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Zweite Runde gegen Donald Trump im Kampf gegen sexuelle Übergriffe

Sexuelle Übergriffe durch US-Politiker  

Zweite Runde gegen Trump

12.12.2017, 16:27 Uhr | js, t-online.de

Zweite Runde gegen Donald Trump im Kampf gegen sexuelle Übergriffe. Crooks, Leeds, Holvey: Sie fordern eine Untersuchung gegen Trump im Kongress. (Quelle: Mark Lennihan/AP/dpa)

Crooks, Leeds, Holvey: Sie fordern eine Untersuchung gegen Trump im Kongress. (Quelle: Mark Lennihan/AP/dpa)

Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe konnten Trumps Wahlsieg nicht verhindern. Jetzt erneuern drei Frauen ihre Vorwürfe. Und fordern Konsequenzen.

Schadet es einem Politiker, wenn er Frauen sexuell belästigt? Und wenn nicht: Kann sich das ändern? In den USA wird diese Frage gerade wieder gestellt.

Wenn am Dienstag in Alabama die Nachwahlen zum US-Senat abgehalten werden, kandidiert mit dem Republikaner Roy Moore ein Mann, dem mehrere Frauen glaubhaft vorwerfen, sie sexuell belästigt zu haben, als sie noch minderjährig waren.

Unterstützt wird er von Präsident Donald Trump. Der rief den Republikaner kürzlich an, um ihm seine Unterstützung zuzusichern. Auf Twitter schrieb er, Moore werde gebraucht, um gegen Abtreibung und illegale Einwanderung vorzugehen und das Militär zu stärken.

Moore hat eines der größten Tabus gebrochen

Wegen der Vorwürfe könnte Moore die Wahl gegen den wenig profilierten Demokraten Doug Jones verlieren. In Umfragen vor dem Wahltag lag Moore hinten, dabei ist Alabama eine Bastion für die Republikaner.

Aber trotz der Vorwürfe könnte Moore die Wahl gewinnen – obwohl er gegen eines der größten Tabus der amerikanischen Gesellschaft verstoßen hat, indem er sich als erwachsener Mann Teenagern sexuell genähert hat.

Dass er trotz eines Tabubruchs nicht zurücktreten musste, hat er mit Trump gemeinsam. Dem werfen mehr als ein Dutzend Frauen sexuelle Übergriffe vor – und einige von ihnen drängen in diesen Tagen wieder an die Öffentlichkeit. Weil sie sich nicht damit abfinden wollen, dass sich manche Politiker alles erlauben können.

Drei Frauen wiederholen ihre Vorwürfe

Drei der Frauen, die Trump schon vor einem Jahr öffentlich Übergriffe vorgeworfen hatten, haben jetzt gemeinsam ein Fernseh-Interview und eine Pressekonferenz gegeben und ihre Vorwürfe noch einmal wiederholt.

Samantha Holvey wirft Trump vor, in die Umkleidekabine des Schönheits-Wettbewerbs gekommen zu sein, den er ausrichtete. Trump sei in die Umkleide gekommen, obwohl Männer keinen Zutritt hatten, und habe sie und die Frauen angestarrt. Er selbst hat öffentlich damit geprahlt, dass er so etwas getan habe.

Rachel Crooks wirft ihm vor, sie nach einer Begrüßung mit Wangenkuss festgehalten und weiter geküsst zu haben, auch auf die Lippen.

Jessica Leeds wirft Trump vor, sie ungefragt geküsst und angefasst zu haben, auch unter dem Rock. Begegnet sei sie Trump im Flugzeug, als sie zufällig neben ihm saß.

"Versuchen wir es noch einmal"

Dass ihre öffentlichen Aussagen so wenig Folgen für den Wahlkampf hatten, habe geschmerzt, sagten die Frauen. “Ich habe mich der ganzen Welt ausgesetzt und niemand scherte sich darum”, sagte Samantha Holvey. Bestärkt fühlten sie sich jetzt durch die #metoo-Debatte, die durch die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelöst wurde. “Wir haben das Gefühl, jetzt ist die zweite Runde, die Umwelt hat sich verändert, versuchen wir es noch einmal”, sagte Holvey.

Die Frauen forderten den Kongress auf, die Vorwürfe zu untersuchen. “Das ist keine Frage von Parteizugehörigkeit”, sagte Holvey. Es sei wichtig, dass Vorwürfe gegen alle Politiker untersucht würden. Gegen den demokratischen Senator Al Franken habe der Kongress Ermittlungen eingeleitet. Jetzt sei auch Trump an der Reihe.

"Das Amerikanische Volk hat sein Urteil gesprochen"

In einem offiziellen Statement erklärte das Weiße Haus: “Diese falschen Behauptungen, von denen die meisten durch Augenzeugen in Frage gestellt werden, wurden während des Wahlkampfs ausführlich diskutiert und das Amerikanische Volk hat sein Urteil gesprochen, indem es Trump einen deutlichen Sieg bescherte”.

Es ist Trumps übliches Argument: Er habe gewonnen und deshalb Recht. Weil die Mehrheit der US-Amerikaner sich nicht störten, sei das Thema abgehakt. Holvey, Crooks und Leeds sehen es anders: Dass sich so viele Wähler nicht an den Vorwürfen störten, ist für sie ein Problem.

Sie hoffen, dass sich die Haltung der Menschen ändern lässt. Die Senats-Nachwahl in Alabama wird ein erster Test.

Linktipp:

Die Washington Post hat Vorwürfe gegen Donald Trump, zusätzliche Zeugenberichte und Trumps Reaktionen darauf gesammelt (Englisch).

Das Time Magazine hat eine solche Liste der Vorwürfe gegen Roy Moore veröffentlicht (Englisch).

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