Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland >

Polizei und Feuerwehr proben Anti-Terror-Einsatz

"Tätern angemessen entgegentreten"  

Polizei und Feuerwehr proben Anti-Terror-Einsatz

11.06.2017, 17:28 Uhr | Harald Hartmann , dpa

Polizei und Feuerwehr proben Anti-Terror-Einsatz. Polizisten sichern bei einer Terror-Übung die Lage. (Quelle: dpa/Boris Roessler)

Polizisten sichern bei einer Terror-Übung die Lage. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Das Szenario klingt nur zu vertraut: Ein Mann rast mit einem Lastwagen ungebremst in einen Biergarten, hinterlässt eine Schneise der Zerstörung, dann greift er zur Schusswaffe und stürmt in ein benachbartes Gebäude. Was an die Terroranschläge von Nizza und Berlin, von Stockholm und London erinnert, war an diesem Sonntag in Koblenz nur ein Übungsszenario.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste probten gemeinsam auf dem Gelände der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule die Reaktion auf einen derartigen Angriff. Es war die größte Übung dieser Art in Rheinland Pfalz.

Rettungskräfte trainieren die Bergung von Verletzten. (Quelle: dpa/Harald Titte)Rettungskräfte trainieren die Bergung von Verletzten. (Quelle: Harald Titte/dpa)

Reaktion auf neue Gefahrenlage

So stürmen im ersten Teil der Großübung Beamte in Schutzausrüstung das Gebäude, um die Sicherheit der "Bewohner" zu gewährleisten und den "Täter" festzunehmen. "Bisher haben Feuerwehr, Polizei Katastrophenschutz und Rettungsdienste getrennt geübt. Wir haben die Gelegenheit zu einer gemeinsamen Übung gerne genutzt, weil sich die Gefahrenlage verändert, und wir sehen müssen, wie die Zusammenarbeit klappt, wo Verbesserungen nötig sind und wo etwas geändert werden muss", sagt Uli Hoppen, der Sprecher der Koblenzer Polizei.

Im zweiten Teil üben Feuerwehrleute, Sanitäter und Notärzte, dutzende Opfer zu versorgen. Insgesamt 270 Nachwuchs-Einsatzkräfte mit 65 Fahrzeugen aus ganz Rheinland-Pfalz sind dazu nach Koblenz gekommen.

Neue Schutzausrüstung getestet

Ursprünglich war der Lkw im Biergarten Teil eines Unfall-Szenarios für Katastrophenschutz und Rettungskräfte. Unter dem Eindruck der Terroranschläge der jüngsten Zeit wurde daraus eine Anti-Terrorübung mit Polizei. Außer den eingesetzten 81 Polizisten sind 80 Studenten der Polizei-Hochschule als Statisten und Terror-Opfer im Einsatz.

Anti-Terror-Übung in Koblenz: Polizei soll bessere Ausstattung zur Verfügung gestellt bekommen. (Quelle: dpa/Harald Titte)Anti-Terror-Übung in Koblenz: Polizei soll bessere Ausstattung zur Verfügung gestellt bekommen. (Quelle: Harald Titte/dpa)

Der Terror, der vor allem dort zuschlägt, wo sich viele Menschen aufhalten, hat auch die Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz alarmiert. Bei Großveranstaltungen beispielsweise in der Landeshauptstadt gehören daher Polizisten mit Maschinenpistolen, Betonsperren und Müllfahrzeuge als Straßenblockaden zum Alltag. Innenminister Roger Lewentz (SPD) will die Spezialkräfte der Polizei aufrüsten. Dazu zählen bessere Schutzwesten, Zielfernrohre für Waffen, Helme und kugelsichere Schutzdecken.

Teil der neuen Schutzausrüstung ist eine rund zehn Kilo schwere Schutzweste mit Keramikprotektoren, die auch Kriegswaffen standhalten soll, ein Titanhelm, der vor Geschossen aus Handfeuerwaffen schützt und ein neues, automatisches Gewehr. "Ein kompletter Rundumschutz ist auch damit nicht gewährleistet", schränkt Timo Müller, Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei Koblenz, ein. Die Ausrüstung sei ein Kompromiss, "weil man sich auch darin bewegen können muss. Und das kann man trotz des Gesamtgewichts von rund 14 Kilo."

Auch gezielte Todesschüsse denkbar

Die heutige Gefahrenlage sei nicht mehr mit derjenigen von vor wenigen Jahren vergleichbar, erläutert der Leitende Polizeidirektor Christoph Semmelrogge, Leiter der Abteilung Polizeieinsatz bei der Polizei Koblenz: "Die Täter nutzen heute auch Kriegswaffen und sie sind oft nicht daran interessiert, zu überleben. Entsprechend müssen wir unsere Taktik und Vorgehensweise ändern. Und wir mussten unsere Sicherheitssysteme anpassen, um möglichen Tätern angemessen entgegentreten zu können."
Um Opfer zu vermeiden, sei entgegen der üblichen Strategie der Deeskalation auch ein offensives Vorgehen denkbar - bis hin zum gezielten Todesschuss.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal