert und dafĂŒr sind wir ihm alle fĂŒr immer dankbar," sagte der Klempner. Soleimani hatte den Kampf der iranischen VerbĂŒndeten gegen den IS koordiniert.

Auch die Hausfrau Massumeh H. ist keine AnhĂ€ngerin des Regimes. Ihr Sohn studiere in Minnesota und sei auch sehr glĂŒcklich dort. Sie habe nichts gegen die USA und die Amerikaner. Trotzdem rief sie lautstark "Tod den USA". "Dieser Trump ist ein Vollidiot," sagte die 39-JĂ€hrige. Der US-PrĂ€sident habe kein Recht, in einem anderen Land (Irak) einen iranischen Soldaten zu töten, nur weil dieser andere Interessen verfolge als das Weiße Haus, sagte die Hausfrau.

Trauernde in Teheran: An der Kundgebung in der iranischen Hauptstadt nahmen nach offiziellen Angaben Millionen teil.
Trauernde in Teheran: An der Kundgebung in der iranischen Hauptstadt nahmen nach offiziellen Angaben Millionen teil. (Quelle: Office of the Iranian Supreme Leader/ap-bilder)

Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, sagte der "Bild" hingegen: "Diktatoren haben immer riesige BegrĂ€bnisse." Die Menschen im Iran wĂŒrden gezwungen, auf die Straße zu gehen. Sie könnten nicht ihre Meinung Ă€ußern. Ihn habe eine Flut von E-Mails von Iranern aus den USA, Europa und dem Iran selbst erreicht. "Sie danken uns, dass wir diesen Wahnsinnigen ausgeschaltet haben." Dadurch sei auch die Anschlagsgefahr in Deutschland gesunken.

Beisetzung voraussichtlich am Dienstag in Kerman

Die Regierung hat den Montag in Teheran zum örtlichen Feiertag erklĂ€rt, um dort allen Menschen die Teilnahme an der Zeremonie zu ermöglichen. Mehrere Straßen in der Stadtmitte wurden wegen der Menschenmassen fĂŒr Autos gesperrt, Schulen und Hochschulen blieben geschlossen.

Von Teheran aus sollte der Leichnam dann in die schiitische Hochburg Ghom gebracht werden. Auch dort war eine Zeremonie vor einem Mausoleum geplant. Die Beisetzung Soleimanis findet voraussichtlich am Dienstag in seinem Geburtsort Kerman im SĂŒdostiran statt. Auch in Kerman hat die Regierung den Dienstag zum örtlichen Feiertag erklĂ€rt.

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