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Putin: Trump-Kumpel Tucker Carlson soll Kreml-Chef interviewen dürfen


Besuch bei Putin
Der Tabubruch

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns

Aktualisiert am 06.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Tucker Carlson in Moskau: Video zeigen, wie ihn russische Medien für ihre Propaganda nutzen. (Quelle: t-online)

Der Trump treu ergebene US-Moderator Tucker Carlson hält sich seit Tagen in Moskau auf. Angeblich soll er Wladimir Putin interviewen dürfen. Für Russland wäre das ein willkommenes Spektakel.

Bastian Brauns berichtet aus Washington

"Wir werden sehen", hört man Tucker Carlson in einem Moskauer Hotel sagen. Dann lächelt er. Ein russischer Journalist hatte den amerikanischen Moderator offenbar angesprochen und ihn gefragt, ob er wirklich Putin interviewen werde. So zeigen es Videoaufnahmen von dem Mann, der viele Jahre lang für den konservativen US-Sender Fox News vor allem dafür zuständig war, Donald Trumps Propaganda ungefiltert und unhinterfragt unter das amerikanische Volk zu bringen. Darunter auch die Lügenerzählung von einer gestohlenen Präsidentschaftswahl.

Jetzt hält sich Tucker Carlson schon seit Tagen in Moskau auf. Und es wachsen die Spekulationen, dass ausgerechnet der rechte amerikanische Moderator den russischen Präsidenten Wladimir Putin interviewen darf oder es vielleicht sogar schon getan hat. Es wäre nach journalistischen Maßstäben eine extrem fragwürdige Konstellation.

Propaganda für Putin

Denn als Tucker Carlson noch beim konservativen US-Sender "Fox News" das Weltgeschehen kommentieren durfte, gehörten nicht nur Donald Trump, sondern auch Russland und die Ukraine zu seinen Lieblingsthemen. Carlson hatte seine ganz eigene Sicht auf den völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf das Nachbarland. Beziehungsweise glich seine Sicht auffällig oft der Erzählweise von Wladimir Putin.

Etwa sei der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nur eine Marionette der Amerikaner, der Nato und des Westens. Sein Zweck: die Bedrohung Russlands. Munter bediente sich Tucker Carlson in seiner Sendung immer wieder an Ausschnitten, die aus dem russischen, vom Kreml gesteuerten Staatsfernsehen stammten.

Sender hatte genug

Der Eindruck, den er vermittelte: Russland verteidige sich lediglich gegen einen aggressiven Westen. Über die von Putin zu verantwortenden menschenverachtenden Massaker an der ukrainischen Zivilbevölkerung sah Carlson großzügig hinweg. Irgendwann, so wird es in Washington zumindest hinter vorgehaltener Hand erzählt, wurde es aber offenbar auch dem mächtigen ehemaligen Fox-News-Chef Rupert Murdoch zu bunt und er warf den Moderator raus.

Nicht die Wahllügen sollen also der Grund für die Entlassung gewesen sein. Die kosteten Fox News in einem Gerichtsvergleich viele Millionen Dollar. Ausschlaggebend soll vielmehr Carlsons ruchlose Kreml-Propaganda gewesen sein. Es dürfte ein Grund dafür sein, weshalb der geschasste Moderator sich bis heute auch auf seinem eigenen Kanal beim Nachrichtendienst X ähnlich äußert.

Ein gern gesehener Gast in Russland

Das dürfte wiederum der Grund dafür sein, dass Carlson im Gegensatz zu anderen amerikanischen Journalisten in Russland willkommen zu sein scheint. Seit inzwischen gut einem Jahr hält Putin etwa Evan Gershkovich gefangen, einen Reporter des "Wall Street Journal". Die russischen Behörden bezichtigen ihn der Spionage, was sowohl der Journalist als auch die US-Regierung abstreitet.

Die Meinungsmaschine Carlson hingegen kann sich in Russland schon seit vielen Jahren wachsender Beliebtheit erfreuen. Immer häufiger wird er zitiert und als unerschrockener und mutiger Journalist aus Amerika dargestellt. Kein Wunder, denn er hatte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj unter anderem als "verschwitzt und rattenhaft" bezeichnet und bediente damit antisemitische Stereotype, wie sie einst schon die Nazis gebrauchten. Der russische Angriffskrieg sei in Wahrheit ein von den USA geführter "Krieg zum Regimewechsel" gegen Russland, so Carlson.

Von den USA ins russische Fernsehen

Immer wenn der 54-Jährige in Amerika im Sinne Putins auf Sendung ging, landeten Sequenzen seiner willkommenen Aussagen kurz darauf im russischen Staatsfernsehen. Nachdem er bei "Fox News" gefeuert worden war, schlugen sich die russischen Staatsmedien sogar ohne zu zögern auf Tucker Carlsons Seite. Es gab damals Schlagzeilen wie "Carlson wegen seiner furchtlosen Berichterstattung über die Ukraine herausgeworfen".

Treu bildet das russische Staatsfernsehen, etwa der Propagandasender Sputnik, den aktuellen Besuch von Carlson ab und befeuert die Gerüchte, der Amerikaner könne womöglich Wladimir Putin tatsächlich interviewen. Sogar eine Straßenumfrage wurde schnell produziert, in der Russen offenbar nach dem Amerikaner gefragt werden und angeben, Carlson sei ein "mutiger Journalist". Blitzschnell wurde die Umfrage anscheinend ins Englische übersetzt, womit die Zielgruppe klar sein dürfte: Der Westen soll sehen, dass Putin in der Lage ist, den bekannten US-Moderator für die eigenen Zwecke einzuspannen.

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In einem Interview behauptete Carlson vor mehreren Monaten, die US-Regierung habe ihm auf geheimem Wege schon einmal klargemacht, er dürfe Wladimir Putin nicht interviewen. Der Geheimdienst NSA habe ihn abgehört. Weil man versucht habe, ihn einzuschüchtern, sei es damals nicht dazu gekommen. Belege für diese Behauptung legte er nicht vor. Da er jetzt offensichtlich nach Moskau einreiste, ohne daran gehindert worden zu sein, wirkt diese Erzählung zumindest nicht per se plausibel.

Eine Show im Sinne Putins

Sollte Tucker Carlson wirklich die Möglichkeit erhalten, Wladimir Putin zu interviewen, würde das wohl ein Medienspektakel auf der ganzen Welt auslösen. Denn erstens wäre er der erste amerikanische Medienvertreter, der den Kremlchef seit dessen Einmarsch in die Ukraine vor fast zwei Jahren zu einem Gespräch treffen dürfte. Zweitens wäre es die beschriebene fragwürdige Konstellation der Interview-Situation.

Denn es ist kaum davon auszugehen, dass der Moderator den russischen Präsidenten konfrontativ befragen wird. Schon 2019 fragte er öffentlich, warum er sich überhaupt um den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine scheren sollte. "Warum soll ich mich nicht für Russland starkmachen?", so Carlson in einer Fernsehsendung.

Ob Interview mit Putin oder nicht: In den USA schlägt dem 54-Jährigen bereits jetzt erneut heftige Kritik entgegen. Der Moderator wird unter anderem als "Spion" Moskaus oder als Verräter bezeichnet. Ein Ziel haben Putins Staatsmedien und Tucker Carlson jedenfalls schon erreicht: Kurz vor dem zweiten Jahrestag des russischen Einmarsches in der Ukraine stiften sie Verwirrung und Unruhe.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen und Beobachtungen
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