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Kann man den Umfragen dieses Mal trauen?

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 20.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump beim Wahlkampf in Arizona: Der Pr├Ąsident hofft auf den 2016-Effekt.
Donald Trump beim Wahlkampf in Arizona: Der Pr├Ąsident hofft auf den 2016-Effekt. (Quelle: Carlos Barria/Reuters-bilder)
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Donald Trump liegt im Rennen ums Wei├če Haus hinten. Kann er wie vor vier Jahren die Umfragen und Prognosen widerlegen? Tats├Ąchlich ist 2020 vieles anders als 2016.

Glaubt man den Umfragen, ist die Sache ziemlich klar: Donald Trump liegt deutlich hinten. Joe Biden f├╝hrt sowohl in den bundesweiten Erhebungen als auch in den meisten der wahlentscheidenden Bundesstaaten. Vieles deutet darauf hin, dass die Amerikaner Trump Anfang November abw├Ąhlen.


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Donald Trumps Amtszeit begann am 20. Januar 2017. Zwar hatte er die Mehrheit der Wahlm├Ąnner f├╝r sich gewonnen, nicht aber die amerikanische Bev├Âlkerung. 25,5 Prozent, und damit nur jeder vierte Wahlberechtigte, unterst├╝tzten Trump. 25,6 Prozent w├Ąhlten Hillary Clinton. Nur 53,1 Prozent der Bev├Âlkerung gaben ihre Stimme ├╝berhaupt ab.
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Doch kann man den Umfragen ├╝berhaupt glauben? Die Erinnerung an 2016 ist frisch, gar schmerzhaft frisch bei jenen B├╝rgern in Amerika, die Trump ablehnen. Damals lag n├Ąmlich Hillary Clinton in den Umfragen und Prognosen zum Wahlausgang auch klar vorn. Mancher Wert Bidens ist ganz ├Ąhnlich zu jenen Zahlen, bei denen Clinton vor vier Jahren stand.

Damals wie heute beziffern Statistik-Experten die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges von Trump auf nur rund zehn Prozent. Doch das Ende ist bekannt: Vor vier Jahren gab es einen ├ťberraschungssieg Trumps.

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Wiederholt sich die Geschichte?

Wiederholt sich jetzt die Geschichte etwa? Die Nervosit├Ąt dar├╝ber, inwieweit den Zahlen zu trauen ist, ist im amerikanischen Wahlkampf zu greifen. Viele W├Ąhler sehen den Vorsprung Bidens in den Umfragen oder beim Eintreiben der so wichtigen Wahlkampfspenden mit gro├čer Vorsicht.

Dass es so kommt, ist Trumps beste verbliebene Hoffnung. Er selbst macht bisweilen Wahlkampf, als w├Ąre noch 2016: Kaum ein Tag, an dem er nicht gegen seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton wettert.

Dabei ist 2020 tats├Ąchlich vieles anders als 2016 ÔÇô und der Vergleich zur Lage vor vier Jahren hinkt m├Ąchtig. Das sind die bedeutsamsten Unterschiede:

1.) Die Umfragen sind verl├Ąsslicher

Die Umfragen sind weiterhin nur Momentaufnahmen der politischen Stimmung. Doch laut den Angaben der Meinungsforscher verl├Ąsslicher als vor vier Jahren. Damals hatten viele Institute bei ihren Befragungen in einzelnen umk├Ąmpften Bundesstaaten eine W├Ąhlergruppe untersch├Ątzt: den wei├čen W├Ąhler ohne Hochschulabschluss. Diese stimmten in Scharen f├╝r Trump ab. Ihr Anteil in den Stichproben wird nun hochgerechnet, um dem tats├Ąchlichen Wahlverhalten unter Trump besser Rechnung zu tragen. Au├čerdem werden mehr Umfragen in wichtigen Staaten wie Pennsylvania oder Wisconsin durchgef├╝hrt.

Und noch etwas f├Ąllt auf: Bidens Vorsprung in der politischen Stimmung wirkt wie zementiert, w├Ąhrend Clintons Vorsprung im Laufe des Sommers und Herbstes vor vier Jahren stark geschwankt hat. Die Stimmung ist stabiler als vor vier Jahren und sie wird besser abgebildet.

2.) Joe Biden ist nicht Hillary Clinton

Was im ersten Moment banal klingen mag, hat gro├če Auswirkungen. Der Zweikampf Trump-Clinton war das Duell zweier unbeliebter Kandidaten. Die Clintons waren seit Anfang der Neunziger bei den Republikanern verhasst ÔÇô und Trump gelang es, Hillary als korrupt darzustellen und ihre Werte in den Keller zu ziehen. Das hat bei Biden nicht funktioniert. Der 77-J├Ąhrige ist deutlich beliebter als Clinton, gilt als weniger umstritten und als vertrauensw├╝rdiger. Auch wenn Trump mit allen Mitteln bem├╝ht ist, ihn als korrupt darzustellen ÔÇô zuletzt mit einer mit zahlreichen Zweifeln behafteten Geschichte ├╝ber dessen Sohn Hunter ÔÇô zeigt das bislang kaum Erfolg: Bidens Werte bleiben stabil.

Auch liegt der Demokrat bei so wichtigen W├Ąhlergruppen wie den Parteilosen und den Rentnern vorn, die 2016 noch mehrheitlich Trump gew├Ąhlt haben.

3.) Trump 2020 ist nicht Trump 2016

Vor vier Jahren galt Trump als die unverbrauchte Alternative, als jemand, dem man eine Chance geben k├Ânnte. Das tat dann tats├Ąchlich auch eine Mehrzahl jener W├Ąhler, die erst kurzfristig ihre Wahlentscheidung trafen. 13 Prozent entschieden sich laut Umfragen erst kurz vor der Wahl. Nach knapp vier Jahren im Wei├čen Haus sind die Meinungen allerdings l├Ąngst gefestigt. Viel spricht daf├╝r, dass die Wahl vor allem ein Referendum ├╝ber den Pr├Ąsidenten und dessen Amtsf├╝hrung wird.

Dementsprechend klein ist die Gruppe der noch unentschlossenen W├Ąhler, je nach Umfrage sind es zwischen zwei und acht Prozent. Zudem haben Dutzende Millionen Amerikaner im Rahmen desearly voting ihre Stimme bereits abgegeben. Der Raum f├╝r Aufholman├Âver ist deutlicher enger.

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Das sind die drei wichtigsten Unterschiede zum Jahr 2016. Dennoch ist der Ausgang der Wahl in diesem November alles andere als vorhersehbar. Ob die Umfragen so gut sind wie allgemein behauptet, wird sich erst am Wahlabend zeigen. Die Corona-Pandemie hat einen noch unbestimmbaren Effekt auf den Ausgang der Wahl. Die Demokraten haben ÔÇô anders als die Republikaner ÔÇô etwa auf den klassischen Haust├╝rwahlkampf verzichtet.

Interessieren Sie sich f├╝r die US-Wahl? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ├╝ber den Wahlkampf, seine Arbeit im Wei├čen Haus und seine Eindr├╝cke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier k├Ânnen Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

So viele Amerikaner wie noch nie haben ihre Stimme im Vorfeld in Wahllokalen oder per Briefwahl abgegeben. Die Demokraten haben ihre Anh├Ąnger zur Briefwahl aufgerufen. Es gibt gro├če Fragezeichen, wie gut dabei die Mobilisierung tats├Ąchlich funktioniert, wie hoch die Wahlbeteiligung ausfallen wird und wie viele der Stimmen tats├Ąchlich gez├Ąhlt werden.

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Es mehren sich Berichte, wonach zahlreiche per Brief abgegebene Stimmen in umk├Ąmpften Bundesstaaten nicht die formellen Richtlinien erf├╝llt haben. Au├čerdem toben bereits Gerichtsverfahren dar├╝ber, wie lange sich die Ausz├Ąhlung der Briefwahlstimmen in den jeweiligen Bundesstaaten in die L├Ąnge ziehen darf. Das Rennen im Jahr 2020 zeichnet sich also durch ganz eigene unvorhersehbare Faktoren aus.

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Von Bastian Brauns, Houston
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