• Home
  • Politik
  • Kolumne - Gerhard Spörl
  • Jens Spahn hĂ€tte zum Pandemie-Helden werden können


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Jens Spahn hÀtte zum Pandemie-Helden werden können

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

08.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Gesundheitsminister Jens Spahn: Er hat sich in den letzten Wochen nicht gerade fĂŒr höhere Aufgaben empfohlen.
Gesundheitsminister Jens Spahn: Er hat sich in den letzten Wochen nicht gerade fĂŒr höhere Aufgaben empfohlen. (Quelle: Sean Gallup/getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextFormel 1: Festnahmen nach ProtestaktionSymbolbild fĂŒr einen TextSchĂŒsse in Kopenhagen: KonzertabsageSymbolbild fĂŒr einen TextUS-Polizei erschießt AfroamerikanerSymbolbild fĂŒr einen TextGeorg Kofler bestĂ€tigt seine neue LiebeSymbolbild fĂŒr einen Text"Tatort"-Umfrage: Stimmen Sie jetzt abSymbolbild fĂŒr einen TextKultregisseur mit 59 Vater gewordenSymbolbild fĂŒr einen TextWeiteres Opfer bei Haiangriff in ÄgyptenSymbolbild fĂŒr einen TextTheater-Star Peter Brook ist totSymbolbild fĂŒr einen TextTödlicher Badeunfall in KölnSymbolbild fĂŒr einen TextFiona Erdmann bringt Baby in NotaufnahmeSymbolbild fĂŒr einen TextNachbarin findet Blutspritzer an HaustĂŒrSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserCathy Hummels: Neue Liebes-SpekulationSymbolbild fĂŒr einen TextDeutschland per Zug erkunden - jetzt spielen

Deutschland hinkt beim Impfen weiter hinterher. Vor allem Gesundheitsminister Spahn fĂ€llt durch schlechtes Timing und Überehrgeiz auf. FĂŒr höhere Aufgaben hat er sich nicht gerade empfohlen.

Stellen Sie sich Folgendes vor: Innerhalb von 300 Tagen hat das Coronavirus sechs Millionen Menschen infiziert. Ursprung der Pandemie ist ein Wildmarkt in SĂŒdostasien. Eine Messestadt in Norddeutschland und eine UniversitĂ€tsstadt in SĂŒddeutschland sorgen fĂŒr eine Verbreitung hierzulande. Bald sind die KrankenhĂ€user vollstĂ€ndig ĂŒberlastet, denn das Virus trifft alle gleichmĂ€ĂŸig, Junge wie Alte. Die Sterberate liegt bei zehn Prozent. Nach drei Jahren sind mindestens siebeneinhalb Millionen Menschen gestorben. Erst dann haben Wissenschaftler einen Impfstoff gefunden.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Was das ist? Eine Fiktion, eine Modellrechnung, aber auch eine hellsichtige Vorwegnahme der realen Pandemie, mit der wir uns noch lĂ€nger herumschlagen werden. Die Zahlen der Infizierten und Toten entstammen einer Risikoanalyse, die das Innenministerium im Jahr 2013 in Auftrag gab. Das Robert Koch-Institut fĂŒhrte sie durch. Nichts davon ist geheim. Alles ist nachzulesen in der Drucksache 17/12051 des Deutschen Bundestages.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Wir nehmen eure HauptstÀdte ins Visier"
Alexander Lukaschenko schaut in die Kamera (Archivbild): Der PrÀsident vom Belarus hat jetzt dem Westen gedroht.


Die Wirklichkeit blieb hinter der Fantasie zurĂŒck

Verglichen mit dieser Fiktion sind wir in unserer Wirklichkeit glimpflich davongekommen. Nicht drei Jahre lang mussten wir auf einen Impfstoff warten, sondern nur ein Jahr lang. Nach heutigem Stand wurden zweieinhalb Millionen Menschen infiziert, rund 72.000 Menschen starben bislang an oder mit dem Coronavirus.

Interessant ist, dass die Wirklichkeit hinter der Fantasie der Risikoanalytiker zurĂŒckblieb, normalerweise ist es umgekehrt. Noch interessanter ist allerdings, dass alles, was wir erleben, schon mal sehr grĂŒndlich durchdacht worden war, als der Corona-Virus wirklich in Deutschland ankam. Was die Pandemie bedeutet, war nur fĂŒr uns BĂŒrger neu und unbekannt, denn wir wussten ja nichts von dem Planspiel, das der Innenminister (er hieß Hans-Peter Friedrich und gehörte der CSU an) in Auftrag gegeben hatte.

Wie ernst nehmen die Verantwortlichen die Planspiele?

BĂŒrokratien fĂŒhren solche Planspiele regelmĂ€ĂŸig durch: sei es fĂŒr den Fall eines Hochwassers, das StĂ€dte bedroht oder sei es durch Pandemien, die ein ganzes Land auf den Kopf stellen. Die Frage ist nur: Nehmen die Auftraggeber die Analysen ernst? Treffen sie Vorkehrungen?

Zu den EigentĂŒmlichkeiten dieser Pandemie zĂ€hlt, dass die Bundesregierung und die MinisterprĂ€sidenten mehr als ein halbes Jahr lang ziemlich viel ziemlich richtig machten. Vielleicht diente ihnen ja die Risikoanalyse als Handbuch. Darin wird aufgezĂ€hlt, was zu tun ist, von der Schulschließung bis zum Verbot von Menschenansammlungen. In dieser Phase vertraute die große Mehrheit der Deutschen vor allem der Kanzlerin, die sachlich und nĂŒchtern fĂŒr die FreiheitsbeschrĂ€nkungen warb.


Der Wendepunkt trat ausgerechnet da ein, als Biontech den Impfstoff in Rekordzeit entwickelte und sich herausstellte, dass die europĂ€ische BĂŒrokratie mit ihren Bestellungen zu langsam gewesen war. Dann tanzten auch noch Hersteller wie Astrazeneca der Bundesregierung auf der Nase herum. Seither klappt nichts mehr. Der Gesundheitsminister kĂŒndigt etwas an, das die Kanzlerin morgen zurĂŒcknimmt, und im großen Inzidenzen-Palaver der MinisterprĂ€sidenten geht das höchste Gut verloren: das Vertrauen in die Regierenden.

Das Impfen und die Entdeckung der Langsamkeit

Vielleicht liegt der Umschwung darin, dass in der Risikoanalyse nichts davon steht, wie es weitergehen sollte, wenn endlich ein Impfstoff gefunden ist. NatĂŒrlich steht auch nichts von Schnelltests oder Selbsttests drin, kann es auch gar nicht. Und so kommt es, dass im Schneckentempo geimpft wird und jetzt ausgerechnet Aldi Selbsttests anbietet, wĂ€hrend Apotheker und Ärzte nicht wissen, wann sie genĂŒgend davon auf Lager haben werden.

Andere LÀnder sind beneidenswert schneller. Amerika will bis Ende Mai mit dem Impfen durch sein. Amerika! Weit mehr als 200 Millionen Menschen sind dann geimpft. Sie impfen jetzt sogar schon Menschenaffen, die das Virus auch verbreiten können. Ausgerechnet Donald Trump hatte riesige Mengen an Impfstoff vorbestellt und davon profitiert jetzt ironischerweise sein Nachfolger Joe Biden.

Es war schon richtig, dass Deutschland fĂŒr eine europĂ€ische Lösung eintrat. Die politischen Folgen eines Alleingangs wĂ€ren verhĂ€ngnisvoll gewesen. Aber dieser Umstand rechtfertigt nicht das Vorgehen der europĂ€ischen BĂŒrokratie und auch nicht die Entdeckung der Langsamkeit in Deutschland.

FĂŒr höhere Aufgaben hat sich Spahn nicht gerade empfohlen

Wer ist schuld an der deutschen Misere? VerstĂ€ndlich, dass sich alle Augen auf Jens Spahn richten. Der "Spiegel" fordert seinen RĂŒcktritt, na klar, am liebsten auch noch den der Kanzlerin. Nichts davon wird eintreten. Sagen wir es so: FĂŒr höhere Aufgaben hat sich der Gesundheitsminister nicht gerade empfohlen. Zu viele Versprechungen und zu wenige Taten. Zu viel Kreisen ums Ich und zu wenig Orientierung an der Sache. Angenommen, Armin Laschet wird Kanzler (was ich fĂŒr wahrscheinlich halte): Dann hĂ€tte Jens Spahn zuerst Fraktionschef und spĂ€ter dessen Nachfolger werden können. Beides vermiest er sich gerade.

Spahn hĂ€tte der Held der Pandemie werden können, hĂ€tte er nur sein Ministerium auf Effizienz getrimmt. Aber offenbar gehört er zu den Politikern, die immer etwas werden wollen, was sie nicht sind, und sich nicht auf das konzentrieren, was sie sind. Und nicht zufĂ€llig, machen sie ihm jetzt das SĂŒndenregister auf: das Posieren mit seinem Mann und dem US-Botschafter und dessen Mann; der Kauf einer Millionenvilla zur falschen Zeit; die seltsame Intervention bei der Wahl des CDU-Chefs. Schlechtes Timing und Blackouts durch Überehrgeiz.

Man stelle sich vor, Spahn und ein paar andere in Berlin oder BrĂŒssel hĂ€tten Konsequenzen aus dem Planspiel von 2013 gezogen und genĂŒgende Mengen an Impfstoff bestellt und ĂŒberhaupt die jeweils nĂ€chste Phase der Pandemie geplant: Wo wĂ€ren wir dann heute?

Hier finden Sie mehr Kolumnen von Gerhard Spörl.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
BundesregierungBundestagCSUCoronavirusDeutschlandImpfstoffJens Spahn
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website