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Belgisches Problem-AKW: "Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen"

AKW an deutscher Grenze  

"Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen"

13.04.2018, 18:04 Uhr | dru, t-online.de, dpa

Belgisches Problem-AKW: "Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen". AKW Tihange bei Huy in Belgien: Tausende kleine Risse im Reaktorbehälter entdeckt. (Quelle: dpa/Oliver Berg)

AKW Tihange bei Huy in Belgien: Tausende kleine Risse im Reaktorbehälter entdeckt. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

Seit Jahren sorgen sich Bürger und Kommunen um die Sicherheit des belgischen AKW Tihange 2. Wissenschaftler fordern nun die Abschaltung. Der Betreiber widerspricht.

Der umstrittene belgische Atommeiler Tihange 2 muss nach Ansicht von Experten vom Netz. Bei einer Fachkonferenz in Aachen sprachen sich Wissenschaftler der internationalen Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten (Inrag) dafür aus, das rund 70 Kilometer von Aachen entfernte Kraftwerk abzuschalten. „Das gilt, solange der Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter nicht erbracht ist“, sagte der Physiker und Kernenergie-Experte Wolfgang Renneberg.

Der Wissenschaftler prangerte eklatante Fehler bei der Errichtung des Meilers an. "Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen", sagte Renneberg, früher Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium. Darum werde sehr auf die Qualität des Stahls und des Materials geachtet. "Jetzt hat man den absoluten Sonderfall, dass hier bei einem Reaktordruckbehälter diese Prinzipien offensichtlich verletzt worden sind."

Rennebergs Fazit: "Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen."

Kraftwerk verletzt internationale Sicherheits-Maßstäbe

Tihange 2 steht in der Kritik, seit 2015 tausende feine Risse am Reaktorbehälter entdeckt worden waren. Deren Herkunft ist nach Ansicht der Fachtagung in Aachen nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt. Das Kraftwerk verletzte international anerkannte Sicherheits-Maßstäbe, erklärten die Wissenschaftler. Am Samstag wollen sie eine gemeinsame Erklärung verabschieden.

Umweltverbände, aber auch Kommunen und Politiker drängen seit Jahren auf eine Abschaltung und nähere Überprüfung des Meilers. Die Bundesregierung hatte Belgien gebeten, Tihange 2 vorerst vom Netz zu nehmen. Wegen der Risse wüssten deutsche Fachleute nicht, ob die Meiler auch im Störfall sicher seien.

Die belgische Atomaufsicht sah bisher keinen Grund für eine Abschaltung: Tihange 2 und auch Doel 3 bei Antwerpen, in dem es ebenfalls Risse gibt, seien sicher. Der Betreiber Electrabel betonte, die Wiederinbetriebnahme der beiden Problem-Reaktoren sei nach einer besonders umfangreichen wissenschaftlichen Analyse durch Dutzende von unabhängigen nationalen und internationalen Experten genehmigt worden. Tihange 2 war nach Entdeckung der Risse 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, ging aber 2015 wieder ans Netz.

Jodtabletten in NRW verteilt

In der deutschen Grenzregion ist die Verunsicherung groß. Eine Verteilaktion für Jodtabletten stieß im vergangenen Herbst auf große Resonanz. Binnen weniger Tage nahmen rund 100.000 Menschen die Chance wahr, sich mit den hoch dosierten Jodpillen zu versorgen.

Die Landesregierung von NRW hatte als Vorsichtsmaßnahme auf die Verteilung gedrungen, weil sie bezweifelt, dass dies im Ernstfall rechtzeitig gelingen kann. Jodtabletten sollen verhindern, dass die Schilddrüse radioaktives Jod aufnimmt.

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