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Organspende-Debatte – Pro & Kontra: "Die Widerspruchslösung ist die einzige Chance"

PRO & KONTRAWiderspruchslösung  

Das ist das eigentliche Problem bei Organspenden

Von Karl Lauterbach und Hermann Gröhe

15.01.2020, 13:07 Uhr
 (Quelle: RTL)
Organspende: Jens Spahn fordert Widerspruchslösung

Lauras ist krank. Nur noch eineinhalb Jahre hält ihr Herz durch. Die Wartedauer für ein Spenderherz beträgt derzeit allerdings sechs Jahre. 

Während zwei Drittel der Deutschen eine Organspende eigentlich gut finden, hat allerdings nur ein Drittel der Menschen auch einen Organspendeausweis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plädiert deshalb für eine sogenannte Widerspruchslösung. Am Donnerstag soll das Thema erneut im Bundestag debattiert werden. (Quelle: RTL)


Widerspruchslösung – ja oder nein? Was Sie zur Debatte über die Organspende in Deutschland wissen sollten. (Quelle: RTL)


Sollte in Deutschland jeder automatisch Organspender werden, wenn er nicht aktiv widerspricht? Darüber entscheidet jetzt der Bundestag. Zwei Gesundheitsexperten diskutieren im Pro & Kontra.

In Deutschland werden viel zu wenige Organe gespendet. Darüber sind sich eigentlich alle einig. Nur wie lässt sich das am besten ändern? Darüber diskutieren die Politiker schon lange. Und auch innerhalb der Parteien gibt es dazu ganz unterschiedliche Meinungen.

Am Donnerstag stimmt der Bundestag über ein neues Gesetz des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) ab, die sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Es sieht vor, dass jeder automatisch zum Spender wird, wenn er dem nicht aktiv widerspricht. Richtig so? 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kämpft seit Langem für die neue Regelung, der frühere CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe ist dagegen. Im Pro & Kontra auf t-online.de erklären sie, warum: 

Karl Lauterbach

SPD-Gesundheitsexperte

Pro

Die Widerspruchslösung ist die einzige Chance

Die Widerspruchslösung entspricht mehr dem Willen der Bevölkerung. 84 Prozent der Deutschen stehen einer Organspende positiv gegenüber. Trotzdem haben nur etwa 36 Prozent einen Organspendeausweis. Das ist das Problem, das die Widerspruchslösung auflösen könnte.


Jeder, der einer Organspende nicht ausdrücklich widerspricht und diese Entscheidung dokumentieren lässt, käme grundsätzlich als Spender in Frage. Im Falle eines Hirntodes würde dann geprüft, ob man sich als Nichtspender hat eintragen lassen. Als doppelte Absicherung werden noch Verwandte befragt, ob der oder die Verstorbene ihnen gegenüber eine Spende abgelehnt hat.


Ist beides nicht der Fall, ist man automatisch Spender. Angesichts der dramatischen Zahlen auf der Warteliste ist es den Menschen zumutbar, sich mit der Organspende auseinanderzusetzen. Dies ist kein Angriff auf die Selbstbestimmung. Es gibt keine Pflicht zur Organspende, aber es gibt eine Pflicht, sich mit der Thematik zu befassen und eine Ablehnung auch zu dokumentieren.


Diese Lösung praktizieren bereits die meisten Länder Europas – von denen wir im Übrigen dankbar Organe annehmen. Die Widerspruchslösung rückt konsequent das Leiden der betroffenen Patienten und Organempfänger in den Vordergrund, ohne die Freiheit des Einzelnen zu missachten.


Wenn wir die Zahl der Organspender in Deutschland erhöhen wollen, ist die Widerspruchslösung die einzige Chance, tatsächlich etwas zu verändern. In Europa ist das ohne die Widerspruchslösung noch niemandem gelungen.

Hermann Gröhe

Früherer CDU-Gesundheitsminister

Kontra

Die Organspende muss freiwillig bleiben

Die Situation der Organspende in Deutschland muss verbessert werden. Dabei müssen wir uns genau fragen, welche Schritte wirklich dazu beitragen.


Die Widerspruchslösung halte ich für den falschen Weg, da sie das im Grundgesetz geschützte Selbstbestimmungsrecht in Frage stellt. Dieses Recht muss man sich nicht verdienen, auch nicht dadurch, dass man sich mit der Organspende befasst und eine Entscheidung trifft.


Zudem setzt die Widerspruchslösung nicht bei den eigentlichen Problemen an. 84 Prozent der Deutschen stehen der Organspende positiv gegenüber. In 75 Prozent der Fälle, in denen 2018 ein Hirntod festgestellt wurde und der Verstorbene grundsätzlich als Organspender in Frage kam, gab es eine Zustimmung zur Organspende.


Wir haben also kein Zustimmungs-, sondern ein Umsetzungsproblem. In mehreren Tausend Fällen pro Jahr kommt es nicht zur Feststellung eines vorhandenen Hirntods. Dies muss besser werden, Ansatzpunkt sind die Krankenhäuser. Ein wichtiger Schritt ist das im April 2019 in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende. Es stärkt die Rolle der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern, die sich um alle Fragen rund um die Organspende kümmern. Zudem wird bis Ende 2020 eine Rufbereitschaft zur Unterstützung bei der Hirntodfeststellung aufgebaut.


Der von mir unterstützte Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende will diesen Weg entschlossen weitergehen. Die Organspende ist ein Geschenk aus Liebe zum Leben. Das setzt Freiwilligkeit und Zustimmung voraus. Dabei sollte es bleiben!


 

 

Die in den Beiträgen geäußerten Ansichten spiegeln die Meinung der Autoren wider und entsprechen nicht notwendigerweise der der t-online.de-Redaktion.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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