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Flüchtlingskrise: "Erst zehn Prozent der Fluchtwelle ist bei uns"

Entwicklungsminister Müller besorgt  

"Erst zehn Prozent der Fluchtwelle ist bei uns angekommen"

10.01.2016, 13:54 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Flüchtlingskrise: "Erst zehn Prozent der Fluchtwelle ist bei uns". Einsatzkräfte helfen Flüchtlingen an der Küste der griechischen Insel Lesbos. Bilder, auf die man sich wohl auch in den nächsten Jahren einstellen muss. (Quelle: AP/dpa)

Einsatzkräfte helfen Flüchtlingen an der Küste der griechischen Insel Lesbos. Bilder, auf die man sich wohl auch in den nächsten Jahren einstellen muss. (Quelle: AP/dpa)

Stehen wir womöglich erst am Anfang der Flüchtlingskrise? Das lässt sich aus den jüngsten Aussagen von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) herauslesen. Er sieht noch weit größere Flüchtlingsströme auf Deutschland und Europa zukommen.

"Erst zehn Prozent der in Syrien und Irak ausgelösten Fluchtwelle ist bei uns angekommen", sagte der Politiker der "Bild am Sonntag" (BamS). Acht bis zehn Millionen Menschen seien noch unterwegs.

"Die, die jetzt zu uns kommen, saßen bereits seit mehreren Jahren in Zeltstädten, Kellern und Ziegenställen ohne Wasser und Strom", erläutert Müller. Dann kritisiert er die unzureichenden Maßnahmen in den Krisengebieten selbst: "Es ist beschämend, dass die Weltgemeinschaft nicht in der Lage ist, das Überleben vor Ort zu sichern."

Die Bevölkerungsexplosion in Afrika und ihre Folgen

Im "BamS"-Interview warnte Müller vor einem entscheidenden Faktor, dem bislang wenig Beachtung zuteil kam: "Die größten Fluchtbewegungen stehen uns noch bevor: Afrikas Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln." Müller ergänzt: "In der Sahara sollen bis zu einer Million Menschen auf der Flucht gestorben sein. Das zeigt die ganze Dramatik."

Deshalb fordert Müller eine völlig neue Dimension der internationalen Zusammenarbeit: "In unserem digitalen Zeitalter mit Internet und Handy wissen alle über unseren Wohlstand und unsere Lebensweise Bescheid. Wir müssen deshalb vor Ort in Bildung, Ausbildung und Perspektiven investieren." Müller nimmt die europäischen Staaten dabei in die Pflicht: "Wir alle in Europa müssen unsere Verantwortung in der Welt in einer anderen Dimension wahrnehmen, als wir das bisher tun. Wir haben unseren Wohlstand auf dem Rücken der Entwicklungsländer aufgebaut."

CSU-untypisch: Müller lehnt Obergrenze ab

Wie viele seiner Parteikollegen hofft Müller auf eine Minderung der Flüchtlingszahlen: "Eine Million, wie im vergangenen Jahr, können wir nicht erfolgreich integrieren."

Doch anders als sein Parteivorsitzender Horst Seehofer nennt Müller keine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. "Wir können keine Zäune um Deutschland und Europa bauen", sagte der Minister. Angesichts weiterer großer Fluchtbewegungen sei "egal, was wir hier festlegen". "Die Menschen werden uns nicht fragen, ob sie kommen können", so Müller.

Seehofer hatte erst in dieser Woche bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth seine Forderung nach einer jährlichen Obergrenze bekräftigt. Zuletzt nannte er eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt eine Obergrenze dagegen strikt ab. Die CDU strebt zwar ebenfalls eine Verringerung des Flüchtlingszuzugs an, aber ohne feste Obergrenzen.

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