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Der Kormoran beschäftigt nun die Bundespolitik


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Der Kormoran beschäftigt nun die Bundespolitik

Von dpa
Aktualisiert am 23.06.2024Lesedauer: 3 Min.
KormoranVergrößern des BildesGut ein halbes Kilo Fisch kann der Kormoran laut Experten am Tag verspeisen. (Quelle: Felix Kästle/dpa/dpa-bilder)
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Ein halbes Kilo Fisch kann ein Kormoran am Tag fressen. Ob am Bodensee oder an der Ostsee: Fischer klagen über den Jagdvogel, der zu den geschützten Arten zählt. Das ist nun Thema im Bundestag.

Der als Fischräuber verschriene Kormoran wird zum Thema für die Politiker im Bundestag. Auf Antrag der CDU/CSU-Fraktion findet an diesem Mittwoch eine öffentliche Anhörung im Bundestagsausschuss für Umwelt dazu statt, bei der auch der Chef der Fischereiforschungsstelle, Alexander Brinker, sprechen soll.

Gefordert wird ein umfassendes Kormoran-Management, das den geschützten Jagdvogel stoppen soll. Fraktionschef Friedrich Merz und CSU-Kollege Alexander Dobrindt stehen unter dem Antrag. Die Initiative stammt aber vom Bodensee.

Fangeinbußen bei Fischern am Bodensee

"Der Kormoran ist schon längst keine gefährdete Art mehr hierzulande", erklärte der Initiator, der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Mayer-Lay, der aus Überlingen am Bodensee stammt. Der Vogel habe sich in den letzten Jahren rasant vermehrt und sei so zur landesweiten Plage geworden.

Bodenseefischer würden über Fangeinbußen klagen. Teichwirte und Gastronomen aus seinem Wahlkreis am Bodensee hätten ihn auch auf das Problem aufmerksam gemacht. "Deren Hilfegesuch nahm ich zum Anlass, auf Bundesebene die Initiative zu ergreifen."

Gut ein halbes Kilo Fisch können die dunklen Zugvögel laut Experten am Tag verspeisen. Diskutiert wird schon lange ein sogenanntes Kormoran-Management, das rund um den Bodensee gelten könnte. Wie genau dem Vogel Einhalt geboten werden soll, das ist auch nach einem fast einjährigen Dialogprozess mit 70 Einzelgesprächen, vier ganztägigen Foren und mehr als 80 Konsensformulierungen noch nicht klar.

Auch Ostseefischer unzufrieden

Der Kormoran ist nicht nur in Süddeutschland ein Thema. Die FDP hatte es Anfang dieses Jahres in Mecklenburg-Vorpommern versucht. Der Verband der Binnenfischer hatte dort auch eine Abschussprämie ins Gespräch gebracht. "Wir haben die teilweise absurde Situation, dass in der Ostsee inzwischen mehr Dorsche von Kormoranen gefressen als von Berufsfischern gefangen werden", hatte der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Gero Hocker, am Rande des Deutschen Fischereitags im vergangenen Herbst berichtet.

Das Problem: Der Jagdvogel ist eine EU-weit geschützte Art. Doch die Zahl der Kormorane steigt laut Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg immer weiter an.

Das sagen Naturschützer

Naturschützer sind gegen einen systematischen Abschuss oder andere Vergrämungsmaßnahmen. Eine Abnahme des Bestands würde den Fischern nicht nützen, sondern nur den Vögeln schaden, sagte etwa Eberhard Klein vom Nabu in Konstanz. Es gebe schon ein Kormoran-Management, seit mehr als 20 Jahren würden die Jagdvögel am Bodensee geschossen.

"Wie wir an den Klagen der Fischer sehen können: Es nützt nichts", betonte er. Den Fischern und Fischen gehe es nach wie vor schlecht. Der Kormoran sei nur ein ganz kleiner Faktor. Vor allem die Erwärmung des Gewässers und eingewanderte Arten seien verantwortlich. "Vom Schießen auf Kormorane wird sich daran nichts ändern", so Klein.

Drohnenabwehr?

Eine andere Idee ist ein sogenanntes Brutmanagement. Drohnen könnten in den Gebieten, in denen die Vögel in den Baumkronen brüten, zu den Nestern fliegen und die Eier mit Öl besprühen, um so ein Ausbrüten zu verhindern. Das sei eine bewährte Methode in anderen Ländern und nur ein kleiner Eingriff in die Natur, wie Experten erklärten. Es gibt auch Vorschläge, die echten Eier durch Gips-Eier auszutauschen. Pilotversuche sollen laut Umweltministerium kommen.

Letztlich sei es eine Frage der Verhältnismäßigkeit, sagte der Bundestagsabgeordnete Mayer-Lay. Der anhaltende Schutzstatus des Wasservogels sei angesichts aktueller Bestände von mehr als 20.000 Brutpaaren in Deutschland überholt.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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