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Warum sollte man ihm jetzt glauben?

  • Johannes Bebermeier
Von Johannes Bebermeier

02.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump und seine Maske: Sagt der US-PrÀsident zu seiner Infektion wirklich die Wahrheit?
Donald Trump und seine Maske: Sagt der US-PrÀsident zu seiner Infektion wirklich die Wahrheit? (Quelle: Julio Cortez/ap-bilder)
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Er ist berĂŒchtigt fĂŒr seine LĂŒgen. Nun sagt Donald Trump, er sei mit dem Coronavirus infiziert. Stimmt das jetzt ausnahmsweise mal – oder kann es nicht auch eine weitere seiner LĂŒgen sein?

Donald Trump ist der grĂ¶ĂŸte Verbreiter von "Fake News" ĂŒber das Coronavirus. Das hat gerade eine Studie der Cornell University herausgefunden, die 38 Millionen Artikel ĂŒber die Pandemie im englischsprachigen Raum ausgewertet hat. 38 Prozent der Falschinformationen waren demnach vom US-PrĂ€sidenten getrieben.


Diese Spitzenpolitiker hatten das Coronavirus

Emmanuel Macron: Frankreichs PrÀsident hatte Symptome, wie Husten und Fieber.
Jair Bolsonaro: Der brasilianische Regierungschef verharmlost das Virus immer noch. Am 7. Juli 2020 war bekannt geworden, dass der 65-JĂ€hrige an Covid-19 erkrankt war.
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Wirklich ĂŒberraschend ist das nicht, Trump ist berĂŒchtigt fĂŒr sein zweifelhaftes VerhĂ€ltnis zur Wahrheit. Nicht nur beim Coronavirus. Doch gerade dessen Gefahr spielte er lange Zeit herunter. Wissentlich, wie die EnthĂŒllungen des renommierten US-Journalisten Bob Woodward gezeigt haben.

Warum also sollte man ihm jetzt glauben, wenn er sagt, dass er sich mit Corona infiziert hat?

Es ist wichtig, jede Aussage des US-PrĂ€sidenten zu hinterfragen. Wichtiger als ohnehin in der Politik. Aber wenn man etwas relativ sicher sagen kann ĂŒber Trump und die Wahrheit, dann das: Im Zweifel sagt er Dinge, von denen er glaubt, dass sie ihm nĂŒtzen. Was also hĂ€tte er durch eine Corona-LĂŒge zu gewinnen, was zu verlieren?

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Was fĂŒr eine LĂŒge spricht:

Die TV-Duelle: Die erste Debatte zwischen Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden war ein wildes Durcheinander – provoziert vom US-PrĂ€sidenten. Selbst Trump-UnterstĂŒtzer sagten anschließend, dass der PrĂ€sident an einigen Stellen ĂŒbertrieben habe. Umfragen zeigten nachher, dass Trump auch beim Publikum mit seinen heftigen Attacken und ewigem Dazwischenreden nicht punkten konnte. Sie sahen Biden vorne. Eigentlich sollte es noch zwei weitere TV-Duelle geben, am 15. und 22. Oktober. Sie könnten nun ausfallen. Trump könnte eine Erkrankung herbeigelogen haben, um sich vor ihnen zu drĂŒcken. Und so auf der grĂ¶ĂŸten BĂŒhne im Wahlkampf nicht noch einmal als Verlierer dazustehen.

Die Comeback-Story: Donald Trump, der PrĂ€sident, dem nicht einmal das Coronavirus etwas anhaben kann: Es wĂ€re eine Story nach Trumps Geschmack. Trump könnte fĂ€lschlich behauptet haben, infiziert zu sein, um sich als asymptomatisch und eigentlich-trotzdem-gesund zu prĂ€sentieren. Es wĂŒrde gut in seine ErzĂ€hlung passen, dass das Virus ja gar nicht so schlimm sei. Und er könnte hoffen, als "Corona-Bezwinger" seine Chancen auf die Wiederwahl zu steigern.

Die Exit-Strategie: Die Umfragen sprechen seit Wochen gegen ihn. Biden liegt nicht nur insgesamt, sondern auch in wichtigen Swing States konstant vor dem PrĂ€sidenten. Trump könnte die Nerven und die Hoffnung verloren haben, seinen RĂŒckstand bis zum Wahltag in einem Monat noch herumzureißen. Seine Corona-Infektion könnte ihm als Ausrede gelegen kommen. Entweder, um eine Niederlage allein seiner Infektion und damit höherer Macht anzulasten. Oder sogar, um selbst noch aus dem Rennen auszusteigen.

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Was gegen eine LĂŒge spricht:

Die Diagnose: Es sind nicht nur Donald Trump und seine Frau Melania selbst, die behaupten, infiziert zu sein. Der Arzt des Weißen Hauses, Sean Conley, hat die Diagnose in einem Brief bestĂ€tigt. Er mĂŒsste bei einer solch gewaltigen LĂŒge wie einer Fake-Infektion also mitspielen.

Der starke Mann: Politiker zeigen ungern körperliche SchwĂ€che, weil sie schnell zu politischer SchwĂ€che werden kann. Das gilt fĂŒr Donald Trump ganz besonders. Trump ist ein Egozentriker, er zelebriert Macht und MĂ€nnlichkeit. Eine Krankheit passt nicht in sein Selbstbild. Es ist deshalb kein Zufall, dass er seine Gesundheit in der Vergangenheit eher schöner zeichnete, als sie wirklich war.

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Die Wirtschaft: "It's the economy, stupid!", sagte Bill Clintons Stratege im Jahr 1992 – die Wirtschaft entscheidet wesentlich darĂŒber, wie die PrĂ€sidentschaftswahl ausgeht. Das war bisher schon etwas, das gegen Trumps Erfolg am 3. November sprach – auch wegen der Corona-Krise. Nun stĂŒrzen die Börsen allein durch die Nachricht seiner Infektion ab. Konzerne, GeschĂ€fte, CafĂ©s dĂŒrften ihre Hygienekonzepte erneut hinterfragen. Im Zweifel auf Kosten von Umsatz und Gewinn.

Die Kampagne: Donald Trumps Wahlkampagne lebt von seinen Auftritten vor Publikum. Er ist dann ein guter WahlkĂ€mpfer, wenn er den Entertainer geben kann. Trump hat deshalb zuletzt viele solcher Auftritte absolviert, obwohl die Corona-Krise es auch fĂŒr ihn komplizierter und heikler gemacht hat. Seine Infektion so kurz vor der Wahl fĂŒhrt nun unweigerlich dazu, dass nun Auftritte abgesagt werden mĂŒssen – und er seine StĂ€rke nicht mehr ausspielen kann.

Das ungeliebte Thema: Die Corona-Krise ist ein Thema, das Trump eigentlich kleinhalten will im Wahlkampf. Die Mehrheit der Amerikaner findet, dass er die Krise nicht gut managt. Wird ĂŒber Corona geredet, steht Trump schlecht da. Deshalb hat er immer wieder versucht, die Rassismus- und Polizeigewalt-Debatte in eine Debatte ĂŒber marodierende Linksextreme in den StĂ€dten umzudeuten. Mit Law & Order hoffte er zu punkten, was ihm tendenziell gelingt, weil simple HĂ€rte einfacher zu vermitteln ist als die differenzierte Position Bidens. Mit einem infizierten PrĂ€sidenten dĂŒrfte nun ĂŒber wenig anderes gesprochen werden als: Corona.

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