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Schul-Lockdowns: Kinder werden noch lange leiden

dpa, Julia Naue

Aktualisiert am 19.01.2021Lesedauer: 4 Min.
In der Aula im Innerst├Ądtischen Gymnasium beginnen die Kurse: "Lernverluste drohen auch ├╝ber diese Generation hinaus und machen jahrzehntelange Fortschritte zunichte", hei├čt es von der Unesco.
In der Aula im Innerst├Ądtischen Gymnasium beginnen die Kurse: "Lernverluste drohen auch ├╝ber diese Generation hinaus und machen jahrzehntelange Fortschritte zunichte", hei├čt es von der Unesco. (Quelle: Bernd W├╝stneck/dpa-bilder)
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Schule ist f├╝r Kinder und Jugendliche Alltag. Morgens aufstehen ÔÇô Unterricht. Das ist zwar nicht immer beliebt. Wenn es aber wegf├Ąllt, hat das schwerwiegende Konsequenzen ÔÇô besonders f├╝r die J├╝ngsten.

Geschlossene Schulen, Lernplattformen und Eltern am Limit: Die Covid-19-Pandemie hat nicht weniger als die gr├Â├čte St├Ârung der Bildungssysteme in der Geschichte verursacht. So sch├Ątzt das die UN-Kultur- und Bildungsorganisation Unesco ein. "Lernverluste drohen auch ├╝ber diese Generation hinaus und machen jahrzehntelange Fortschritte zunichte", hie├č es in einer Einsch├Ątzung vom vergangenen Sommer. Seitdem hat sich die Lage kaum gebessert. In Deutschland sind wieder Schulen geschlossen ÔÇô wieder Fernunterricht und Notfallbetreuung. Wie wirkt sich das aus?


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"Internationale Studien zeigen, dass sich die Lernentwicklung in den Zeiten, in denen Schulen wegen Corona geschlossen waren, verlangsamt hat, dass Lernzeiten sich verk├╝rzt haben", mahnt der Gesch├Ąftsf├╝hrende Direktor des Leibniz-Instituts f├╝r Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Kai Maaz. Es gebe dabei Unterschiede zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Sch├╝lern und auch abh├Ąngig von der sozialen Herkunft.

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Schulen stehen vor gro├čen Herausforderungen

Sch├╝ler aus sozial schwierigen Verh├Ąltnissen liefen eher Gefahr, auch beim Lernen R├╝ckst├Ąnde zu entwickeln. "Die Ungleichheit wird sich also durch die aktuelle Situation vergr├Â├čern." Gleichzeitig werde es Kinder und Jugendliche geben, die relativ unbeschadet durch diese Corona-Zeit kommen, vielleicht sogar davon profitieren. Eine gro├če Herausforderung werde es f├╝r die Schulen sein, mit dieser Heterogenit├Ąt umzugehen. Darauf sei die Schule aktuell nicht vorbereitet.

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Der Experte kritisiert, dass Deutschland in puncto Digitalisierung schlecht aufgestellt sei. "Es ist leider ganz klar, dass wir in Deutschland bei der Digitalisierung von Bildungsangeboten nicht da sind, wo wir eigentlich sein sollten", sagt er. "Dass wir da im internationalen Vergleich bereits weiter hinten liegen, f├Ąllt uns jetzt m├Âglicherweise auf die F├╝├če."

Zum Zeitpunkt der Pisa-Erhebung 2018 in Deutschland waren zum Beispiel nur 33 Prozent der Sch├╝ler an einer Schule eingeschrieben, deren Schulleiter "zustimmte" oder "stark zustimmte", dass eine effektive Online-Lernunterst├╝tzungsplattform verf├╝gbar sei, wie es in einem Bericht der Organisation f├╝r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD hei├čt. Das liege weit unter dem Durchschnitt der OECD-L├Ąnder (54 Prozent).

Schulen als Schutzraum

"Deutschland ist beim Angebot virtueller digitaler Bildung noch ganz am Anfang", sagt auch Nicola Brandt, Leiterin des OECD Berlin Centre. Das gelte besonders bei der Ausbildung der Lehrkr├Ąfte. "Beim digitalen Unterricht geht es ja nicht nur darum, ein Arbeitsblatt auf eine Lernplattform zu stellen und die Kinder dann damit allein zu lassen." Sie erinnert auch daran, dass w├Ąhrend der Schulschlie├čungen im Fr├╝hjahr die Schulen zu vielen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern einfach den Kontakt verloren haben. "Das war zum Beispiel in Frankreich ganz massiv der Fall, ist aber auch in Deutschland passiert."

Brandt betont au├čerdem, dass Schule auch ein Raum sozialer Interaktion sei, ein Ort, an dem die Kinder gemeinsame Probleml├Âsung lernten. "Da findet Gesellschaft statt." Schule sei ebenso ein Schutzraum, der Kindern die M├Âglichkeit gebe, durchzuatmen. "Das ist nat├╝rlich wichtig f├╝r Kinder aus benachteiligten Familien, wo der Wohnraum beengt ist. Wenn das wegf├Ąllt, hat das auch Einfluss auf die Lernergebnisse der Kinder." Es sei auch problematisch, wenn Nebenf├Ącher wie Musik oder Sport wegen des Unterrichtsausfalls zu kurz k├Ąmen. Gerade diese F├Ącher seien wichtig f├╝r die motorische und emotionale, aber auch f├╝r die kognitive Entwicklung.

Brandt warnt, dass Unterrichtsausfall gerade die Jüngeren noch viel gravierender als die Älteren treffe. "Für die Jüngsten ist es am schwierigsten, Defizite beim Lesen oder Rechnen wieder aufzuholen, denn Lernen baut auf dem bereits Gelernten auf", sagt die Expertin. Für sie sei auch der digitale Unterricht am wenigsten geeinigt. Ähnlich sieht das Maaz vom DIPF. "Ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen und den Blick auch auf die Kita richten", sagt er. Gerade im letzten Kitajahr werde dort bereits auf die Schule vorbereitet, bestimmte Kompetenzen würden erlernt. Auch das fehle jetzt.

Harte Folgen in armen L├Ąndern

Zwar sei der Blick auf die Abschlussjahrg├Ąnge zuletzt richtig gewesen. "Man muss Sch├╝lern, die vor einem Abschluss stehen, die bestm├Âgliche Chance geben, diesen Abschluss zu machen", sagt er. Allerdings sei das mit Blick auf das Abitur im vergangenen Jahr gar nicht so problematisch gewesen. Als im Fr├╝hjahr die Schulen geschlossen wurden, sei der Stoff f├╝r das Abitur schon l├Ąngst durch gewesen. Es sei haupts├Ąchlich um die Vorbereitung auf die Pr├╝fungen gegangen. "Wir m├╝ssen also intensiv auf das aktuelle Schuljahr schauen und die folgenden."

Die Unesco warnt, dass Schulschlie├čungen die Versorgung von Kindern und Gemeinden und den Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln beschr├Ąnkten. Sie beeintr├Ąchtigten die Arbeitsf├Ąhigkeit vieler Eltern und erh├Âhten das Risiko von Gewalt gegen Frauen und M├Ądchen. Besonders hart sind die Folgen in ├Ąrmeren L├Ąndern. Die Expertinnen und Experten sind sicher: Die Krise nimmt weltweit vor allem Kindern und Jugendlichen aus armen oder l├Ąndlichen Gebieten, M├Ądchen, Fl├╝chtlingen, Menschen mit Behinderungen und gewaltsam Vertriebenen die M├Âglichkeit, weiter zu lernen.

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