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Donald Trumps G7-Rückzieher: US-Präsident ist plötzlich in der Defensive

Trumps G7-Rückzieher  

Eine Front zu viel

Von Fabian Reinbold, Washington

21.10.2019, 16:42 Uhr
 (Quelle: t-online.de)
US-Präsident rudert zurück: G7-Gipfel 2020 nicht in Trump-Hotel

Donald Trump will den G7-Gipfel im kommenden Jahr nun doch nicht in einem seiner Hotels ausrichten. Der US-Präsident gab auf Twitter bekannt, dass das Trump National Doral in Miami nicht länger als Gipfelort berücksichtigt werde. (Quelle: t-online.de)

G7-Gipfel 2020 doch nicht in Trump-Hotel: Der mediale Druck macht dem US-Präsidenten einen Strich durch die Rechnung. (Quelle: t-online.de)


Ein G7-Gipfel im eigenen Hotel? Donald Trump rückt in Windeseile von dem Vorhaben ab – die Volte zeigt, wie stark der Präsident in die Defensive geraten ist.

Mit seinem Vorhaben, den kommenden G7-Gipfel in seiner eigenen Hotelanlage in Miami abzuhalten, sorgte Donald Trump gleich zwei Mal für Aufsehen. Zunächst trug ihm das Ansinnen schwere Korruptionsvorwürfe ein. Schließlich würden Gelder und Aufmerksamkeit, die das Treffen der westlichen Industriemächte mit sich bringen, auf die Konten seiner Firmen fließen.

Ebenso großes Aufsehen erntete dann der Umstand, dass Trump seinen Plan zwei Tage nach der Verkündung zurücknahm. Per Tweet am Samstagabend blies der Präsident das Vorhaben ab, wegen "verrückter und irrationaler Feindschaft von Medien und Demokraten". Er wolle nun einen neuen Austragungsort für das Treffen im Juni 2020 suchen.

Trumps Rückzug ist bemerkenswert, schließlich ist der Präsident nicht bekannt dafür, bei Gegenwind zurückzurudern, sondern eher nachzulegen. Auch frühere Kritik an der Verquickung von Politik und geschäftlichem Interesse wischte er oft brüsk beiseite. Der Fall G7 und sein Umgang damit verraten deshalb etwas darüber, wie sehr sich die Lage Trumps zuletzt verändert hat, sodass ihm der Plan gefährlich zu werden drohte.

Eine Front zu viel

Denn die Kritik an seinem G7-Plan, die mit der Verkündung am Donnerstag losbrach, war die dritte Front, an der Trump in der vergangenen Woche unter schwerem Beschuss stand.

Der Präsident erlebt in der Ukraine-Affäre und der dazugehörigen Impeachment-Untersuchung erhöhten Druck, seit mehrere Diplomaten ihre Vorwürfe gegen Trump zu Protokoll gaben. In seiner eigenen Partei gibt es zudem einen Aufruhr gegen die Syrien-Politik, die nach Auffassung vieler Republikaner einen Verrat an den kurdischen Verbündeten darstellt und eine ethnische Säuberung der Kurdengebiete in Syrien zur Folge haben könnte.

Zuletzt kritisierte gar Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat und damit eine von Trumps wichtigsten Stützen, den Abzug der US-Soldaten als "schwerwiegenden strategischen Fehler". Trump braucht die Unterstützung von McConnell und seiner Senatoren, damit das Impeachment-Verfahren nicht zu seiner Entfernung aus dem Amt führt.

"Das war ein unforced error"

Das Problem: In der Krise rund um die Ukraine und Syrien wird Trump vorgeworfen, den Staatsapparat zur Verfolgung persönlicher Interessen zu instrumentalisieren, sowie den Ruf und die Verlässlichkeit der USA als internationaler Bündnispartner zu gefährden. Für diese Vorwürfe bot der Plan, die Staats- und Regierungschefs im "Trump National Doral" zu versammeln, neue Argumente.

"Das war ein unforced error", also ein unerzwungener Fehler, sagte Chris Christie, ein Trump-Vertrauter und früherer Gouverneur von New Jersey am Sonntag zum G7-Plan. Trump dürfe in seiner jetzigen Lage nicht provozieren, sondern müsse Freundschaften schließen, habe er dem Präsidenten geraten.

Es war also für den Rückhalt in der eigenen Partei wichtig, dass Trump sich bei dieser Frage korrigiert.

Neues Futter fürs Impeachment

Zum anderen bot der G7-Plan den Demokraten weiteres Futter für ihr Vorhaben, Trump im Rahmen einer Amtsenthebung anzuklagen.

Die Untersuchung im Repräsentantenhaus konzentriert sich derzeit zwar auf die Vorwürfe, Trump habe die ukrainische Regierung genötigt, Ermittlungen gegen die US-Demokraten vorzunehmen. Doch sie kann auch weitere Anklagepunkte gegen den Präsidenten beschließen.

Schon seit Langem spielen dabei Trumps mögliche Verstöße gegen die "Emoluments Clause" der US-Verfassung eine zentrale Rolle. Das Statut verbietet es Präsidenten, Zuwendungen ausländischer Regierungen anzunehmen. Für viele Demokraten verstößt Trump ohnehin schon gegen die Klausel, wenn etwa ausländische Staatsgäste in seinem Washingtoner Hotel absteigen. Zu diesem Punkt wird auch vor Gericht gestritten. Doch der Fall eines G7-Gipfels in Miami wäre nach Ansicht vieler Beobachter eine glasklare Verletzung der Verfassung.

Schließlich besitzt Trump entgegen seiner Ankündigungen sein Firmenkonstrukt, er hat lediglich die operative Führung an seine Söhne abgegeben. Und so würden die Einnahmen und Marketingeffekte, die ein G7-Gipfel auf seiner wirtschaftlich nicht mehr so erfolgreichen Anlage in Miami hätte, direkt auf das Konto seiner Unternehmen fließen. "Das G7-Ding ist eine Eskalation", twitterte etwa Walter Shaub, der frühere Direktor des Ethikbüros der US-Regierung.

Stabschef Mick Mulvaney hatte bei der Ankündigung zum Gipfel gesagt, Trump selbst habe den Vorschlag gemacht, das Treffen in seinem Hotel "Doral" abzuhalten. Mulvaney befeuerte wiederum den Angriffspunkt noch weiter, als er am Sonntag bei "Fox News" sagte, Trump sehe sich eben weiterhin als Hotelunternehmer.
 

 
Mit einem G7-Gipfel in seinem Hotel hätte Trump den Demokraten inmitten der Impeachment-Krise also einen weiteren Anklagepunkt auf dem Silbertablett serviert. Das dürften ihm seine Berater klargemacht und ihn so zu einem ganz seltenen Rückzieher animiert haben.

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