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Die Psychologen des Grauens

spiegel-online, Marc Pitzke

Aktualisiert am 10.12.2014Lesedauer: 3 Min.
Gefangene in Guantanamo Bay mussten sich speziellen Verhörmethoden unterziehen
Gefangene in Guantanamo Bay mussten sich speziellen Verhörmethoden unterziehen (Quelle: /Reuters-bilder)
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Der US-Bericht ĂŒber die CIA-Folter von TerrorhĂ€ftlingen enthĂŒllt: Viele Verhöre wurden an zwei ehemalige MilitĂ€rpsychologen "outgesourct". Sie bekamen dafĂŒr rund 81 Millionen Dollar.

Der erschĂŒtternde Bericht ĂŒber Folter unter US-PrĂ€sident George W. Bush enthĂ€lt viele Namen. Die Namen der mindestens 119 Gefangenen. Die Namen der CIA-Folterknechte, penibel geschwĂ€rzt, um sie zu schĂŒtzen. Die Namen der damaligen höchsten Verantwortlichen: Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, Justizminister John Ashcroft oder CIA-Direktor George Tenet.


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MilitÀrpsychologen entwickeln Folterpraktiken

Zwei MĂ€nner geistern jedoch mit fantasievollen Pseudonymen durch die 499 Seiten der Zusammenfassung, die die Demokraten im Geheimdienstausschuss des US-Kongresses am Dienstag vorlegten: "Dr. Grayson Swigert" und "Dr. Hammond Dunbar".

Bei "Dr. Swigert" und "Dr. Dunbar" handelt es sich um zwei MilitĂ€rpsychologen, die die CIA beauftragte, die schlimmsten Foltermethoden zu entwickeln und sogar persönlich durchfĂŒhren zu lassen. Obwohl bis dahin ohne jede praktische Erfahrung mit "verschĂ€rften Verhörmethoden", habe das Duo schließlich eine so zentrale Rolle gespielt, dass die CIA ihr Folterprogramm ab 2005 fast ganz an die Privatfirma der MĂ€nner "outgesourct" habe.

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Ihre Klarnamen, von Geheimdienstkreisen bestÀtigt, waren auch schon mal im "Spiegel" zu lesen: James Mitchell und Bruce Jessen.

Sie sprachen nicht mal Arabisch

Erstmals offenbart der Bericht jetzt, dass die beiden mit der sadistischen, und oft sinn- wie zwecklosen QuĂ€lerei ein Vermögen verdienten: Rund 81 Millionen Dollar habe die CIA dem Unternehmen der beiden MĂ€nner gezahlt, das diese im Jahr 2005 eigens fĂŒr ihre Arbeit in den Folterlagern gegrĂŒndet hĂ€tten und das seither als Mitchell Jessen & Associates im US-Bundesstaat Washington identifiziert wurde. Seit 2007 hĂ€tten sie weitere 1,1 Millionen Dollar bekommen, um sie "vor gesetzlicher Haftung" abzuschotten.

Der Report bestĂ€tigt frĂŒhere Berichte, wonach "Swigert" und "Dunbar" fĂŒr ein geheimes Trainingsprogramm der US-Armee gearbeitet haben (Survival, Evasion, Resistance, Escape, kurz: SERE). Dieses bereitet US-Soldaten auf mögliche Folter nach einer Gefangennahme durch den Feind vor. Beide MĂ€nner hĂ€tten aber weder Erfahrung mit Verhören gehabt noch irgendwelche "Spezialkenntnisse ĂŒber al-Qaida" - geschweige denn "andere relevante, kulturelle oder linguistische Expertise". Will heißen: Sie sprachen nicht mal Arabisch.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die den Bericht vorstellte, nannte das einen "klaren Interessenkonflikt und eine Verletzung professioneller Richtlinien". Die Pseudonyme der Psychologen ziehen sich durch den gesamten Horror-Report, Seite fĂŒr Seite, Fußnote fĂŒr Fußnote. Sie zeigen auch, dass die CIA das Foltern gern suspekten Menschen ĂŒberließ. Ab dem Jahr 2008 seien 85 Prozent aller "Verhör-FĂŒhrer" keine CIA-Leute gewesen, sondern private Vertragsarbeiter.

Lieblingstechniken: Ohrfeigen und an die Wand werfen

"Die Verhöre waren keine anspruchsvolle Informationserfassung", resĂŒmiert das Magazin "New Yorker" entsetzt. "Es waren Leute, die wild drauflos gingen, in der vagen Hoffnung, dass irgendetwas dabei herauskommt."

Die CIA entwickelte ihre "verschĂ€rften Verhörmethoden" nach "Konsultationen" mit diesen Psychologen. Der Report zitiert einen Bericht "Swigerts" und "Dunbars" ĂŒber ihre Lieblingstechniken: "Kapuzen, Einsatz lauter Musik, Schlafentzug, Kontrolle von Dunkelheit und Licht, Ohrfeigen, an die Wand werfen."

Abu Zubaydah war der erste von vielen US-HĂ€ftlingen, an denen die beiden diese Mittel oft auch "persönlich ausĂŒbten", in geheimen CIA-Folterlagern im Ausland. Die FBI-Agenten, die Zubaydah zuerst verhört hatten, hĂ€tten heftig protestiert.

Auch mit der Foltermethode Waterboarding hĂ€tten "Swigert" und "Dunbar" keinerlei Erfahrungen gehabt, da es im SERE-Training nicht vorgekommen sei, heißt es weiter. Trotzdem hĂ€tten sie es als "absolut ĂŒberzeugende Technik" beschrieben - und als notwendig, um die "WiderstandsfĂ€higkeit" von Zubaydah und anderen Gefangenen zu "brechen".

Psychologen fĂŒhrten Techniken selbst aus

Am hĂ€ufigsten wurde 9/11-Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed dem Waterboarding unterzogen: 183 Mal. "Swigert" und "Dunbar" hĂ€tten die Prozeduren meist persönlich durchgefĂŒhrt. 2006 wurde Scheich Mohammed ins US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba ĂŒberfĂŒhrt. Im Jahr darauf löste die CIA ihren Vertrag mit dem Psychologen-Duo auf.

Am Dienstag stöberten US-Reporter "Dr. Swigert" alias James Mitchell in Florida auf, wo er im Ruhestand lebt. "Warum können Sie mich nicht in Ruhe lassen?", bellte er einen Reuters-Journalisten am Telefon an. "Sprechen Sie mit der CIA."

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