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USA: Andrew Cuomo zeigt Fotos von Angela Merkel gegen Belästigungsvorwürfe

New Yorker Gouverneur  

Cuomo verteidigt sich mit Merkel-Fotos gegen Belästigungsvorwürfe

Von Annika Leister

04.08.2021, 12:48 Uhr
USA: Andrew Cuomo zeigt Fotos von Angela Merkel gegen Belästigungsvorwürfe. Andrew Cuomo: Der Demokrat ist seit 2011 Gouverneur des Bundesstaats New York.  (Quelle: AP/dpa/Office of the NY Governor)

Andrew Cuomo: Der Demokrat ist seit 2011 Gouverneur des Bundesstaats New York. (Quelle: Office of the NY Governor/AP/dpa)

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo soll mehrere Frauen sexuell belästigt haben. Die Vorwürfe wiegen schwer. Cuomo verteidigt sich mit Kussfotos von anderen Politikern – auch von Kanzlerin Angela Merkel. 

Küsse auf den Mund, Griffe an Po und Brust, ungewollte Umarmungen: Auf 168 Seiten schildert der Bericht von Generalstaatsanwältin Letitia James, wie New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo mehrere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll. Cuomo selbst hatte immer wieder darum gebeten, die Ergebnisse eben dieser Untersuchung abzuwarten. Jetzt, wo das Urteil für ihn verheerend ausfällt, wehrt er sich mit einem 85-seitigen Papier aus der Feder seiner Anwälte. Es beinhaltet zur Entlastung des Gouverneurs auch Kussfotos von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Elf Frauen werfen Cuomo im Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft unangemessenes Verhalten vor. Neun von ihnen sind oder waren im Staatsdienst. Cuomo habe ihr bei einer engen Umarmung "unter die Bluse gegriffen und ihre Brust angefasst", schildert eine der Frauen. Eine andere berichtet, wie Cuomo ihr während eines Fototermins an den Hintern griff. Viele der Frauen berichten von ungewollten, engen Umarmungen, Küssen auf die Wange, manchmal auch auf den Mund, sowie anzüglichen Anspielungen und intimen Fragen nach Vorlieben bei Männern und beim Sex.

Ex-Staatsangestellte Lindsay Boylan: Sie wirft Cuomo vor, sie von 2016 bis 2018 mehrfach an Taille, Rücken und Beinen berührt und ihr "Strippoker" vorgeschlagen zu haben.  (Quelle: AP/dpa/Eduardo Munoz Alvarez)Ex-Staatsangestellte Lindsay Boylan: Sie wirft Cuomo vor, sie von 2016 bis 2018 mehrfach an Taille, Rücken und Beinen berührt und ihr "Strippoker" vorgeschlagen zu haben. (Quelle: Eduardo Munoz Alvarez/AP/dpa)

Generalstaatsanwältin James und ihr Team haben nach eigener Aussage mit 179 Zeuginnen und Zeugen gesprochen sowie 7.400 Beweise gesichtet. Es sei "ein sehr verstörendes, aber klares Bild" entstanden, sagte die Generalstaatsanwältin bei der Vorstellung des Berichts. Gouverneur Cuomo habe eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" und ein "Klima der Angst" geschaffen. Die Ermittler betonen, dass sie die Aussagen der Frauen als glaubwürdig einstufen.

Cuomo: "Ich mache es mit allen" 

Cuomo weist die Vorwürfe von sich – und folgt dabei einer eigenwilligen Argumentation, die nicht auf die schwersten Vorwürfe eingeht. Er umarme und küsse ständig Menschen, das sei eben sein Stil. "Ich mache es mit allen. Schwarz und weiß, jung und alt, hetero und LGBTQ, mächtige Leute, Freunde, Fremde, Leute, die ich auf der Straße treffe", sagte er in einem am Dienstag geposteten Video – und präsentierte bereits dort eine Slideshow, die ihn dabei zeigt, wie er bei öffentlichen Veranstaltungen unterschiedliche Menschen umarmt und auf die Wange küsst.

In dem Gegenbericht seiner Anwälte geht seine Verteidigung noch weiter und liefert, wohl zum entlastenden Vergleich, im Anhang auch Fotos von anderen US-Politikern, die bei der Begrüßung jemanden umarmen oder auf die Wange küssen. Darunter: gleich zwei Fotos von US-Präsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ausschnitt aus der Stellungnahme von Cuomos Anwälten: Die Begrüßung zwischen Angela Merkel und Barack Obama 2013 ist "Abbildung 8".  (Quelle: Screenshot T-Online/Position Statement of Governor Andrew M. Cuomo)Ausschnitt aus der Stellungnahme von Cuomos Anwälten: Die Begrüßung zwischen Angela Merkel und Barack Obama 2013 ist "Abbildung 8". (Quelle: Screenshot T-Online/Position Statement of Governor Andrew M. Cuomo)

Auf dem ersten Foto begrüßt die Kanzlerin den damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Juni 2013 in Berlin, auf dem zweiten Foto aus dem Jahr 2006 den damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Auf beiden Fotos geben sich die Politiker Wangenküsse. Cuomos Verteidigungsschrift verweist außerdem auf Fotos, auf denen Bush und Obama Betroffene nach einem Hurricane trösten und umarmen, sowie auf Bilder von Umarmungen zwischen der Demokratin Hillary Clinton und Michelle Obama sowie der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

"Abbildung 16" in Cuomos Stellungnahme: Ein Wangenkuss zwischen der Kanzlerin und George W. Bush im Jahr 2006.  (Quelle: Screenshot T-Online/Position Statement of Governor Andrew M. Cuomo)"Abbildung 16" in Cuomos Stellungnahme: Ein Wangenkuss zwischen der Kanzlerin und George W. Bush im Jahr 2006. (Quelle: Screenshot T-Online/Position Statement of Governor Andrew M. Cuomo)

Auch US-Präsident Biden fordert Cuomos Rücktritt

Charlotte Bennett, eine der Frauen, die Cuomo sexuelle Belästigung vorwerfen, kritisierte die Stellungnahme des Gouverneurs scharf. Er weigere sich offensichtlich, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. In den sozialen und etablierten Medien sind Spott und Ärger über Cuomos Argumentation groß. "Ich mache es mit jedem" sei wohl kaum die richtige Entgegnung angesichts von Vorwürfen sexueller Belästigung, kommentieren Nutzer auf Twitter. Andere fassen sich kürzer: "Genug gesagt – Cuomo muss zurücktreten".

Auch langjährige Parteifreunde distanzieren sich deutlich von Cuomo, zuletzt forderten auch Nancy Pelosi und US-Präsident Joe Biden seinen Rücktritt. Der Vorsitzende des New Yorker Repräsentantenhauses, Carl Heastie, kündigte ein rasches Amtsenthebungsverfahren an. Cuomo selbst erwähnte einen Rücktritt mit keinem Wort.

Verwendete Quellen:

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