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Donald Trump: Dem US-Präsidenten bleibt nur noch die Rache

MEINUNGAmerika vor dem Machtwechsel  

Ihm bleibt nur Rache

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

21.12.2020, 11:15 Uhr
Donald Trump: Dem US-Präsidenten bleibt nur noch die Rache. Donald Trump im Weißen Haus: Der US-Präsident versucht in seinen letzten Tagen im Amt alles, um gegen seine Wahlniederlage anzukämpfen. (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)

Donald Trump im Weißen Haus: Der US-Präsident versucht in seinen letzten Tagen im Amt alles, um gegen seine Wahlniederlage anzukämpfen. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Wie lässt sich die Niederlage noch verhindern? Durch Ausrufen des Kriegsrechts, schlägt der begnadigte General Flynn vor und erntet Beifall. So erhält man sich die Gunst Donald Trumps.

Vor Kurzem begnadigte der amerikanische Präsident den General Michael Flynn, der wenige Wochen lang sein Nationaler Sicherheitsberater gewesen war. Loyalität wird belohnt, so hält es die Mafia und so halten es Autokraten vom Naturell Donald Trumps. Flynn war ja nur Lug und Trug nachgewiesen worden, weshalb er einem Deal einwilligte und ins Gefängnis musste, aber er packte nicht aus. Lug und Trug sind kein Maßstab in diesem Weißen Haus.

Aus Dankbarkeit verfiel der begnadigte General auf die formidable Idee, der Präsident möge doch das Kriegsrecht im Land einführen, um zu verhindern, dass Joseph Biden jr. Präsident werden kann. Klar, da doch nun einmal Donald Trump die Wahl haushoch gewann, was eindeutig durch die Tatsache nachweisbar ist, dass Donald Trump höchstselbst dieser unumstößlichen Überzeugung anhängt. Egal, was die Gerichte sagen mögen, vor die seine Unterlinge für ihn gezogen sind, unerschüttert vom Sammeln von Niederlage auf Niederlage.

Wer sich impfen lässt, gilt als Weichei

Was mit einem Führerbunker gemeint ist, lässt sich an der Pennsylvania Avenue 1600 studieren. Hier in seinem Amtssitz verharrt Trump unmaskiert mit seinen Getreuen, die sich nach und nach das Virus einfangen. Wer ihm darin zustimmt, dies sei die korrupteste Wahl in der Geschichte der USA, darf bleiben. Wer Zweifel erkennen lässt, wie der Justizminister William Barr, wird von der Tafelrunde verbannt, egal wie tapfer er das Lied des Herrn jahrelang gesungen hat. Wer sich für den großen Donald bis zur Lächerlichkeit aufreibt wie Rudy Giuliani, darf auf präventive Amnestie hoffen. Und wer sich vor den TV-Kameras impfen lässt, wie Vizepräsident Mike Pence, gilt im Führerbunker als Weichei.

Was ist schon diese Pandemie mit 17,6 Millionen Infizierten und 310.000 Verstorbenen in den USA im Vergleich zur persönlichen Tragödie Donald Trumps, der das Weiße Haus verlassen muss, von dem aus er so stilvoll zum Golfen in seine Resorts fliegen konnte. Die Tragödie besteht darin, dass diesmal alles Leugnen nichts hilft, dass seine Macht nicht hinreicht, um die Fakten zu fälschen. Ihm bleibt nur Destruktion aus Rache und deshalb vergiftet er das Land so sehr er nur kann.

Figuren, für die Verantwortung keine Kategorie ist

Es fällt schwer, die letzten Tage des Donald Trump ohne Sarkasmus zu beobachten. Sarkasmus macht keinen Spaß. Sarkasmus erwächst aus der Irritation über Verantwortungslosigkeit von Figuren, für die Verantwortung keine Kategorie ist, weil für sie nur eines zählt, genauer gesagt nur einer: das IchIchIch.

Niemand außer Trump kann ernsthaft bestreiten, dass die Pandemie eine erschütternde Tragödie ist. Weltweit 1,6 Millionen Menschen sind schon am Virus gestorben, Tendenz in vielen Ländern steigend, auch in Deutschland. Kleine Länder wie Litauen und Schweden sind momentan besonders schlimm betroffen. In England und Südafrika tritt eine verschärfte Mutation von Covid-19 auf. Solche verheerenden Informationen überlagern sogar den Beginn der Impfung in Amerika und Großbritannien und bald auch in Deutschland.

Der Trost fällt schal aus 

Im Rückblick auf das Jahr der Pandemie ragt dieses Phänomen, das Trump ist, bei Weitem heraus. Der Trost, dass er am 20. Januar das Feld räumen muss, fällt schal aus. Joe Biden erbt die Pandemie und das vergiftete Land; darum ist er nicht zu beneiden. Gegen Trump ist selbst Boris Johnson ein halbwegs kurierter Clown, weil er für sein Land die Konsequenzen aus Corona zieht und seine Spielchen auf die Auseinandersetzung mit der Europäischen Union beschränkt, bei der es vermutlich bis zur letzten Minute um einen neuen Handelsvertrag nach dem Brexit gehen wird.

Amerikas neues Jahr beginnt erst am 20. Januar, wenn Joe Biden ohne das übliche Brimborium vereidigt wird. Bescheidenheit ist angemessen, solange die Pandemie wütet. Ein bisschen Hoffnung darf sein, weil Donald Trump, der böswillige Narziss, sich einen anderen Standort für seine vergifteten Tweets suchen muss.

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