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Jakiv Palij: Vorermittlungen gegen mutmaßlichen SS-Schergen

KZ-Aufseher Jakiv Palij  

Der SS-Mann, den niemand haben will

23.05.2018, 12:55 Uhr | Martin Küper

Jakiv Palij: Vorermittlungen gegen mutmaßlichen SS-Schergen. Lagerleiter Karl Streibel (M.) im Zwangsarbeitslager Trawniki: Jakiv Palij war hier zum SS-Mann ausgebildet worden. (Quelle: Wikimedia)

Lagerleiter Karl Streibel (M.) im Zwangsarbeitslager Trawniki: Jakiv Palij war hier zum SS-Mann ausgebildet worden. (Quelle: Wikimedia)

Jakiv Palij gilt als letzter lebender SS-Scherge in den USA. Washington will ihn schon länger loswerden, doch kein Land will ihn aufnehmen. Vor Gericht wird er wohl auch nie kommen.

Die Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg hat Vorermittlungen gegen den 94-jährigen Jakiv Palij aufgenommen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Der gebürtige polnische Staatsbürger lebt seit 1949 in den USA. Palij wurde während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Trawniki im damaligen Ostpolen zum SS-Mann ausgebildet. Im Frühjahr 1943 soll er an der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Getto beteiligt gewesen sein.

Ermittlungen gegen Palij wird es aber wohl nicht geben: "Aus unserer Sicht reicht die Beweislage im Fall Palij nicht aus, um den Tatverdacht hinsichtlich Mord oder Beihilfe zum Mord zu erhärten", zitiert "Bild" Jens Rommel, Chef der Ludwigsburger Zentralstelle. "Die bloße Mitgliedschaft in der SS oder die Ausbildung in Trawniki sind als solche nach deutschem Recht nicht strafbar." Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte demnach schon 2015 gegen Palij ermittelt, das Verfahren aber mangels Beweisen eingestellt.

Kein Land will ihn haben

Laut dem US-Magazin "The Daily Beast" ist Palij der letzte lebende SS-Scherge in den USA. Bei seiner Einreise 1949 verschwieg Palij seine Vergangenheit in Diensten des Nazi-Regimes und gab sich als Landwirt aus. 1957 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft. Diese wurde ihm 2003 entzogen, nachdem bekannt geworden war, dass er seine SS-Vergangenheit verschwiegen hatte. Seit 2005 versuchen die US-Behörden, Palij abzuschieben, aber vergeblich. Weder Polen noch die Ukraine – dort liegt sein Geburtsort heute – noch Deutschland wollen Palij aufnehmen.

Die Begründung der Bundesregierung lautet nach Angaben von "Bild", dass Palij nie deutscher Staatsbürger war und es einen Haftbefehl wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord nicht gebe. Laut "Bild" wandten sich zuletzt im August 2017 mehrere US-Parlamentarier in einem Brief an den damaligen Außenminister Rex Tillerson mit der Aufforderung, Palij endlich abzuschieben. Die US-Botschaft in Berlin sei daraufhin immer wieder im Auswärtigen Amt vorstellig geworden, aber ohne Erfolg.

Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 7.000 Fällen

Eli M. Rosenbaum, Sonderermittler des US-Justizministeriums, warf Palij im Jahr 2003 vor, an der Ermordung von bis zu 7.000 Menschen im Lager Trawniki beteiligt gewesen zu sein. "Er sorgte dafür, dass die Insassen nicht entkommen konnten und das Ergebnis war, dass bis zu 7.000 Menschen massakriert wurden", so Rosenbaum damals zur "New York Times". Palij selbst sagte der Zeitung, er sei gezwungen worden, für die SS zu arbeiten und habe nicht an Verbrechen teilgenommen.

John Demjanjuk im November 2009 im Landgericht München: Der gebürtige Ukrainer wurde wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 28.000 Fällen schuldig gesprochen. (Quelle: imago images)John Demjanjuk im November 2009 im Landgericht München: Der gebürtige Ukrainer wurde wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 28.000 Fällen schuldig gesprochen. (Quelle: imago images)

Zuletzt wurde im Jahr 2009 der gebürtige Ukrainer und spätere US-Bürger John Demjanjuk von den USA nach Deutschland ausgeliefert. Das Landgericht München II verurteilte den damals 91-Jährigen im Mai 2011 zu fünf Jahren Gefängnis wegen Beihilfe zum Mord in 28.060 Fällen. Demjanjuk war als SS-Wachmann in den Vernichtungslagern Sobibor und Treblinka eingesetzt. Obwohl ihm keine konkrete Tat individuell zugeschrieben werden konnte, betrachtete ihn das Gericht als "Teil der Vernichtungsmaschinerie". Demjanjuk starb zehn Monate nach der Verkündung des Urteils, ohne dass dies rechtskräftig wurde.

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