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Donald Trump schuldet Gericht 454 Millionen: Hat der Ex-Präsident das Geld?


Trump braucht 454 Millionen
"Könnte seinen politischen Bankrott bedeuten"


Aktualisiert am 19.03.2024Lesedauer: 4 Min.
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Ex-US-Präsident Donald Trump: Er muss 454 Millionen US-Dollar auftreiben. (Quelle: Drew Angerer/getty-images-bilder)

454 Millionen US-Dollar muss Donald Trump in einem New Yorker Betrugsprozess bis Montag vorlegen. Doch das Geld hat er wohl nicht. Was passiert, wenn der Ex-Präsident nicht bezahlt?

Über viele Jahre hat sich Donald Trump als erfolgreicher Geschäftsmann dargestellt, als "Selfmade-Milliardär", der alles, was er anfasst, zu Gold macht. Doch dieses Image bröckelt nun gewaltig. Denn nachdem er von einem Gericht wegen Betrugs verurteilt worden war, kann er die Strafe nun offensichtlich nicht zahlen.

"Es ist eine dramatische Situation", beurteilt die US-Expertin Dr. Laura von Daniels die Lage von Trump im Gespräch mit t-online. Schließlich finden er und seine Anwälte auch niemanden, der bei dieser hohen Summe für ihn bürgen will. Und so droht ihm nicht nur ein Ansehensverlust beim Kampf um die Präsidentschaft, sondern auch der Verlust seiner geliebten Immobilen.

Weshalb muss Trump die 454 Millionen Dollar zahlen?

Ein New Yorker Gericht hatte Donald Trump bereits Mitte Februar verurteilt. Der Richter war davon überzeugt, Trump habe das eigene Vermögen als zu hoch angegeben, um günstigere Kredite zu erhalten und die Kreditgeber so zu betrügen. Daher wurde Trump zu einer Geldstrafe von 354,9 Millionen Dollar verurteilt, diese Summe ist mittlerweile wegen Zinsen aber deutlich angewachsen. Trump will nun in Berufung gehen.

Um dies allerdings tun zu können, muss er das Geld als sogenannte Berufungsanleihe bezahlen oder eine Sicherheit dafür vorweisen. Es dient also als Kaution, falls die Berufung nicht erfolgreich ist. Auch wenn er nicht in Berufung gehen sollte, müsste er die Summe zahlen. Am Montag wird der Betrag nach einem Monat fällig.

Bereits im Januar wurde Trump zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Dabei wurden der Kolumnistin E. Jean Carrol 83,3 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugesprochen. Trump soll sie in den 1990er-Jahren sexuell missbraucht haben. In dem Fall hat Trump Anfang März die erforderliche Kaution in Höhe von 91,6 Millionen US-Dollar hinterlegt und ist in Berufung gegangen. Das Geld stammt allerdings von der Federal Insurance Co, einer Tochter des Versicherers Chubbs, die für ihn bürgt.

Hat Trump genug Geld, um die Kaution zu bezahlen?

Theoretisch ist Donald Trump nach wie vor Milliardär. Laut "Forbes" soll sein Vermögen aktuell rund 2,6 Milliarden US-Dollar betragen. Trotzdem kann er die 454 Millionen Dollar wohl nicht auftreiben. Denn: Ein Großteil dieses Geldes besitzt Trump in Form von Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen. Die "New York Times" hat errechnet, er habe ein Barvermögen von 350 Millionen Dollar, Trump selbst gab es jüngst mit 400 Millionen an. Aber auch das reicht nicht aus, um den Forderungen zu entsprechen.

Video | So prunkvoll ist Trumps Machtzentrale Mar-a-Lago
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Quelle: t-online

Trumps Anwälte hatten am Montag in einem Schreiben an das Berufungsgericht mitgeteilt, Trump sei momentan nicht in der Lage, die Summe aufzutreiben. Für die USA-Expertin Laura von Daniels ist deshalb klar: "Das bedeutet schlicht, dass er zahlungsunfähig ist", sagt die Leiterin der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik im Gespräch mit t-online.

Welche Möglichkeiten hat Trump, das Geld aufzutreiben?

Die Anwälte des Ex-Präsidenten haben bereits einiges probiert. Allerdings haben sie nach eigenen Angaben von 30 Kautionsgesellschaften eine Absage erhalten. Diese wollen nämlich keine Sicherheiten über 100 Millionen leisten und akzeptieren seine Immobilen nicht als Gegenwert. Sie verlangen meist Bargeld oder Aktien als Sicherheit.

Dr. Laura von Daniels: Die Forschungsgruppenleiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht Trumps politische Ambitionen gefährdet.
Dr. Laura von Daniels: Die Forschungsgruppenleiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht Trumps politische Ambitionen gefährdet. (Quelle: SWP)

Zur Person

Dr. Laura von Daniels leitet die Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik. Ihr aktuelles Fokusthema sind die US-Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr. Ihr Forschungsschwerpunkt ist unter anderem US-Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein privater Spender. "Das führt natürlich zu Spekulationen", erklärt von Daniels. "Vorletzte Woche hatte sich Trump mit Elon Musk getroffen. Da gab es Gerüchte, es könnte finanzielle Unterstützung von Musk geben. Aber dafür gibt es keine Beweise." Die finanziellen Mittel hätte Musk, allerdings erklärte er auf seiner Social-Media-Plattform X später: "Nur um das klarzustellen: Ich spende keinem der beiden Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten Geld."

Was passiert, wenn Trump nicht bezahlt?

Aktuell hoffen Trump und seine Anwälte noch auf eine Verlängerung der Frist. Im Schreiben an das Berufungsgericht forderten sie daher eine Aufschiebung oder Begrenzung der Zahlung auf 100 Millionen US-Dollar. Es sei "praktisch unmöglich", die Zahlung fristgerecht zu leisten. Ob das Berufungsgericht darauf eingeht, ist bisher aber fraglich. Und auch wenn es zu einer Aufschiebung käme, würde das keinesfalls die Lösung des Problems bedeuten. Von Daniels meint dazu: "Seine Strategie lautet aktuell: verschieben, verschieben, verschieben."

Laut der USA-Expertin könnte Trump sich bei einem möglichen Verfahren am höchsten New Yorker Gerichtshof auch auf einen Konkurs einigen. "Das könnte allerdings auch politisch seinen Bankrott bedeuten", wendet sie ein. Es ist eine unwahrscheinliche Option.

Passiert bis Montag nichts, darf das Gericht unmittelbar damit beginnen, Trump Vermögenswerte zu pfänden. Laut von Daniels könnten sowohl seine Konten eingefroren werden als auch seine Immobilien beschlagnahmt werden. Anschließend könnten diese zudem zwangsversteigert werden – zu einem deutlich niedrigeren Preis, als ihn Trump jetzt erzielen würde.

Nicht eindeutig ist dabei, ob auch Immobilien außerhalb von New York betroffen sein könnten. So erklärte der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Investigativjournalist und Wirtschaftsexperte David Cay Johnston der "Bild"-Zeitung: "Alle Immobilien auch außerhalb New Yorks stehen unter dem Schirm der 'Trump Organization' und dem eingerichteten Treuhandfonds. Man kann das Urteil so interpretieren, dass die Geschäftslizenz für alles weg ist, egal wo!" Das würde bedeuten: Auch das Ressort Mar-a-Lago in Florida, wo Trump lebt, könnte gepfändet werden. "Das würde ihn persönlich noch mehr treffen, wenn er sein persönliches 'Weißes Haus' verlieren würde", schätzt von Daniels.

Kampf um die Kandidatur
US-Wahlen2024
Stand:Trump:Haley:
  • Trump
  • Haley

Donald Trump (78)

Der umstrittene Ex-Präsident will das Weiße Haus zurückerobern.

Nikki Haley (52)

Pragmatikerin, will Konservative gewinnen, denen Trump suspekt ist.

Die prozentualen Zustimmungswerte der Kandidaten beziehen sich auf die Wählerschaft innerhalb der eigenen Partei, nicht auf alle Wähler. Quelle: RealClearPolling (13.03.2024, ausgewählte Bewerber, Ergebnisse auf ganze Zahlen gerundet)

Was bedeutet das Verfahren für die anstehende US-Wahl?

"Sein ganzer Nimbus basiert auf dem Bild als erfolgreicher Geschäftsmann. Es könnte einen massiven Imageschaden bedeuten und ihn als Empfänger von Wahlspenden unattraktiv machen", beurteilt die Expertin von Daniels die Situation Trumps. So sei die politische Verwundbarkeit in diesem Fall deutlich größer als in den parallel laufenden Strafverfahren. Er könne nicht so einfach den Staat und Joe Biden für das Scheitern verantwortlich machen. Schließlich gehe es um Betrug: "Leute sind zu Schaden gekommen."

Alles, was vor der Wahl passiert, kann noch negativen Einfluss auf Trumps Kampagne nehmen. Daher versuchen Trump und seine Anwälte momentan, sämtliche Verfahren aufzuschieben und in die Zeit nach der Wahl zu verschleppen. Es ist nur fraglich, ob das in diesem Fall gelingt.

Verwendete Quellen
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