Laut Regierungsdokumenten

Corona-Ausbruch im Weißen Haus offenbar größer als gedacht

09.10.2020, 11:30 Uhr | dpa

Mitarbeiter des Weißen Hauses (Symbolbild): Mehre Mitarbeiter und Angehörige sollen sich mit dem Corona-Virus infiziert haben. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania hatten sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Nach einem Bericht eines US-TV-Senders sollen mindestens 34 Mitarbeiter im Weißen Haus erkrankt sein. 

Der Corona-Ausbruch im Weißen Haus hat einem Medienbericht zufolge größere Ausmaße angenommen als bislang bekannt. Der Sender ABC News berichtete am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf ein internes Dokument der Katastrophenschutzbehörde (Fema), dass sich 34 Mitarbeiter sowie andere Kontakte in den vergangenen Tagen mit dem Virus infiziert haben. Ob die gelisteten Fälle auch US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania umfassen, ging aus dem Bericht nicht hervor.

Auch US-Kommandeur mit dem Coronavirus infiziert

Nach Bekanntwerden der Infektion von Trump am Freitag ist die Liste mit infizierten Vertrauten des Präsidenten immer länger geworden. Die Sprecherin des Weißen Hauses ist betroffen, genauso wie die engen Berater Trumps Hope Hicks und Stephen Miller. Das Weiße Haus hält sich unter Verweis auf Persönlichkeitsrechte äußerst bedeckt bei Angaben zum Umfang des Ausbruchs.

"Habt keine Angst" – wie Trump Corona weiter verharmlost

5. Oktober: "Gehen Sie raus, seien Sie vorsichtig", sagt Trump, nachdem er das Krankenhaus verlassen hat. Demonstrativ legt er vor dem Weißen Haus seine Schutzmaske ab. Der Präsident fordert die US-Bürger auf, sich nicht vor dem Coronavirus zu fürchten. Die USA hätten "die besten Medikamente der Welt". Auch einen Impfstoff werde es bald geben. (Quelle: Erin Scott/Reuters)

5. Oktober: Trump gibt auf Twitter seine anstehende Entlassung aus dem Krankenhaus bekannt: "Ich fühle mich richtig gut! Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht. (...) Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren!" (Quelle: Tia Dufour/The White House/Reuters)

2. Oktober: Trump gibt in einem nächtlichen Tweet seine Corona-Infektion bekannt: "Die First Lady und ich wurden positiv auf Covid-19 getestet. Wir werden unseren Quarantäne- und Genesungsprozess unverzüglich beginnen. Wir kommen gemeinsam da durch!" Am Abend wird er ein Militärkrankenhaus zur Behandlung gebracht. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

29. September: Im TV-Duell mit seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden mokiert sich Trump über die Schutzmaske seines Rivalen: "Jedes Mal, wenn man ihn sieht, hat er eine Maske. Er könnte mit 200 Fuß (rund 60 Meter) Abstand sprechen, und er kommt mit der größten Maske, die ich jemals gesehen habe." (Quelle: Brian Snyder/Reuters)

9. September: Auszüge aus einem Enthüllungsbuch des Star-Journalisten Bob Woodward belegen, dass Trump die Öffentlichkeit bewusst über die Gefahren durch Corona in die Irre führte. "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es immer noch gerne herunter, weil ich keine Panik schaffen will", sagte Trump in einem Interview Mitte März. (Quelle: Leah Millis/Reuters)

21. Juni: Bei einem umstrittenen ersten Wahlkampfauftritt vor tausenden Anhängern in der Stadt Tulsa nach mehr als dreimonatiger Coronapause spricht sich Trump für weniger Corona-Tests aus: "Tests sind ein zweischneidiges Schwert. (...) Wenn man so viel testet, findet man mehr Leute, mehr Fälle. Deswegen habe ich meinen Leuten gesagt: 'testet bitte langsamer!'" (Quelle: Leah Millis/Reuters)

23. April: Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus: "Und dann sehe ich Desinfektionsmittel, dass es (das Virus) in einer Minute ausknockt. In einer Minute. Und gibt es einen Weg, so etwas zu machen, durch eine Injektion ins Innere oder fast wie eine Säuberung. Denn es gelangt in die Lunge und macht eine unglaubliche Zahl (unklar) auf die Lungen. Es wäre interessant, das zu prüfen." (Quelle: Joshua Roberts/Reuters)

17. April: "Befreit Minnesota!", "Befreit Michigan!" "Befreit Virginia": Trump ruft auf Twitter zu Protesten gegen die Ausgangsbeschränkungen in einigen US-Bundesstaaten auf. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

29. März: Im Rosengarten des Weißen Hauses: "Jetzt ist von 2,2 Millionen Toten die Rede (...). Wenn es (letztlich) zwischen 100.000 und 200.000 sind, haben wir alle zusammen einen sehr guten Job gemacht." Die Marke von 200.000 Corona-Toten in den USA wird am 22. September überschritten. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

21. März: Trump preist auf Twitter einen Medikamentenmix aus dem Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und dem Antibiotikum Azythromicin als Corona-Mittel an: "Hydroxychloroquin und Azythromicin zusammen könnten eine der bahnbrechendsten Entwicklungen der Medizingeschichte werden." Im April raten die US-Behörden wegen Gesundheitsrisiken vom Einsatz des Medikamentencocktails ab. (Quelle: Tom Brenner/Reuters)

20. März: Auf die Frage eines Journalisten, welche Botschaft er angesichts wachsender Todeszahlen an besorgte US-Bürger habe: "Ich sage, dass Sie ein furchtbarer Reporter sind." (Quelle: Tom Brenner/Reuters)

16. März: Auf eine Journalisten-Frage, wie viele Punkte er sich selbst auf einer Skala von eins bis zehn für sein Krisenmanagement geben würde: "Ich würde zehn Punkte geben, weil wir einen großartigen Job gemacht haben." (Quelle: Tom Brenner/Reuters)

22. Januar: Auf die Frage eines Journalisten nach dem ersten bestätigten Fall in den USA, ob er Sorgen angesichts einer möglichen Pandemie habe, sagt Trump: "Nein, überhaupt nicht. Wir haben es vollkommen unter Kontrolle. Es ist eine Person, die aus China gekommen ist." (Quelle: Joshua Roberts/Reuters)

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Unterdessen teilten die US-Marines mit, dass der stellvertretende Kommandeur, General Gary Thomas, positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Thomas habe sich am Dienstag als Vorsichtsmaßnahme in häusliche Quarantäne begeben, nachdem sich ein enger Kontakt infiziert hatte.

Auch weitere ranghohe Generäle, darunter Generalstabschef Mark Milley, arbeiten derzeit von zu Hause, weil sie während einer Besprechung dem Coronavirus ausgesetzt gewesen sein könnten. Zuvor war der Vizechef der Küstenwache, Admiral Charles Ray, positiv getestet worden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa