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  • "Markus Lanz": Richard David Precht streitet mit Monika Schnitzer ÔÇô "Paradoxie"


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Philosoph Precht und Lanz streiten mit Wirtschaftsweiser

Von Nina Jerzy

Aktualisiert am 15.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Richard David Precht bei Markus Lanz (Archivbild): Der Philosoph setzt sich f├╝r ein Grundeinkommen ein.
Richard David Precht bei Markus Lanz (Archivbild): Der Philosoph setzt sich f├╝r ein Grundeinkommen ein. (Quelle: Teuropress/imago-images-bilder)
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Keine Lust auf Arbeit, nur Dienst nach Vorschrift? Dann lieber bedingungsloses Grundeinkommen, meint Philosoph Precht bei Lanz. Eine ├ľkonomin rechnet das mal durch. Da wird Lanz doch etwas mulmig zumute.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer h├Ąlt ein bedingungsloses Grundeinkommen f├╝r nicht finanzierbar. Die ├ľkonomin von der Ludwig-Maximilians-Universit├Ąt M├╝nchen gab am Donnerstag bei "Markus Lanz" ein Rechenexempel. Ausgehend vom Hartz-IV-Satz und dem Wohngeld in der teuersten Gegend Deutschlands, in M├╝nchen, m├╝ssten pro Person 1.208 Euro monatlich f├╝r die Grundsicherung veranschlagt werden.

"Dann w├╝rden wir von ├╝ber 900 Milliarden Euro sprechen", bilanzierte Schnitzer. Der Moderator wurde von dieser Zahl kalt erwischt. "Unser Bundesetat liegt bei ungef├Ąhr 350, 380 (Milliarden Euro)? Wow", entfuhr es Lanz. Richard David Precht hingegen w├╝rde sich sogar 1.400 Euro bedingungsloses Grundeinkommen monatlich w├╝nschen und geriet da wiederholt mit der Beraterin der Bundesregierung aneinander.

Die G├Ąste

  • Richard David Precht, Philosoph
  • Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
  • Kenza Ait Si Abbou, Ingenieurin

Bei "Markus Lanz" ging es ausnahmsweise weder um den Krieg in der Ukraine noch um die Pandemie. Einziges Thema des Abends war die Zukunft der Arbeit. Die Corona-Krise spielte hier aber selbstverst├Ąndlich eine Rolle. Precht verwies auf die vielen Lkw-Fahrer oder Mitarbeiter in der Gastronomie, die nach der Anfangsphase der Pandemie nicht in ihre stressigen und oft sehr schlecht bezahlten Jobs zur├╝ckgekehrt waren. "Da sieht man, dass der Anspruch, Work-Life-Balance, dass Arbeit angenehm sein soll, dass meine Arbeit viel wert ist, angemessen bezahlt werden soll ÔÇô wie der ganz allm├Ąhlich von den Spitzenberufen immer weiter durch die Gesellschaft durchgeht. Die Anspr├╝che steigen in allen Gesellschaftsschichten und das ist wirklich eine gro├če Ver├Ąnderung", sagte Precht.

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Precht: Dienst nach Vorschrift keine L├Âsung

Der Philosoph schien diese angeblich gestiegenen Anspr├╝che gutzuhei├čen. "Was ist, wenn die Leute nicht mehr arbeiten wollen, m├╝ssen dann aber f├╝r ihre Rente all die Jahre noch dranh├Ąngen und machen dann Dienst nach Vorschrift? Das ist keine L├Âsung f├╝r unsere Wirtschaft und keine L├Âsung f├╝r unsere Gesellschaft", bekr├Ąftigte er seinen Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Dabei d├╝rfe niemand schlechtergestellt werden als im aktuellen Sozialstaat. Schnitzers Einwand, dass die von Precht geforderten 1.400 Euro in einer Gro├čstadt aber viel weniger wert sind als im l├Ąndlichen Raum, lie├č der Philosoph nicht gelten. "Das sind so eine Reihe von Mikroungerechtigkeiten", meinte er. "Ja, in M├╝nchen ist das Leben teuer als in Mecklenburg-Vorpommern, das ist schon richtig. Daf├╝r lebe ich halt in M├╝nchen. Das habe ich mir mehr oder weniger so ausgesucht."

Die Frage nach der Finanzierung eines Grundeinkommens

Aber wie sollen 1.400 Euro f├╝r alle Erwachsenen finanziert werden? Precht pl├Ądierte daf├╝r, Finanztransaktionen mit einem geringen Prozentsatz zu besteuern. Das w├╝rden normale Verbraucher kaum zu sp├╝ren bekommen, Million├Ąre hingegen schon, sodass ├╝ber diese Geb├╝hren letztlich die an Reiche gezahlten Grundeinkommen wieder in die Staatskasse gelangten.

Schnitzer, eines von vier Mitgliedern des Sachverst├Ąndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sah auch diesen Vorschlag kritisch. In Italien oder Frankreich seien die Ertr├Ąge durch ├Ąhnliche Geb├╝hren weit unter den Erwartungen geblieben, da die Finanzm├Ąrkte auf andere Methoden ausgewichen seien. "Das wei├č ich nat├╝rlich, weil ich mich seit zehn Jahren mit dem Thema besch├Ąftige", wies Precht die ├ľkonomin zurecht.

Precht kontra Wirtschaftsweise

├ťberhaupt hatte es an diesem Abend den Anschein, als ob sich Lanz und Precht weitgehend in ihrem gemeinsamen Podcast w├Ąhnten. Die anderen G├Ąste schienen h├Ąufig eher zu st├Âren ÔÇô vor allem dann, wenn sie mit der Meinung der Duzfreunde nicht ├╝bereinstimmten. Die Wirtschaftsweise Schnitzer etwa widersprach Precht, als der meinte, niemand w├╝rde heutzutage 67-J├Ąhrige einstellen. "Da hat er doch recht", sagte Lanz. "Nein, er hat nicht recht. Wir brauchen die Leute", hielt die LMU-Professorin dagegen. "Wo, machen Sie es konkret", forderte Lanz wiederholt. "Da, wo wir die Fachkr├Ąfte brauchen", erwiderte die ├ľkonomin. "In der Altenpflege. Wollen Sie jetzt 75-J├Ąhrige von 68-J├Ąhrigen pflegen lassen?", echauffierte sich der Philosoph.

├ľkonomin: Bekannte haben B├╝rojobs im Rentenalter

Schnitzer verwies auf eigene Bekannte, die im Rentenalter wieder arbeiten gegangen seien, etwa in B├╝rojobs bei Beh├Ârden. "Tats├Ąchlich arbeiten viele Rentner als Berater f├╝r Unternehmen auf selbstst├Ąndiger Basis", warf Kenza Ait Si Abbou, Managerin bei IBM, ein. "Das ist doch die Ausnahme", wischte Lanz auch diesen Einwand beiseite. Precht blieb dabei: "In dieser reichsten ├ťberflussgesellschaft, die die Welt je gesehen hat, m├╝ssen wir nur wegen unseres Rentensystems und nicht wegen irgendeines anderen Grunds die Leute jetzt immer l├Ąnger arbeiten lassen. Das ist eine v├Âllige Paradoxie."

Technologie als "zwischenmenschliche Katastrophe"

Ait Si Abbou kam in dieser Runde nur selten zu Wort. Die Expertin f├╝r K├╝nstliche Intelligenz und Robotik stie├č mit ihrem Pl├Ądoyer f├╝r eine bedeutsamere Rolle von Technologie in neuen, zwischenmenschlichen Bereichen bei Lanz und Precht auf Widerwillen, wenn nicht schon Ekel. Eine flauschige Roboterrobbe zum Streicheln f├╝r einsame Menschen im Altersheim? Eine zwischenmenschliche "Katastrophe", meinte Precht. Sich von einem Roboter im Restaurant das Getr├Ąnk bringen lassen? "Das w├Ąre nicht die Erlebnisgastronomie, die ich mir vorstelle", sagte Lanz. So etwas w├╝rde er sich h├Âchstens im Fast-Food-Restaurant gefallen lassen, pflichtete ihm sein Freund bei. "Dann muss man es sich leisten k├Ânnen, in einem Restaurant zu speisen, wo Leute besser bezahlt werden", erwiderte Schnitzer.

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