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US-Starjournalist: Barack Obama "lügt" über Bin-Laden-Tod

US-Journalist: Obama "lügt"  

USA sollen 25 Millionen für Bin Ladens Tod gezahlt haben

11.05.2015, 20:20 Uhr | dpa, je

US-Starjournalist: Barack Obama "lügt" über Bin-Laden-Tod. So kannte die Weltöffentlichkeit den ehemaligen Terror-Chef: Osama bin Laden. (Quelle: Reuters)

So kannte die Weltöffentlichkeit den ehemaligen Terror-Chef: Osama bin Laden. (Quelle: Reuters)

Der berühmte US-amerikanische Journalist Seymour Hersh hat Präsident Barack Obama "Lügen" im Zusammenhang mit dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vorgeworfen. Bei der Vorbereitung und Ausführung des Angriffs durch US-Elitetruppen im Mai 2011 hätten Pakistans Armee und Geheimdienst eine viel stärkere Rolle gespielt, als bislang bekannt ist. Die US-Regierung dementiert scharf.

Vom Ende des einstmals gefürchteten Al-Kaida-Chefs, der für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA verantwortlich zeichnet, erzählt Hersh eine komplett andere Geschichte, als die offizielle aus dem Weißen Haus bis heute lautet. Washington hatte bislang angegeben, Bin Laden ohne Kenntnis der pakistanischen Behörden im Alleingang getötet zu haben.

In der britischen Zeitschrift "London Review of Books" legt Hersh nun dar, dass die USA einem pakistanischen Geheimdienstmitarbeiter eine Prämie in Höhe von 25 Millionen Dollar gezahlt hätten. Dieser habe daraufhin Bin Ladens Versteck preisgegeben.

Vietnam- und Irak-Verbrechen aufgedeckt

Und der Journalist, der sich auf einen ehemaligen, nicht namentlich genannten Geheimdienstmitarbeiter beruft, ist nicht irgendwer. In den USA ist er eine Legende, hat er doch schon während des Vietnamkriegs die Kriegsverbrechen der US-Armee 1969 im Massaker von My Lai aufgedeckt. 2004 war er maßgeblich daran beteiligt, den Folter-Skandal während des dritten Golfkriegs im irakischen Abu-Ghraib-Gefängnis bekannt zu machen.

"Dies war durch und durch ein US-Einsatz", dementierte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von Präsident Barack Obama, Edward Price, scharf Hershs neue Enthüllungen. Jede andere Darstellung sei "schlicht falsch". "In dem Artikel gibt es zu viele Ungenauigkeiten und unfundierte Behauptungen", sagte Price. Von der Kommandoaktion habe nur "ein sehr kleiner Kreis von ranghohen US-Vertretern" gewusst. Obama habe keine ausländische Regierung in die Pläne eingeweiht.

Aufgespürt und bei Militäraktion erschossen

Die offizielle Version des Weißen Hauses von den Vorgängen am 2. Mai 2011 lautet bis heute so: Dank jahrelanger Geheimdienstarbeit und einer Kommandoaktion der Navy-Seals wurde Top-Terrorist Osama bin Laden in der pakistanischen Stadt Abbottabad aufgespürt und am frühen Morgen erschossen. Die pakistanischen Behörden seien über die Aktion nicht informiert gewesen.

Bei der von US-Präsident Obama befohlenen und live per Video überwachten 40-minütigen Militäraktion wurden nach US-Angaben vier weitere Personen getötet, darunter ein Sohn Bin Ladens. Mehrere Anwesende seien verletzt und insgesamt 17 Personen gefesselt zurückgelassen worden. Bin Ladens Identität wurde nach Angaben der US-Regierung mit einer DNA-Analyse festgestellt und sein Leichnam noch am 2. Mai 2011 an geheimer Stelle von Bord eines Flugzeugträgers im Arabischen Meer bestattet.

Unruhen befürchtet

Journalist Seymour Hersh, der bis heute ausgezeichnete Kontakte zu US-Geheimdienstlern unterhält, erzählt eine komplett andere Geschichte: Danach habe Bin Laden längst unter Arrest des pakistanischen Geheimdienstes ISI gestanden - und das seit 2006. Die Pakistani hätten sich deswegen in einer Zwickmühle befunden. Wäre herausgekommen, dass sie Bin Laden den Amerikanern ans Messer liefern wollten, hätte die pakistanische Regierung Unruhen im ganzen Land befürchtet.

Die Abmachung zwischen Pakistan und den USA habe deshalb gelautet: Holt Bin Laden ab und lasst es so aussehen, als wäre er bei einem Drohnenangriff im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan ums Leben gekommen.

Anders als geplant

Alles sei vorbereitet gewesen: Eine vorab organisierte DNA-Probe durch einen pakistanischen Geheimdienstmitarbeiter sollte beweisen, dass es sich wirklich um Bin Laden handelt. Die Amerikaner hätten in der Nähe von Bin Ladens Haus vier Spezialisten einquartiert, die sich auf die Mission vorbereiten sollten. Dort konnten sie sich unter anderem über die Baupläne von Bin Ladens Haus informieren.

Das Haus, in dem der Terrorfürst mit seiner Familie lebte, war angeblich vom pakistanischen Militär angemietet. In der Nacht der Kommandoaktion der US Navy zogen die Pakistani ihre Wachleute vom Haus Bin Ladens ab und schalteten das Licht im Quartier aus.

Missgeschick: Absturz

Doch dann stürzte gleich zu Beginn der Mission in Abbottabat einer der beiden Black Hawks ab. Die Flammen vom brennenden Helikopter waren weit herum zu sehen. Dass Amerikaner hier waren, würde sich nun nicht mehr leugnen lassen. Die Amerikaner hätten die Flucht nach vorn ergreifen müssen und deshalb die Legende von ihrer eigenen Mission erfunden - Pakistans Unterstützung ließen sie weg.

Auch die Seebestattung Bin Ladens an Bord der "USS Carl Vinson" im Arabischen Meer soll es nie gegeben haben. Laut Hershs Bericht wurde Bin Ladens Leiche "in Teile geschossen". Die Seals hätte sie in einen Leichensack gepackt und zum Teil auf dem Rückflug aus dem Helikopter geworfen. Wo sich der Rest der sterblichen Überrest befinden soll, darüber sagt Hershs Bericht allerdings nichts.

Hershs Ausführungen zufolge seien diese "Legenden" erfunden worden, um Obamas Wiederwahl im Herbst 2012 zu sichern. Obama habe befürchtet, wie einst der demokratische Präsident Jimmy Carter zu enden. Der verpasste seine Wiederwahl unter anderem wegen der gescheiterten Befreiung von US-Geiseln aus der amerikanischen Botschaft in Teheran 1980.

Hier können Sie den kompletten Artikel von Seymour Hersh in Englisch lesen.

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