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Schüsse in Hanau – elf Tote, mehrere Verletzte: "Ein Horrorszenario für alle"

"Ein echtes Horrorszenario für uns alle"  

Schüsse in Hanau – elf Tote, mehrere Verletzte

20.02.2020, 10:33 Uhr | Carolin Eckenfels und Jörg Fiene, dpa

Tödliche Schüsse in Hessen: Elf Menschen sterben in Hanau

Durch Schüsse sind im hessischen Hanau elf Menschen getötet worden. Der mutmaßliche Täter und seine Mutter wurden tot in einer Wohnung aufgefunden. (Quelle: t-online.de)

Anschlag in Hanau: Das ist über den Tathergang und den mutmaßlichen Täter bekannt. (Quelle: t-online.de)


Ein bewaffneter Angriff auf mehrere Lokale erschüttert Hanau. Mindestens elf Menschen sterben, weitere Menschen werden schwer verletzt. Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter endet erst nach Stunden. In der Stadt herrscht Entsetzen.

Neun Menschen sind am Mittwochabend in Hanau erschossen worden. Stunden nach dem Verbrechen an zwei unterschiedlichen Tatorten entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung in Hanau. Bei dem Mann handelt es sich um den 43-jährigen Deutschen Tobias R. Neben ihm fanden Spezialkräfte noch eine weitere tote Person, nach Polizeiangaben die Mutter des Mannes. Insgesamt kamen damit elf Menschen am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag ums Leben.

Aktuelle Entwicklungen in Hanau im Newsblog

Nach Angaben von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) handelte der mutmaßliche Täter aus einem fremdenfeindlichen Motiv. Vor dem Gewaltverbrechen hatte der mutmaßliche Schütze eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. Der Mann soll legal im Besitz einer Waffe und Sportschütze gewesen sein – polizeilich in Erscheinung getreten war er bislang nicht. Auch gebe es keine Hinweise auf weitere Täter, berichtete die Polizei auf Twitter.

Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22.00 Uhr. Am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt blicken Passanten später in der Nacht immer wieder fassungslos auf die Szenerie am abgesperrten Tatort. Nicht weit entfernt in einer Seitenstraße liegen Patronenhülsen auf dem Fußweg, auch hier ist noch unklar, was genau passiert ist.

Nur rund zwei Kilometer davon entfernt im Stadtteil Kesselstadt befindet sich ein weiterer Tatort. Dort wurden ebenfalls Schüsse abgefeuert. Eine mögliche dritte Schießerei im Stadtteil Lamboy bestätigte sich nicht. Die Polizei war aber auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort.

Später in der Nacht kreist ein Polizeihubschrauber über Hanau. Die Informationen fließen nur spärlich. Von der Polizei heißt es nur, vom Tatort Heumarkt sei ein dunkles Fahrzeug davongefahren.

So ein Verbrechen hat diese Stadt noch nie erlebt

Es ist ein Verbrechen, das die beschauliche Stadt wenige Kilometer östlich von Frankfurt in ihrer jüngeren Geschichte noch nicht erlebt hat. Einer der Tatorte ist eine Shisha-Bar am Heumarkt, einer Straße, die etwas am Rande der Innenstadt von Hanau mit seinen rund 100.000 Einwohnern liegt. Am späten Mittwochabend ist sie geprägt von Polizeisirenen, Blaulicht und Absperrband.

Die Polizei fordert Passanten und Schaulustige auf, den Bereich zu verlassen. Beamte mit Maschinenpistolen sichern die Umgebung ab. Menschen stehen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinen. In der Gegend kurven wuchtige Sportkarossen umher.

Männer versammeln sich in mehreren Grüppchen nahe der Absperrungen. Die Stimmung pendelt zwischen Entsetzen, Sprachlosigkeit und Wut. Eine laut wehklagende Frau wird von Sanitätern in ein nahe gelegenes Hotel gebracht. Dort sitzen später im Frühstücksraum noch weitere Frauen versammelt, mit Tränen in den Augen.

Ermittler und Spurensicherung arbeiten durch die Nacht

Die Nachricht von den Schüssen hat sich schnell über die Sozialen Medien verbreitet. Anwohner posten mutmaßliche Videos vom Tatort, offenbar kurz nach der Tat aufgenommen.

Der zweite Tatort ist fast in Laufnähe, mit dem Auto sind es bis dahin nur etwa fünf Minuten. Der Kurt-Schumacher-Platz liegt in einem Wohnviertel. Dort befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks eine Art Kiosk, mit der Aufschrift "24/7 Kiosk" auf der großen Glasscheibe, auf einem Reklame-Leuchtschild steht "Arena Bar & Café". Der Blick ins Innere ist versperrt, die Scheiben sind teils halbhoch mit orangefarbener Folie beklebt.

Schüsse in Hanau: Die Orte der Anschläge in Hessen. (Quelle: t-online.de)Schüsse in Hanau: Die Orte der Anschläge in Hessen. (Quelle: t-online.de)

Auf dem Platz vor dem Café steht eine beschädigte Limousine, die Frontscheiben sind zum großen Teil mit Rettungsdecken abgedeckt. Später, die Spurensicherung läuft schon längst, wird ein Feuerwehrzelt, das auch als Sichtschutz dient, um das Auto herum aufgebaut. Aufnahmen aus der Nacht von vor Ort sehen Sie oben im Video.

Auch hier hat die Polizei die Gegend weiträumig gesichert, ein schwer bewaffneter Beamter steht dabei. Immer wieder fahren Einsatzwagen der Polizei zum Tatort, auch Krankenwagen fahren durch. Während tief in der Nacht unten auf dem Parkplatz die Spurensicherung läuft, sind manche Fenster in dem neunstöckigen Gebäude noch erleuchtet. Hier und da flimmert ein Fernseher.

Nur wenige Menschen sind hier in der Nacht noch unterwegs, einige kommen aber bis an das Absperrband der Polizei. Sie seien Freunde oder Angehörige von den Opfern, berichten sie.

"Ein echtes Horrorszenario für uns alle"

Unter ihnen ist auch ein 24-Jähriger, der nach eigenen Angaben der Sohn des Kioskbesitzers ist. Er sei bei der Tat nicht vor Ort gewesen, sein Vater auch nicht, wie er erst später erfahren habe. Als er von den Schüssen gehört habe, sei er sofort hergekommen. "Ich habe erstmal einen Schock bekommen." Die Opfer seien Leute, "die wir jahrelang kennen". Es seien zwei Mitarbeiter und eine Person, die er schon von klein auf kenne. Wer verübt solch ein Verbrechen? Der 24-Jährige ist ratlos: "Wir kennen sowas nicht, wir sind auch nicht mit Leuten zerstritten. Wir können es uns gar nicht vorstellen. Es war ein Schock für alle."

Auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich in einer Sondersendung von "Bild live" erschüttert über die Gewalttaten. "Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben."

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist." Auf Twitter schrieb sie: "In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid." Und: "Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!"

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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