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Donald Trump bricht TV-Interview ab: "Furchtbarer Eingriff" in die Wahl

Kritische Nachfragen  

Trump bricht TV-Interview ab: "Furchtbarer Eingriff" in die Wahl

21.10.2020, 12:20 Uhr | dpa

US-Wahl: Trump spricht über abgebrochenes TV-Interview

US-Präsident Donald Trump hat offenbar ein Interview mit dem Sender CBS vorzeitig abgebrochen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sprach er darüber. (Quelle: t-online)

"Das wird euch gefallen": Hier spricht Donald Trump über das abgebrochene TV-Interview mit dem Sender CBS. (Quelle: t-online)


Auf kritische Nachfragen von Journalisten reagiert US-Präsident Trump oft gereizt. Für ihn sind diese "Fake News". Jetzt scheint er mit einer renommierten TV-Journalistin aneinandergeraten zu sein.

US-Präsident Donald Trump hat ein TV-Interview laut dem Sender CBS vorzeitig abgebrochen. Trump beschwerte sich anschließend über Twitter, das Interview mit der renommierten TV-Journalistin Lesley Stahl sei "fake" und "parteiisch" und er erwäge deshalb, es noch vor der geplanten Ausstrahlung am kommenden Sonntag zu veröffentlichen. Jeder solle diesen "furchtbaren Eingriff" in die Wahl am 3. November mit Interviews vergleichen können, die mit seinem Herausforderer Joe Biden geführt worden seien.

Der Sender CNN schrieb unter Berufung auf zwei Quellen, Trump habe 45 Minuten lang mit Stahl zusammengesessen und das Interview plötzlich beendet. Als Grund habe er angegeben, dass sie genug Material für die Sendung habe. Trumps Wahlkampfmanager Jason Miller bestritt einen Abbruch und sprach von "Fake News". "Kein Drama, das Interview hat nicht abrupt geendet", zitierte CBS Miller.

Interview als Sonderausgabe geplant

In weniger als zwei Wochen, am 3. November, wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Die Sendung "60 Minutes" gehört zu den erfolgreichsten Formaten im US-Fernsehen. Das Interview soll Teil einer "60-Minutes"-Sonderausgabe über den Republikaner Trump und seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden an diesem Sonntag sein. Die 78 Jahre alte TV-Journalistin Stahl arbeitet seit 1991 für "60 Minutes". Sie hatte nach Angaben von CBS 2016 das erste TV-Interview mit Trump nach dessen Wahlsieg geführt. 2018 interviewte sie ihn erneut.

Lesley Stahl: Die anerkannte TV-Journalistin hat Trump in einem Interview kritische Fragen gestellt. Dieser brach vorzeitig ab. (Quelle: imago images/ ZUMA Press)Lesley Stahl: Die anerkannte TV-Journalistin hat Trump in einem Interview kritische Fragen gestellt. Dieser brach vorzeitig ab. (Quelle: ZUMA Press/imago images)

Trump versucht, Stahl in schlechtem Licht dastehen zu lassen

Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstagabend in Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania schien Trump CBS zu drohen. "Ihr müsst euch anschauen, was wir mit '60 Minutes' machen. Ihr werdet einen solchen Kick davon bekommen", sagte der Präsident vor jubelnden Anhängern. "Lesley Stahl wird nicht glücklich darüber sein." Die Szene sehen Sie auch oben im Video oder hier.

Bereits zuvor hatte Trump ein kurzes Video auf Twitter veröffentlicht, zu dem er schrieb: "Lesley Stahl von '60 Minutes' ohne Maske im Weißen Haus nach ihrem Interview mit mir. Da kommt noch viel mehr."

Stahl trug laut CBS eine Maske, als sie das Weiße Haus betreten und den Präsidenten begrüßt habe. Sie habe die Maske vor dem Interview abgenommen, als sie genug Abstand gehabt habe. Zu dem von Trump veröffentlichten Clip, auf dem die Journalistin ohne Maske zu sehen ist, gab CBS an, Stahl habe mit Mitarbeitern ihrer Crew gesprochen, alle seien am Dienstag negativ auf das Coronavirus getestet worden.

Trump: Kritische Berichte immer "Fake News"

Trump, der zu Monatsbeginn selbst an Covid-19 erkrankte, trägt fast nie einen Mund-Nasen-Schutz. Zudem hat er wiederholt nachweislich falsche Aussagen über Gesichtsmasken und das Coronavirus verbreitet. Medien, die kritisch über ihn berichten, bezeichnet der US-Präsident als "Volksfeinde" und ihre Berichte als "Fake News". Regelmäßig wirft er US-Medien vor, diese würden Biden nicht annähernd so hart angehen wie ihn. In dem ihm nahe stehenden Sender Fox News darf Trump aber nahezu unwidersprochen seine Sicht auf die Dinge erklären.

Trump hatte in der vergangenen Woche bereits auf wiederholte Nachfragen der TV-Journalistin Savannah Guthrie von NBC sehr gereizt reagiert. US-Medien schrieben danach, Trump sei regelrecht "gegrillt" worden. Guthrie hatte sich mit einigen Antworten von Trump nicht zufrieden gegeben und nachgefragt oder Aussagen von Trump sachlich richtig gestellt.

Trump hatte beispielsweise behauptet, seine Regierung habe zwei Millionen Menschen während der Corona-Pandemie das Leben gerettet. Die angenommene Zahl von zwei Millionen Toten beruht jedoch auf der Annahme, dass die Regierung überhaupt keine Maßnahmen ergriffen und die Bevölkerung sich auch nicht geschützt hätte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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