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83 Minuten in Trumps Welt

Von Fabian Reinbold, New York

27.09.2018Lesedauer: 3 Min.
Donald Trump in New York: "Ich k├Ânnte das noch den ganzen Tag lang machen"
Donald Trump in New York: "Ich k├Ânnte das noch den ganzen Tag lang machen" (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa-bilder)
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Pressekonferenzen mit Donald Trump sind selten. Vor der Weltpresse bei den UN genie├čt der US-Pr├Ąsident die globale Aufmerksamkeit ÔÇô und l├Ąsst dabei tief blicken.

Es begann mit diesem Satz: "Nun ein paar Fragen, wir haben reichlich Zeit." Damit er├Âffnete Donald Trump im Ballsaal des Palace-Hotels in Manhattan eine seltene Pressekonferenz, die tiefe Einblicke in sein Denken offenbarte.

├ťblicherweise beantwortet Trump Fragen von Journalisten nur im Vorbeigehen. Oder er gibt auf Staatsbesuchen durchchoreografierte kurze Pressestatements mit einem ausl├Ąndischen Staats- und Regierungschef. Sein Auftritt in New York am Mittwochabend war erst das f├╝nfte Mal, dass Trump alleine und ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum hinweg Fragen von Journalisten beantwortete.

Die Einladung vom Wei├čen Haus landete erst am Vorabend in den Postf├Ąchern der Korrespondenten. Es war in einer streng durchgeplanten Woche der UN-Vollversammlung also eine relativ spontane Entscheidung, die Veranstaltung abzuhalten. Vielleicht wollte sich der US-Pr├Ąsident nach den Tagen der diplomatischen Zw├Ąnge die Dinge mal wieder etwas freier von der Seele reden.

Zahlreiche Unwahrheiten, Eingest├Ąndnisse, Informationen

Denn genau das tat er, ob beabsichtigt oder nicht. Die 83 Minuten vor der versammelten Weltpresse erm├Âglichten einen tiefen Blick in Trumps Verfasstheit. Sie lieferten im Stakkato zahlreiche Unwahrheiten, Eingest├Ąndnisse und auch viele Informationen, die als Eilmeldungen um die Welt gingen.

Der Pr├Ąsident sprach ├╝ber viele Themen (hier finden Sie den Nachrichten├╝berblick), und dabei wurde klar, wie er ├╝ber die aktuellen Gro├čthemen denkt und wie sehr er sich dabei von seinem Ego leiten l├Ąsst.

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Trump drohte Kanada mit Autoz├Âllen, Trump sagte, Trump habe einen Krieg mit Nordkorea verhindert, Trump behauptete, dass es wegen Trump ├╝berall im Iran Aufst├Ąnde gegen die Regierung gebe. Trump, Trump, Trump.

Dass der US-Pr├Ąsident sich um sich selbst dreht, ist keine Neuigkeit. Nur bekam man sie selten so plastisch serviert wie auf dieser Pressekonferenz.

Am Ende verglich er seinen Auftritt mit einem Konzert Elton Johns ÔÇô was passender war, als man denken k├Ânnte, schlie├člich drehte Trump wie ein Entertainer auf.

Er verglich sich mit seinem Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh, dem sexuelle ├ťbergriffe vorgeworfen werden. Trump r├Ąumte freim├╝tig ein, dass er den Fall durch die Brille seiner eigenen Erfahrungen betrachte. Auch Trump ist wiederholt sexuelle Bel├Ąstigung vorgeworfen worden.

"Ich werde das gucken", sagte er zur mit Spannung erwarteten Senatsanh├Ârung Kavanaughs und einer der Frauen, die Anschuldigungen erhebt. Wenn diese am Donnerstag beginnt, wird Trump auf dem R├╝ckflug nach Washington sein.

Er gab an, dass er noch nicht genau wisse, ob er Vize-Justizminister Rod Rosenstein entlassen solle oder nicht. Er wolle nicht, dass die Rosenstein-Causa die Supreme-Court-Nominierung ├╝berschatte, sagte er wie ein Fernsehboss, der die Sendepl├Ątze zweier Quotenbringer auseinanderhalten will.

Trumps Hassliebe zu den Medien wird deutlich

Und schlie├člich zeigte der Auftritt seine Leidenschaft f├╝r die Medien, die er zwar immer wieder heftig als "Volksfeinde" beschimpft, aber doch intensiv verfolgt. Er bezeichnete die "New York Times", die er sonst ├Âffentlich immer als "scheiternd" schimpft, erst als "die Zeitung, die ich einst liebte", sp├Ąter sprach er davon, dass er sie immer noch liebe.

Tats├Ąchlich ist es in den Politikkreisen New Yorks und Washingtons ein offenes Geheimnis, dass Trump immer wieder Reporter der "New York Times" selbst anruft, um Geschichten durchzustechen.

Diese Hassliebe zeigte sich auch im Umgang mit anderen Journalisten. "Setzen Sie sich hin", herrschte er eine Reporterin an. "Soll sie noch eine Frage stellen?", fragte er den Saal voller Journalisten, als eine Korrespondentin des Fernsehsenders NBC eine Nachfrage stellen wollte. Eine andere Reporterin rief er auf, "weil sie immer so sch├Ân nickt bei meinen schlauen Aussagen."

"Ich k├Ânnte das hier den ganzen Tag lang tun."

Einem Journalisten aus den kurdischen Gebieten attestierte er erst, dass die Kurden ein gro├čartiges Volk seien, dann rief er den Mann als "Herr Kurde" auf, damit dieser seine Frage stellen solle. Nach einer Stunde platzte es aus Trump hinaus: "Ich k├Ânnte das hier den ganzen Tag lang tun."

Trumps Neigung, die Welt durch eine ganz bestimmte Brille zu sehen sowie sein Wunsch, dem Publikum und den Medien zu gefallen, trafen zusammen, als er von einer amerikanischen Journalistin nach den Lachern vom Dienstag gefragt wurde.


Es ging um die Szene, als Trump sich vor der UN-Vollversammlung eifrig selbst lobte. Trump hatte behauptet, dass seine Administration bereits mehr als so gut wie alle anderen US-Regierungen bewegt habe.

"Das waren Fake News", behauptete Trump nun wie aus der Pistole geschossen. Die Szene sei einfach in den Medien falsch dargestellt worden. Dabei ist das anf├Ąngliche Lachen ├╝ber Trumps Selbstlob aus dem Plenum gut dokumentiert. "Sie haben nicht ├╝ber mich gelacht. Sie haben mit mir gelacht", erkl├Ąrte Trump. "Sie hatten eine gute Zeit mit mir."

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