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Facebook schließt die Seiten von Russlands heimlicher Medienzentrale

Gesteuert aus Berlin  

Facebook schließt die Seiten von Russlands heimlicher Medienzentrale

Von Lars Wienand, Jan-Henrik Wiebe

18.02.2019, 18:04 Uhr
Facebook schließt die Seiten von Russlands heimlicher Medienzentrale. Dicht gemacht: Facebook hat vier Seiten vorläufig geschlossen, auf denen Ableger des russischen Staatsmedienkonzerns virale Videos verbreitet haben. Diese Verbindung war für Nutzer nicht ersichtlich. (Quelle:  t-online.de/Nour Alnader)

Dicht gemacht: Facebook hat vier Seiten vorläufig geschlossen, auf denen Ableger des russischen Staatsmedienkonzerns virale Videos verbreitet haben. Diese Verbindung war für Nutzer nicht ersichtlich. (Quelle: t-online.de/Nour Alnader)

Facebook hat mehrere von Berlin aus gesteuerte Seiten geschlossen. Es geht um fehlende Transparenz. t-online.de hatte die Verflechtungen mit dem russischen Staat enthüllt.

Vier Millionen Fans und 2,5 Milliarden Videoaufrufe auf Facebook – weg: Margarita Simonyan, Chefredakteurin von RT (ehemals Russia Today) und beim staatlichen russischen Medienkonzern Rossija Sewodnja, twitterte die Nachricht am Montag nüchtern. Mark Zuckerbergs Unternehmen hat mehrere Seiten dicht gemacht, die aus Berlin gesteuerte Ableger der russischen Regierungsmedien sind.

Die Begründung ist offenbar, dass in den Profilen die Verbindungen zum russischen Staat verschleiert werden. Es geht dabei vor allem um den Kanal "In the Now", der zuletzt rund vier Millionen Fans auf Facebook hatte – deutlich mehr als etwa "Bild" oder "Spiegel Online". Videos werden nur für soziale Netzwerke produziert, Facebook ist der wichtigste Kanal.

Berliner Büro an der gleichen Adresse wie Facebook

Betroffen sind auch der Geschichtskanal "Backthen", die Seite "Waste-ED" mit Beiträgen zu Umweltthemen und "Soapbox" mit vor allem tagesaktuellen Beiträgen zu politischen Themen. Alle haben gemeinsam: Sie gehören zum Netzwerk der russischen Staatsmedien, Kritik in ihren Beiträgen richtet sich überwiegend gegen den Westen – und die mögliche Agenda ist für Zuschauer überhaupt nicht ersichtlich. 

Die Kanäle von Ruptly, Redfish und "In the Now" erreichen teilweise Millionen von Menschen. (Quelle: Statista)Die Kanäle von Ruptly, Redfish und "In the Now" erreichen teilweise Millionen von Menschen. (Quelle: Statista)

Die Spur führt an eine Adresse, unter der kurioserweise auch Facebook große Büroflächen für sein deutsches Hauptstadtbüro bezogen hat: Kemperplatz 1, ein Bürohochhaus im Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin. Dort sitzt inzwischen die Maffick GmbH, deren Anteile zu knapp 51 Prozent von der Ruptly TV GmbH gehalten werden, die wiederum zu RT (ehemals Russia Today) gehört und Teil des staatlichen russischen Medienkonzerns ist. Der andere Minderheitsgesellschafter von Maffick ist die ehemalige RT-Mitarbeiterin Anissa Naouai.

Von diesen Verbindungen erfahren Facebook-Nutzer nichts. Auch bei Instagram wird nur zum YouTube-Kanal verlinkt, der dann wie der Twitter-Kanal wiederum zum Facebook-Kanal leitet. Kein Impressum, kein Hinweis auf die Firma dahinter. 

CNN stützt sich auf t-online.de-Recherchen

t-online.de hatte im Oktober mit einem Artikel über "Russlands heimliche Medienzentrale in Europa" die Hintergründe der neuen Angebote öffentlich gemacht. Ruptly und Maffick hatten damals ein gemeinsames Klingelschild in Berlin. Weitere Recherchen enthüllten zudem, dass die Homepage inthenow.media, die zur gleichnamigen Facebook-Seite führt, in der Region Moskau von einem staatlichen Medium registriert worden ist.

CNN stützte sich auf diese Recherchen, als es in den USA zu den Inhalten der Kanäle recherchierte. Nachdem für US-Sicherheitsbehörden feststeht, dass Russland auf die US-Präsidentenwahl Einfluss genommen hat, ist die Sensibilität hoch und die sozialen Netzwerke stehen unter Druck.

Am Freitag zeigte der US-Sender seine Story "Russland fördert eine Firma für Viral-Videos, die sich an amerikanische Millenials richtet". Noch vor der Veröffentlichung hatte Facebook bereits reagiert: Die Seiten wurden gesperrt, die Richtlinien zur Transparenz von Seiten sollen zudem überarbeitet werden, teilte ein Sprecher CNN mit.

Die Seiten könnten jedoch wieder geöffnet werden. Eine Facebook-Sprecherin teilte t-online.de mit, man werde die Verantwortlichen der Maffick-Seiten auffordern, zusätzliche Informationen und Verbindungen zur Muttergesellschaft anzugeben, um wieder auf der Plattform sein zu können. Facebooks Richtlinien schreiben das bisher allerdings nicht klar vor.

"Wir haben keinerlei Regeln von Facebook verletzt", heißt es von Maffick in einer Stellungnahme, die Chefin Anissa Naouai verbreitet hat. Sie antwortete auf eine Anfrage von t-online.de, man habe Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt und warte auf Antwort, was man tun könne.

Maffick beklagt, CNN habe Facebook zu einer "beispiellosen Zensur" gedrängt. Einziger Grund der Sperrung sei, dass es in ihrem Fall die russische Regierung sei, die Geld in das Angebot stecke, so das Statement.

"Redfish" verlinkt Impressum und darf bleiben

Allerdings verlinken Auslandssender wie Radio Free Europe/Radio Liberty oder die Deutsche Welle auf ihre Internetauftritte und vermitteln nicht gezielt den Eindruck, neue, hippe Angebote unabhängiger Anbieter zu sein. Die auf virale Verbreitung getrimmten Beiträge der Maffick-Kanäle dagegen schon. 

Facebook hat auch den Kanal "Redfish" verschont, ein weiteres Angebot aus dem Umfeld der russischen Staatsmedien. Redfish verlinkt allerdings auf Facebook zumindest das Impressum der Firma redfish GmbH mit Adresse in der Sophienstraße in Berlin, eine hundertprozentige Ruptly-Tochter. Über sich schrieb die Firma, man sei ein "Medienunternehmen, das kritische Ermittlungs- und kollaborative Kurzdokus entwickelt, um soziale und wirtschaftliche Veränderungen anzuregen."


Diesen Kanal hatte Facebook auch schon im Visier: t-online.de-Recherchen zufolge hatte das Netzwerk die bezahlte Werbung für ein Video mit dem Titel "Die vergessene Kolonie: Puerto Rico" gestoppt. Der Konzern stufte das Video als politische Werbung ein und unterband die auf Südamerika zielende Reklame, da unklar war, woher das Geld dafür stammt. 

Dieser Text wurde nach Antworten von Anissa Naouai und Facebook aktualisiert.

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