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Gorleben: Radioaktive Strahlenwerte weiter umstritten

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Streit um Höhe der radioaktiven Strahlung in Gorleben

24.11.2011, 08:05 Uhr

Gorleben: Radioaktive Strahlenwerte weiter umstritten. Umweltschützer misstrauen den offiziellen Strahlenwerten (Quelle: dpa)

Umweltschützer misstrauen den offiziellen Strahlenwerten (Quelle: dpa)

Der Streit um die Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben reißt nicht ab. In einem internen Vermerk der Gesellschaft für Reaktorsicherheit vom 30. August heißt es, die Messungen der Gammastrahlung seien mit hohen Unsicherheiten verbunden. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages. Es fehle jegliche "kritische Auseinandersetzung mit Unsicherheiten und Fehlergrenzen". Das berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Das Zwischenlager darf pro Jahr höchstens eine Strahlendosis von 0,3 Millisievert abgeben. Ab einer Dosis von 0,27 Millisievert dürfen keine weiteren Behälter eingelagert werden.

Landesbetrieb misst hohe Neutronenstrahlung

Das messtechnische Hindernis für den letzten Transport von hochradioaktivem Atommüll aus Frankreich nach Gorleben steht am nördlichen Zaun des Zwischenlagers: Dort ragt eine hüfthohe Metallstange aus der Erde. Sie endet in einer gut 20 Zentimeter großen, hellen Kugel, unter der noch ein kleiner grüner Zylinder hängt. Es handelt sich um die Messstelle des niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, die bis Juni eine so hohe Neutronenstrahlung aus dem Zwischenlager registrierte, dass der nun erwartete Castor-Transport infrage stand.

Die helle Kugel enthält einen Kristall, der sich unter Einfluss von Neutronenstrahlung verändert und so nach und nach die Dosis der vom Zwischenlager abgegebenen Neutronen misst. Der kleine grüne Zylinder wiederum registriert die Dosis der Gammastrahlen. Für das erste Halbjahr hatte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft hier allein eine Neutronendosis von 0,141 Millisievert erfasst. Insgesamt darf das Zwischenlager pro Jahr aber nur maximal 0,3 Millisievert an Neutronen- und Gammastrahlung abgeben.

Angeblich hauchdünn unter dem Grenzwert

Weil der zulässige Wert überschritten zu werden drohte, ordnete das Umweltministerium in Hannover zusätzliche Messungen durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) an, schaltete einen TÜV-Experten als Gutachter ein und prognostizierte am Ende, dass die Gesamtdosis aus dem Zwischenlager auch nach der Einlagerung der jetzt erwarteten elf weiteren Behälter am Ende des Jahres bei 0,235 Millisievert und damit doch unter dem Grenzwert liegen werde.

Erst vor zwei Wochen ging beim Betreiber des Zwischenlagers, der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), die Zustimmung des Ministeriums zur Einlagerung der elf weiteren Castoren ein; damit erhielt der Transport aus Frankreich endgültig grünes Licht. Die GNS hatte allerdings schon zuvor behauptet, dass die Strahlung aus dem Castor am Zaun des Zwischenlagers unter dem Grenzwert liege.

"Realistische Strahlenwerte" bei der Betreibergesellschaft

Neben dem kugelförmigen Messgerät des Landesbetriebes befindet sich das Messhaus 2 der GNS. Beide Messstellen kontrollieren die Strahlung in jener Region des Zwischenlagerzaunes, die dem Nordende der Castor-Halle am nächsten liegt. Im nördlichen Bereich der Halle stehen auch die bislang angelieferten 102 Behälter mit hochradioaktivem Müll.

Anders als der Landesbetrieb bestimmt die GNS in ihrem Messhaus die Strahlung laufend und errechnet daraus die Dosis am Tag, im Monat oder Jahr. "Wir liegen dort schon lange konstant bei einer Dosis um 0,2 Millisievert pro Jahr", sagt der örtliche GNS-Strahlenschützer Hartmut Schulze. Die GNS messe dort "realistische Strahlenwerte", vielleicht seien die Messungen des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft etwas konservativer.

Stammen Gammastrahlen aus Schotter?

Vor dem Messhaus führt ein erdig brauner und mit Schotter befestigter Weg am Zaun entlang. Der Schotter enthält Kalium, das von Natur aus leicht radioaktiv ist und etwas Gammastrahlung abgibt. Zumindest nach Auffassung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt hat der Schotter die Strahlenmessungen des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft verfälscht. Die PTB kam nach eigenen Messungen an dem Weg und nach Untersuchungen des Schotters zu dem Ergebnis, dass die vom Landesbetrieb an der fraglichen Stelle gemessene Gammastrahlung nicht aus dem Zwischenlager, sondern vor allem aus dem Schotter stammt. Die dort gemessene Gammadosis liege im Bereich der in der Region üblichen natürlichen Gammadosis, stellte die PTB fest.

Das Umweltministerium schloss sich dieser Auffassung an und konnte so dem Transport die Zustimmung erteilen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace führte mit Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) und dessen Experten zwei lange Gespräche über die Strahlung am Zwischenlager. Dennoch geht Greenpeace weiter davon aus, "dass der Grenzwert überschritten wird". Die Organisation erwartet eine Jahresdosis aus dem Zwischenlager von 0,305 Millisievert.

Greenpeace hält es für unzulässig, dass der Wert für die Gammastrahlung aus dem Zwischenlager fast bei Null angesetzt wurde. "Die Behörden rechnen sich die Daten so hin, dass es für eine Einlagerung weiteren Atommülls reicht", sagte Greenpeace-Experte Roland Hipp. Es würden immer genau die Daten herangezogen, die zum gewünschten Ergebnis führten. Auf die großen Unsicherheiten bei der Bestimmung der Gammadosis aus dem Zwischenlager wiesen mittlerweile auch eine Ausarbeitung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages und ein Vermerk der Gesellschaft für Reaktorsicherheit hin.

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