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Ukraine-Krieg | Flüchtlinge: Deutschland im Ausnahmezustand


Deutschland im Ausnahmezustand


Aktualisiert am 19.03.2022Lesedauer: 11 Min.
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Helfer verteilen Lebensmittel an Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Experten erwarten, dass noch viele weitere kommen werden.Vergrößern des Bildes
Helfer verteilen Lebensmittel an Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Experten erwarten, dass noch viele weitere kommen werden. (Quelle: Carsten Koall/dpa-bilder)

Zehntausende sind bereits aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet – und das dürfte erst der Anfang sein. Wie geht Deutschland damit um und was passiert, wenn noch viel mehr kommen?

Deutschland ist im Ausnahmezustand: Jeden Tag kommen Tausende Geflüchtete aus der Ukraine an – und die Kapazitäten, alle aufzunehmen und zu versorgen, werden immer knapper.

Rund 200.000 Menschen waren es insgesamt in den ersten drei Wochen Krieg. Doch die Zahlen könnten noch massiv steigen – je nachdem, wie lange der Krieg dauert, wie massiv die russischen Truppen die Städte bombardieren. Rund drei Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen – Experten zufolge könnten einige weitere Millionen folgen. Ein Großteil ist bislang in den Nachbarstaaten untergekommen. Doch die signalisieren: Viel mehr schaffen wir nicht.

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Während die Bundespolitik noch um eine Strategie ringt, arbeiten Städte, Kommunen und Freiwillige bereits auf Hochtouren. Wie funktioniert derzeit die Aufnahme der vielen Menschen? Wo liegen die Probleme und was passiert, wenn noch viel mehr kommen? Ein Team aus t-online-Reportern hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Die Ankunft

Besonders Berlin ächzt unter der größten Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg: Nirgendwo in der Bundesrepublik kommen derzeit mehr ukrainische Geflüchtete an. Die Landesregierung bemüht sich, rasch neue Ankunftszentren und Notunterkünfte einzurichten. Doch – das wird hier schnell klar – ohne eine bundesweite Verteilung und Hilfe vom Bund wird es nicht gehen. "Alle Bundesländer müssen jetzt in föderaler Solidarität und vor allem mit Unterstützung des Bundes zusammenarbeiten", appelliert Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) deshalb – sie hat auch die Bundeswehr um Amtshilfe gebeten.

Ungebrochen ist die Solidarität vieler Berlinerinnen und Berliner. Tagelang haben Freiwillige etwa am Hauptbahnhof oder am Zentralen Busbahnhof die ankommenden Geflüchteten versorgt und Schlafplätze organisiert. Inzwischen steht auf dem Bahnhofsvorplatz auch ein Zelt der Stadtmission, in dem sich die Menschen aufhalten können.


In diesem Zelt steht in einer kalten Nacht der vergangenen Woche auch Robert Michaelis. Der Mitarbeiter der Stadtmission ist Schichtleiter, schaut, das alles funktioniert. "Von staatlicher Seite setze ich natürlich voraus, dass nun Tag für Tag mehr an Hilfe und Struktur kommt", sagt er. Wichtiger aber seien die Berliner als Ganzes: "Was wir auch brauchen, ist weiterhin die Unterstützung der Zivilbevölkerung. Es wäre großartig, wenn die Berlinerinnen und Berliner so lange wie möglich helfen können."

Denn in den vergangenen Wochen haben die Stadtbewohner viel geleistet, von Lebensmittel- und Sachspenden am Bahnhof über Unterkünfte bis hin zu kleinteiligen Hilfen: "In einzelnen Fällen bezahlten Freiwillige den Familien die Taxis zum Hotel", berichtet Michaelis. "An solchen Stellen könnte der Senat noch ordentlich nachbessern." Auch die Versorgung von Corona-positiv getesteten Geflüchteten sei nicht optimal: Einige stehen zwei Stunden oder länger in der Kälte.

An anderer Stelle könnten die noch fehlenden Strukturen böse Folgen haben: Die Berliner Polizei warnte vor unseriösen Hilfsangeboten am Hauptbahnhof. Zumeist ältere Männer sprachen dort gezielt vor allem jüngere Frauen an, damit diese bei ihnen übernachten – einige boten sogar Geld. Die Polizei vermutet dahinter Menschenhandel und Ausbeutung. "Privatunterkünfte müssen besser gecheckt werden. Denn eine Frau mit zwei Kindern kann nicht einfach so von einem Fremden mit nach Hause genommen werden", sagt Michaelis.

Die Notunterkünfte

Nicht nur in Berlin, auch in vielen anderen deutschen Städten stellt sich die große Frage: Wohin mit den Menschen?

In München etwa ist die Messe zur größten Notunterkunft der Stadt geworden. 2.300 Feldbetten stehen dort für Geflüchtete bereit. Keine Trennwände, keine Privatsphäre, nur das Nötigste: Essen, Trinken, Schlaf und medizinische Versorgung. "Da geht es nicht um Wohnen", sagt Frank Boos vom Sozialreferat München. "Da geht es um ein Dach über dem Kopf für ein paar Nächte." Und dann? Das kann Boos nicht beantworten.

Über 8.000 Betten gibt es in München insgesamt für Geflüchtete. Auf der Messe, in Turnhallen, in Hotels und in einer Leichtbauhalle. Täglich kommen weitere Menschen an. Zwar organisiert die Stadt laufend zusätzliche Schlafplätze – trotzdem könnte München bald an seine Grenzen kommen. Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht von teilweise schwierigeren Herausforderungen als noch 2015 – denn damals seien die Menschen schnell in andere Gebiete weitergeleitet worden.

Diesmal habe man weder verlässliche Informationen, wie viele Menschen kommen, noch könne man steuern, wie viele Menschen in andere Regionen weiterreisen und wie viele man selbst unterbringen müsse. Und da liegt das Problem: bei der Weiterverteilung der Geflüchteten. Denn dauerhafte Unterkünfte für mehrere Tausend Menschen gibt es auf absehbare Zeit nicht in München.

In Frankfurt am Main, wo bereits 5.000 Geflüchtete angekommen sind, hat die Hilfsorganisation Caritas innerhalb weniger Tage zwei Notunterkünfte aus dem Boden gestampft, mit insgesamt 400 Plätzen. "Die Geflüchteten bleiben in der Regel nicht länger als eine Nacht", sagt Timm Kauhausen, der für die Caritas im Krisenstab der Stadt Frankfurt sitzt. Einige ziehen weiter zu Freunden und Bekannten, andere fahren zum Ankunftszentrum nach Gießen.

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Die Caritas-Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter stehen dabei vor unterschiedlichen Herausforderungen. "Sie bauen nach wie vor Strukturen mit Partnerinnen in der Stadt auf, sodass die Menschen etwa zügig ihre Perspektiven klären können", sagt Kauhausen.

Denn die Massenunterkünfte können zwar schnell aufgebaut werden, bieten aber auch Schwierigkeiten: neben fehlender Privatsphäre und Abstandsmöglichkeiten etwa die Sicherheit von Frauen und Kindern. Dafür stünden Ansprechpersonen in kritischen Situationen bereit, nötig war dies bislang nicht, sagt Kauhausen. Und dann gibt es noch die tierischen Begleiter der Geflüchteten. "Auch hier muss man eben schauen, wie wir in der Hallensituation mit den Tieren umgehen."

Unter den Geflüchteten sind nicht nur Menschen mit einem ukrainischen Pass, sagt Kauhausen. Grundsätzlich seien viele Familien mit Kindern beziehungsweise viele Frauen mit Kindern in den Notunterkünften untergebracht. Es sind aber auch Drittstaatler dabei, die in der Ukraine gelebt haben, aber auch Afghanen, die in das Land geflohen sind und sich nun auf dem zweiten Fluchtweg befinden.

Für sie gelten, sofern sie keinen ukrainischen Pass haben, andere Regeln als für die Ukrainer, die sich visafrei drei Monate lang in der EU frei bewegen dürfen. Menschen, die etwa in der Ukraine studiert oder gearbeitet haben und in ihre Heimatländer zurückkehren können, haben bislang keinen Schutzanspruch in der EU.

Die Freiwilligen

"Also, ein Privatleben haben wir seit drei Wochen nicht mehr", sagt Luisa Klatte von "Leipzig helps Ukraine". Der Verein koordiniert mit einem Kernteam von 70 Leipzigerinnen und Leipzigern mehrere Hundert Helfer, die ukrainische Kriegsflüchtlinge bei der Ankunft in der Stadt in Empfang nehmen und unterstützen.

Klatte ist eigentlich Doktorandin der Slavistik an der Uni Leipzig, jetzt Vollzeit-Helferin. Und ihr war auch schnell klar, was wichtig ist: "Helfertum ist ja schön", sagt sie. "Aber man muss auch schauen, dass die Hilfe nachhaltig und koordiniert ist."

Vor dieser Herausforderung stand das Team um Klatte. Es begann mit der Telegram-Gruppe "Leipzig helps Ukraine", in der sich immer mehr Helfer anmeldeten, bald waren es Hunderte. Die Nutzung sei in kürzester Zeit "explodiert", erzählt Klatte. Also organisierten sie und andere Mitstreiter, die anfangs noch eine lose Gruppe einander völlig Unbekannter waren, wer wann wo was macht – damit die Hilfsbereitschaft nicht verpufft.

Ohne die Arbeit des Vereins wäre die Versorgung besonders in den ersten Tage wohl viel chaotischer gelaufen. Die Freiwilligen leisten, was Stadt und Land nicht schaffen. Seit dem ersten Tag stehen sie am Bahnhof, beraten die Ankommenden, stellen Übersetzer, kümmern sich um Kinder und Familien auf der Straße und in Unterkünften, vermitteln private Wohnplätze, erstellen Schichtpläne für die Helfer, strukturieren die Kommunikation auf Telegram, kochen warmes Essen. Alles freiwillig, alles ohne Geld.

"Der Krisenmodus ist für uns so langsam vorbei", sagt Klatte. "Jetzt sind wir im Struktur-Modus." Das Zentrum ihrer Arbeit ist nach wie vor die Koordinierung über Telegram als soziales Netzwerk. Sie haben aber auch den Verein gegründet, beziehen gerade ein Büro, Mitglieder des Kernteams überlegen, ihre Jobs zu kündigen, um sich ganz der Flüchtlingshilfe zu widmen.

Die Obdachbieter

Auch bei den kurzfristigen Unterkünften federn Freiwillige und Privatpersonen einen großen Teil der Last ab. Zahlreiche Menschen stellen in diesen Tagen ihre Wohnungen zur Verfügung, nehmen ukrainische Geflüchtete in ihre eigenen vier Wände auf. So auch Sabine Nietmann.

Die 34-Jährige war von den Nachrichten aus der Ukraine so betroffen, dass sie helfen wollte. Sie registrierte sich beim Elinor-Netzwerk. Zusammen mit anderen Organisationen hatte Elinor die Aktion #UnterkunftUkraine gegründet, um niederschwellig Unterkünfte zu vermitteln. Schon nach wenigen Tagen kam die erste Anfrage. Nietmann überlegte nicht lange und nahm Svitlana Shevchenko und Anzhelika Olefirenko bei sich auf. Zehn Tage haben die beiden ukrainischen Frauen aus Kiew bei Nietmann in Frankfurt gewohnt.

Trotz Sprachbarrieren ist in der kurzen Zeit ein "enges Band" entstanden, wie Nietmann erzählt. "Sie sind meine ukrainische Familie", sagt sie heute. Sie kochten gemeinsam ukrainisches Essen wie Borschtsch, eine Rote-Beete-Suppe, tranken ukrainischen Wodka, schauten Nachrichten und Fotos aus Kiew an. Sie weinten auch gemeinsam. "Das so mit ihnen mitzuerleben, auch, dass der Ehemann von Anzhelika noch in der Ukraine ist. Das berührt jeden von uns. Es zerreißt mir das Herz, was dort gerade passiert."

Nach zehn Tagen fanden die Frauen eine eigene Wohnung. "Ich kam von der Arbeit nach Hause und die Wohnung war leer. Alles war so ruhig", sagt Nietmann. Doch wiedersehen werden sie sich ganz sicher: "Sie haben mich schon zu sich nach Hause eingeladen."

Dass Olefirenko und Shevchenko so schnell eine Wohnung fanden, hatte viel mit Glück zu tun (mehr dazu lesen Sie hier). Der Wohnungsmarkt in Frankfurt ist extrem angespannt, wie in vielen anderen deutschen Städten auch. Und das stellt Deutschland vor eine schwierige Aufgabe: Bis zu 500.000 Wohnungen könnten gebraucht werden, errechnete der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA und nahm dabei an, dass knapp 1,3 Millionen Geflüchtete kommen. Auch wenn Deutschland "nur" knapp mehr als 800.000 aufnimmt, fehlen dennoch mehr als 300.000 Wohnungen – ungefähr so viele wie 2020 gebaut wurden.

Der erste Kontakt mit den Behörden

Es sind Bilder wie vor dem Berliner Lageso in der Flüchtlingskrise 2016: Schon seit Beginn des Krieges tummeln sich in der Hammer Straße in Hamburg Hunderte Menschen. Sie harren aus, bis sie sich endlich in dem Amt für Migration registrieren können – viele bleiben auch über Nacht. Ein Zelt vor der Tür, in dem sich 250 Geflüchtete aufgehalten hatten, wurde bereits Dienstagnacht wegen Überfüllung geräumt. Von dort zogen die Menschen auf die Gehwege um, um dort auf die Öffnung der Behörde zu warten.

Unter den Wartenden ist auch die Hamburgerin Iryna Thater. Sie hat eine Familie aus der Ukraine bei sich aufgenommen. Vier Tage haben die Frauen und Kinder auf der Straße vor der Behörde gewartet. Nicht alle sind bisher drangekommen. "Von Tag zu Tag wurde die Situation belastender", so Thater.

Sogar ihr Bruder, der noch in der Heimat ist, habe von den Zuständen erfahren. Er habe angerufen und gesagt, seine Frau und die Kinder sollten wieder zurück nach Lwiw kommen. "Die Fahrt hierher aus der Ukraine war nicht so anstrengend wie die Registrierung", sagt die Unternehmerin.

Die Angst, nicht in Hamburg bleiben zu dürfen, sondern auf andere Bundesländer verteilt zu werden, treibt die Menschen dazu, sich Tag und Nacht in der Kälte anzustellen. Viele sind zudem mittellos und auf Sozialhilfe angewiesen. Auch damit die Kinder in den Kindergarten oder die Schule gehen können, braucht es eine Registrierung. Dabei kommt es auch unter sonst friedlichen Menschen zu Auseinandersetzungen und Kämpfen um den Warteplatz in der Schlange. Besonders für Kinder sei das belastend, erzählen die Wartenden. “Viele weinen und frieren in der Schlange."

Mittlerweile hat die Behörde reagiert. Termine für die Registrierung können auch online gebucht werden. So soll zumindest die Sicherheit gegeben werden, dass jeder drankommt und niemand mehr vor dem Amt schlafen muss.

Dass die Ämter für Migration überfordert sind, ist kein Einzelfall: Auch in München arbeitet die Behörde an der Kapazitätsgrenze. Normalerweise bearbeitet das Amt rund 50 Anträge in der Woche im Bereich des Asylbewerberleistungsgesetzes. Allein am Montag gab es nun Anträge von 900 Personen. Die Mitarbeiter kommen an ihre Grenzen. "Für solche Kapazitäten sind unsere Behörden einfach nicht ausgelegt", sagt Frank Boos vom Sozialreferat München.

Bisher sind es nur Freiwillige, die die Geflüchteten in der Werinherstraße versorgen. Neben Essen und Trinken spenden sie Trost. Ingrid Schottenhamml, die ihren Foodtruck "Pasta Lasta" kurzerhand in eine Essenausgabe umfunktioniert hat, kommt hinter der Theke hervor, als eine Ukrainerin vor ihr in Tränen ausbricht.


Sie nimmt die Frau in den Arm und redet ihr gut zu. Die Ukrainerin weiß wie viele der hier Wartenden nicht, wo sie unterkommen soll. Sie zeigt Schottenhamml Bilder von ihrem zerstörten Haus. "Die ersten Tage habe ich nur geheult", sagt Schottenhamml, die schon seit Tagen Essen und Sachspenden verteilt. Trotzdem hat sie Nachsehen mit der Stadt: "Die tun, was sie können, das weiß ich."

Die Schulen

Ein Großteil der ankommenden Geflüchteten sind Frauen mit meist jüngeren Kindern. Das stellt auch die in der Corona-Pandemie besonders belasteten Schulen vor eine weitere große Herausforderung.

Der Deutsche Lehrerverband mahnte bereits an, dass es wegen des ohnehin schon massiven Lehrermangels zu Engpässen kommen könnte. "Ich kann mir vorstellen, dass man hierfür auch verstärkt Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrkräfte gewinnen kann, weil es da eine enorme Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft gibt", sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger den Funke-Zeitungen. "Aber dafür muss der Staat auch zusätzliche Ressourcen bereitstellen." Experten weisen zudem daraufhin, dass die möglicherweise traumatisierten Kinder auch psychische Unterstützung brauchen.

Die Kultusminister der Länder wollen nun auf eine schnelle Integration setzen, etwa mit Vorbereitungs- und Willkommensklassen. "Wir werden in dieser außergewöhnlichen Lage alles dafür tun, die Kinder und Jugendlichen, die sich hier vor dem Krieg in der Ukraine in Sicherheit bringen, schnellst- und bestmöglich in den Schulen aufzunehmen", heißt es auf Anfrage aus dem Schulministerium in Nordrhein-Westfalen. Wann und in welchem Umfang die Willkommensklassen umgesetzt werden, ist aber aufgrund der unklaren Zahl an Ukraine-Flüchtlingen noch nicht einschätzbar.

Jennifer Juncker, Leiterin der Clementinenschule und Sprecherin der Grundschulen in Hürth bei Köln, schaut der neuen Herausforderung pragmatisch entgegen: "Wenn ein neues Kind in die Klasse kommt, guckt die Klassenleitung, wer sich zuständig fühlt, das Kind mit in die Pause nimmt und sich kümmert", sagt sie.

Damit die geflüchteten Kinder schnell Anschluss finden, werden sie altersgerecht geschult. Im ersten Schuljahr sollen sie außerdem noch keine Noten bekommen und automatisch versetzt werden. "So haben die Kinder zwei Jahre Zeit, in Ruhe die neue Sprache zu lernen", sagt Juncker. "Wir wollen den Kindern so schnell wie möglich helfen und ihnen ein Stück Normalität zurückgeben."

Wie weiter?

Bund und Länder arbeiten bereits daran, wie die Registrierung der Geflüchteten beschleunigt werden kann. Zudem will der Bund baurechtliche Vorgaben lockern, damit schneller Unterkünfte bereitgestellt werden können (mehr dazu lesen Sie hier).

Ein weiteres Problem ist die Verteilung: Nach langem Hin und Her will Innenministerin Nancy Faeser die Geflüchteten doch proportional über den sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer aufteilen. Experten warnen jedoch auch davor, die Flüchtlingsströme zu stark zu regulieren. Denn viele Ukrainer kommen zunächst bei Verwandten und Freunden unter. Werden sie allerdings einer Region fest zugewiesen, ist das nicht mehr möglich.

Noch fangen Freiwillige vieles ab. Doch zu lange sollte der Staat nicht darauf bauen, denn gerade private Hilfsbereitschaft kann schnell an ihre Grenzen stoßen. Besonders wenn noch viel mehr Menschen kommen – und sie auch länger bleiben. Denn noch ist nicht absehbar, wie lange der Krieg dauern wird und wann die Menschen zurückkehren können. Die Krise trifft Deutschland dann vor allem dort, wo ohnehin schon große Engpässe herrschen: bei der Verfügbarkeit von günstigem Wohnraum und bei den Schulen.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
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